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Von Russland aus der Ukraine geklaut – John Deere legt Landmaschinen lahm

Mit eingebauter GPS-Technik in Tschetschenien geortet : Von Russland aus der Ukraine gestohlen – John Deere legt Landmaschinen lahm

Russische Truppen haben im Kriegsgebiet 27 Ernte­geräte des auch in Zweibrücken produzierenden Herstellers entwendet – im Wert von fünf Millionen Dollar. Dank der eingebauten GPS-Satellitentechnik konnte ihr Weg bis nach Tschetschenien verfolgt werden.

Infolge der russischen Invasion in der Ukraine hatte John Deere Ende Februar die Lieferung von Landmaschinen nach Russland gestoppt (wir berichteten). Doch der Export nach Russland wurde dadurch nicht gänzlich gestoppt. Dafür allerdings kann der US-amerikanische Landmaschinen-Hersteller, der in Zweibrücken mit seinem Werk zweitgrößter Arbeitgeber ist, nichts – die Geräte wurden nämlich von russischen Truppen gestohlen.

Das zumindest berichtet der renommierte US-Fernsehsender CNN. Demnach wurden im Laufe der vergangenen Wochen alle 27 John-Deere-Geräte eines Händlers im russisch besetzten Melitopol (nordöstlich der Krim) gestohlen. Gesamtwert: fast fünf Millionen US-Dollar (4,7 Millionen Euro). Die teuersten Geräte (kombinierte Erntemaschinen) hätten einen Stückpreis von 300 000 Dollar.

Was die Diebe offensichtlich nicht wussten: Ihr Tun konnte verfolgt werden! Nicht nur zeigte eine Überwachungskamera, wie ein mit dem russischen Kriegspropaganda-Zeichen „Z“ markiertes Militärfahrzeug mit Diebesgut unterwegs war. Sondern der Hersteller konnte herausfinden, wohin entwendete Landmaschinen entführt wurden – per GPS-Satellitentechnik. Diese dient normalerweise der Ernte-Steuerung. Aber schon im März 2021 wurde mithilfe internationaler Polizei-Kooperation ein bei einem Händler in Zweibrücken gestohlener John-Deere-Traktor im Wert von 160 000 Euro in Litauen geortet und der Tatverdächtige konnte verhaftet werden (wir berichteten).

Laut CNN wurden einige der nun in der Südukraine entwendeten Erntemaschinen in einem benachbarten Dorf entdeckt – einige wurden aber über 1100 Kilometer weit transportiert, und zwar in die russische Kaukasus-Region Tschetschenien. Doch der Versuch, die teuren geklauten Maschinen in Betrieb zu nehmen, misslang – sie können nämlich aus der Ferne blockiert werden. Der Informant aus Melitupol (den CNN zu seinem Schutz anonym zitiert) berichtete allerdings, die Entführer hätten russische IT-Experten hinzugezogen, um zu versuchen, die Sperrung aufzuheben. Zudem könnten die Diebe die Landmaschinen notfalls ausschlachten und als Ersatzteile verkaufen.

John Deere erklärte auf PM-Anfrage, derzeit zu dem Vorgang grundsätzlich keine Stellung zu nehmen.