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Von Vakanzen, Leerständen und Sparzwängen

Von Vakanzen, Leerständen und Sparzwängen

Die Stelle von Annette Hübschen als City-Managerin ist weiter vakant. Wie ist der Stand des Verfahrens?Helmut Reichling: Wir führen da ein standardisiertes Verfahren durch, haben die Stelle noch mal ausgeschrieben und 44 Bewerbungen erhalten. Nach Absprache mit Kurt Pirmann haben wir acht Personen zum Gespräch im Februar eingeladen. Danach geht es in den Personalausschuss

Die Stelle von Annette Hübschen als City-Managerin ist weiter vakant. Wie ist der Stand des Verfahrens?Helmut Reichling: Wir führen da ein standardisiertes Verfahren durch, haben die Stelle noch mal ausgeschrieben und 44 Bewerbungen erhalten. Nach Absprache mit Kurt Pirmann haben wir acht Personen zum Gespräch im Februar eingeladen. Danach geht es in den Personalausschuss. Spätestens mit dem Amtsantritt von Kurt Pirmann zum 1. Juni 2012 soll die Stelle besetzt sein.

Annette Kraft: Alles hängt auch davon ab, wie schnell die Leute aus ihrem laufenden Vertrag herauskommen.

Inwiefern sind die Geschäftsabläufe von der Vakanz beeinträchtigt?

Reichling: Auch wenn die SPD mal behauptet hat, man brauche die Stelle gar nicht, hat uns die Vakanz im Bereich Wirtschaftsförderung sehr stark behindert. Der Einzelhandel hat sich ja auch entsprechend positioniert. Frau Kraft erledigt die Arbeit nebenbei mit, ist doppelt belastet. Etwa wenn Nachfragen von Ketten kommen, die sich für Zweibrücken interessieren, oder bei ansiedlungswilligen Unternehmen nachzuhaken, welche Zahlen fehlen, wie vorgeschlagene Flächen gefallen. Das ist eigentlich ein Vollzeitjob.

Kraft: Das Tagesgeschäft kann gerade so bewältigt werden, aber strategisch etwas aufbauen - das ist derzeit unmöglich.

Wo könnte die Stadt denn schon weiter sein, wenn der Posten dauernd besetzt gewesen wäre?

Reichling: Wir haben uns Mühe gegeben, dass nichts liegen geblieben ist. Ich kann nicht sagen, dass die Stadt weiter wäre. Der Einzelhandel würde sich aber besser betreut fühlen, etwa vor dem Hintergrund der Nutzung des City-Outlets. Auch für die Innenstadt-Moderation ist die Vakanz ungünstig.

Kraft: Wir hätten deutlich mehr Events in der Innenstadt: Die Einzelhändler haben etwa gewünscht, dass wir so was wie die Gesundheitstage wieder veranstalten. Immerhin haben wir beispielsweise die Halloweenaktionen nicht ausfallen lassen.

Gespräche zur Ansiedlung eines Elektrofachmarkts in der Innenstadt laufen, sagten Sie am 15. Dezember. Woran hakt es?

Reichling: Es hakt überhaupt nicht, aber noch ist nichts spruchreif. Es gibt viele Anfragen, aber ich kann nicht sagen, ob von Media-Markt oder anderen. Investoren gerade in Konkurrenzsituationen möchten so was nicht in der Zeitung lesen. Generell verhandeln wir für Zweibrücken derzeit intensiv mit fünf bis sechs Firmen, bei denen es bis zu hunderttausenden Quadratmetern Fläche geht. Aber solche Verhandlungen ziehen sich über Jahre hin.

Welche Hoffnungen setzen Sie in die Innenstadtmoderation?

Reichling: Dass die Zweibrücker Einzelhändler zusammenarbeiten und nicht jeder einzeln handelt. Es ist auch eine Frage der Einzelhändler, selbst zu schauen, was an Sortimenten geht, in freie Flächen jemanden reinzuholen, der das Sortiment ergänzt.

Wie bewerten Sie die Leerstandsituation in Zweibrücken?

Reichling: Wir hatten vor drei Jahren keinen plakativen Leerstand, aktuell ist es anders. In der Fußgängerzone ist Optik Ohmer vakant, im ersten Stock bei Sport Franck sollen Dienstleister rein. Für das Rosencafé gibt es unseren Informationen zufolge einen großen Interessenten aus Saarbrücken.

Zweibrücken will dem Entschuldungsfonds beitreten, muss dann allerdings ab 2013 etwa zwei Millionen Euro jährlich selbst sparen. Wo denn?

Reichling: Kurt Pirmann hat da eigene Ideen, ich habe sie nicht. Wenn man die Grundsteuer heraufsetzt bis es knirscht, könnte man noch etwas einnehmen, aber lange keine zwei Millionen Euro. Und jeden Euro, den man darüber einnimmt, kann von den Leuten nicht mehr ausgegeben werden. Und bei den Gewerbesteuern haben wir bereits den höchsten Hebesatz in Rheinland-Pfalz neben Mainz und Pirmasens.

Die Gewerbesteuern sind im vergangenen Jahr geringer ausgefallen als geplant. Wie sehen Sie hier die Perspektiven?

Reichling: Ich verspreche mir einiges von den New-Economy-Firmen, die gekommen sind. Die Gewerbesteuern kommen bei uns etwas in Wellen, wir hatten mal 30 Millionen, aber auch schon sieben Millionen. Die Gewerbesteuern der Firmen im Konversionsgebiet auf dem Flugplatz fließen teils ja an die Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land.

Im Zuge der aktuellen Merkur-Frage-der-Woche bei Facebook (siehe Artikel unten) spricht sich eine klare Mehrheit für Lebensmittelmärkte im City-Outlet aus...

Reichling: Die Kaufhalle hat ja zu gemacht, weil der Lebensmittelmarkt nicht genug Geld umgesetzt hat. Die Frage ist also, ob es Anbieter von Lebensmitteln gibt, für die das heute Sinn machen würde.

Inwiefern haben Sie eigentlich Einfluss auf die künftige Belegung des City-Outlets?

Reichling: Wir sind nicht in die Verhandlungen der HGV involviert, was ins City-Outlet reinkommt. Denkbar ist so ziemlich alles außer einer Sauna, einer Spielothek oder auch einer Peepshow, ebenfalls scheidet ein Casino aus.Foto: pma

"Strategisch etwas aufbauen - das ist derzeit unmöglich."

Anne Kraft, Wirtschaftsförderung Zweibrücken

Hintergrund

Die wichtigsten Projekte und Vorhaben der Zweibrücker Wirtschaftsförderung sind 2012: die Vermarktung des Technologiecampus 2Brücken durch Messebesuche und eine Mailingaktion; die Abstimmung der in den Arbeitskreisen erarbeiteten Maßnahmenvorschläge bei der Innenstadtmoderation und deren Umsetzung; Vorbereitung des Zulieferforums Maschinenbau Metall/Kunststoff im Frühjahr 2013; die Fortschreibung der Leitlinien zur Stadtentwicklung beauftragen und begleiten, sowie ein Stadtentwicklungskonzept erarbeiten; über die Standortinitiative Südwestpfalz dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken. ek