Von Häftlern und Knöpflern

Riesiger Andrang herrschte bei der Eröffnung der Mennoniten-Ausstellung am Donnerstag. Mehr als 150 Gäste interessierten sich für die Geschichte der Mennoniten und Amische im Raum Zweibrücken.

Erstmalig in der Geschichte der Bibliotheca Bipontina musste der Eröffnungs-Vortrag zu einer Ausstellung aus Platzgründen in den Musiksaal des Helmholtz-Gymnasiums verlegt werden. Weit mehr als 150 Gäste interessierten sich für die Geschichte der Mennoniten , der das hiesige Landesbibliothekszentrum unter dem Motto "Von den ,Häftlern' und den ,Knöpflern'. Mennoniten und Amische im Zweibrücker Raum" gedenkt.

Die meisten der andersgläubigen Besucher befassten sich erstmals mit der ältesten evangelische Freikirche, die vor 490 Jahren in der Schweiz entstand. Vor 300 Jahren flohen die ob ihres Glaubens verfolgten "Täufler" auch in den Raum Zweibrücken . Roland Paul, Direktor des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, informierte über die mennonitischen Grundsätze: Nachfolge Christi nach biblischem Vorbild, willentliche Erwachsenentaufe, Verweigerung von Kriegs- oder Wehrdienst, Verkündigung durch Laien. Entvölkerung nach dem 30-jährigen Krieg, vor allem aber ihr landwirtschaftliches Geschick, gepaart mit Fleiß, Rechtschaffenheit und Hilfsbereitschaft, begründen letztlich die Akzeptanz der Mennoniten . Oft führten sie herabgewirtschaftete Höfe wieder zu Erfolg, Ihre Kühe gaben nachweislich deutlich mehr Milch als der pfälzische Durchschnitt. Sie modernisierten die Landwirtschaft in Mustergütern und zahlreiche florierende Höfe rund um Zweibrücken gehören noch heute mennonitischen Familien, wie Nafziger, Lehmann, Guth, Schowalter oder Stalter, um nur einige zu nennen. Am meisten staunten die Zuhörer, dass die amerikanischen Amish People als Nachfahren von Jakob Amann auf einen Pfälzer aus Ixheim zurückgehen. In Ixheim ist bis heute das Bethaus der, allerdings modernen, Gemeinde. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung von Mennoniten und Amischen mit zahlreichen, bisher nicht öffentlich präsentierten Exponaten aus Privatbesitz und Büchern der mennonitischen Forschungsstelle und des LBZ/Bibliotheca Bipontina. "Der sehr aktiven Forschungs- und Sammeltätigkeit der Mennonitengemeinde ist es zu verdanken, dass zusätzlich zur historisch relevanten Literatur, zahlreiche Alltagsgegenstände und persönliche Dokumente die Leistungen und den Alltag von Amischen und Mennoniten in der dadurch lebendigen Ausstellung erlebbar machen", dankt Sigrid Hubert-Reichling, Leiterin der Bibliotheca Bipontina, allen Beteiligten. Im Zentrum stehen ein altes Tauf- und Abendmahlsgeschirr sowie ein über 100 Jahre altes Brautkleid, das von Zweibrücken seinen Weg bereits nach Amerika genommen hatte und in letzter Zeit wieder in die Heimat zurückgekehrt ist.

Die Ausstellung läuft bis 23. April, Sonderführungen gibt es am 1. und 10. April, jeweils 18 Uhr, zusätzliche Führungen nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag acht bis 13 Uhr; Montag, Mittwoch, Freitag 14 bis 17 Uhr.