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Vortrag beim Naturheilverein Südwestpfalz über Hildegard von Bingen

Vortrag beim Naturheilverein Südwestpfalz über Hildegard von Bingen : Gesundheitsfördernd und genussbejahend

Vor allem die „sechs Lebenssäulen“ der Heilkundigen Hildegard von Bingen lernten die Besucher bei einem Vortrag des Naturheilvereins Südwestpfalz in Heltersberg kennen.

Mittelalterliche Klänge durchflossen den Seminarraum in der Naturheilpraxis von Beate Koch in Heltersberg. Diese erklärte: „Das sind Lieder der Hildegard von Bingen.“ Passend dazu gab das Vorstandsmitglied im Naturheilverein Südwestpfalz den Zuhörern einen Kurzüberblick über das Leben und die Heilslehren der berühmten Äbtissin.

Als das kleine, schwächliche, zwölfte Kind ihrer Eltern fünf Jahre alt war, wurde ihre Hellsichtigkeit festgestellt. „Das hat sie niemandem gesagt“, verkündete Beate Koch. Wie viele, besonders die spät in der Erbfolge geborene Mädchen dieser Zeit, landete auch Hildegard von Bingen im Kloster. Später wurde die angesehene, gottesfürchtige Benidiktinerin sogar Äbtissin dort.

Gottes- oder Teufelswerk? Gewähren lassen oder Einhalt gebieten, schließlich ist sie eine Frau? Diese Frage beschäftigte sogar Papst Benedikt VI., der sich eingehend nach der Autorin dicker Bücher und Pflanzen-Heilkundigen erkundigte. Doch gemäß dem damaligen Vorurteil „offenbart sich Gott gerade den Einfältigen“ und es sei „unglaublich, was diese Frau kann“, bestätigte Hildegards Ziehvater, der Abt Juno. Allein wegen ihres „Singens und Tanzens mit den Schwestern“ konnte die Visionärin getadelt werden.

„Ihre Lehren basieren auf sechs Säulen: das Leben mit den Jahreszeiten, den vier Elementen, der Kräuterheilkunst, der Bewegung, der Regeneration sowie der seelischen Reinigung – und sind alltagstauglich, gesundheitsfördernd und genussbejahend“, beschrieb Beate Koch.

Im „Leben mit den Jahreszeiten“ befürwortet Hildegard bewusstes, sanftes Entgiften des Körpers im Frühjahr, im heißen Sommer leichte Speisen und frische Kräuter, im Herbst das Einmachen der Ernte, von Kräutern in Essigen und Ölen, im Winter eine Ruhezeit für das Wohlbefinden mit Kräutertee, Kerzenschein und Weihnachtsbäckerei. Nach einem Rezept aus Hildegard von Bingens Koch- und Backbuch gab es Kekse mit Muskat, Nelke und Zimt aus hochwertigem Mehl alter, unmanipulierter Dinkelsorten zu kosten.

Die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde prägen die zweite Säule. Genießen und loslassen beim Blick in die Kaminflammen oder unter den warmen Sonnenstrahlen, erfrischende Klarheit der Luft in den Bergen oder an der See, reinigendes Wasser in Meereswellen und die Erde als Basis in der Begegnung mit der Natur heilen uns bis heute.

„Dagegen wird doch wohl ein Kraut gewachsen sein“, zitierte die Heilpraktikerin die Heilkundige und zählte Bertram, Galgand (deutscher Ingwer), Kreuzkümmel oder Quendel (Ur-Thymian), Veilchen, bitteren Vermuth oder Ysop als deren liebste Heilpflanzen auf. Gerade Bitterstoffe, wie etwa in der Artischocke, sind heute eher verpönt und werden vielfach etwa aus Chicoree einfach hinausgezüchtet. „Dabei entgiften sie die Leber“, erinnerte Beate Koch und empfahl, bittere Löwenzahnwurzeln als Schnaps anzusetzen.

„Bewegung“ beinhaltet Musik und Tanz ebenso wie Gartenarbeit oder Spazierengehen. „Nehmt euch Zeit für Ruhe und Erholung. Nehmt euch Zeit für euch selbst – über euch im Nichtstun“, hatte bereits Hildegard von Bingen vor rund tausend Jahren zur Regeneration empfohlen.

Die „seelische Reinigung“ beinhhalte vor allem die „Befreiung von allen schlechten Gedanken“. Wenngleich das Naturgesetz der Resonanz damals noch nicht bekannt war, wusste Hildegard bereits: „Gesundsein ist ein nie endender Born“, zitierte Beate Koch. Es gehe darum, die eigene Mitte zu finden, mit und in der Natur, das rechte Maß zu halten bei allen Dingen und die „Barmherzigkeit“ in den Mittelpunkt zu stellen.

www.naturheilverein-swp.de

Weitere Termine: Montag, 16. November, 18.30 Uhr: „Augentraining“ mit Andreas Eichhorn bei Helga Bopp, Kirchbergstraße 630 in Pirmasens. 30. November bis 6. Dezember: Fastenkurs nach Buchinger mit Beate Koch in und um Heltersberg.