1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Von Flohmärkten, Kerwe-Euphorie und Asterixbildern

Von Flohmärkten, Kerwe-Euphorie und Asterixbildern

Der Zweibrücker Stadtteil Ernstweiler verbindet die Nähe und die Vorzüge der Stadt mit ruhigen und naturbelassenen Fleckchen. Über 2000 Menschen wohnen heute im westlichen Stadtteil. Darunter auch Gabi Böhm, die an einem trüben Nachmittag in ihrer Sitzecke in ihrem Garten anzutreffen ist.

Seit dem Jahr 1997 wohnt sie hier, ganz dicht an der Hauptstraße. Dieses Haus zu kaufen, war damals eher Zufall, berichtet die gebürtige Saarländerin. Tatsache war, dass ein Haus gesucht wurde, das auch ohne Auto zentral gelegen ist. In Ernstweiler überzeugte darum nicht nur das Haus, sondern auch die Nähe zur Bushaltestelle, zur Schule, zum Kindergarten und zur Innenstadt. Die Hauptverkehrsstraße habe sie bis heute nie als negativen Aspekt empfunden. Und was gefällt ihr außerdem? "Man kann gut und hausnah spazieren gehen", sagt Gabi Böhm und betont, dass ihr gerade das sehr wichtig sei. Gemeinsam geht es dann ins Ernstweiler Tal oder in den Prinzenpark. Ansonsten gefallen ihr aber auch die Festivitäten sehr gut, die viel durch das Ortskartell Ernstweiler organisiert werden und häufig im Prinzenpark oder rund um die Kirche stattfinden. Wirklich toll findet sie aber auch den Flohmarkt, der seit einiger Zeit an der Kirche stattfindet. An dessen Entstehung ist sie übrigens nicht ganz unbeteiligt. So veranstaltete sie nämlich vor sieben Jahren gemeinsam mit drei weiteren Ernstweilerinnen regelmäßige Haus- und Hofflohmärkte. Die Damen gründeten damals sogar so etwas wie einen Nachbarschaftsverein. Dabei kam den Frauen die Idee, dass es doch schön wäre, den Flohmarkt auch Außenstehenden zugänglich zu machen und schlugen dem Ortskartell diese Idee vor. Das Gremium begrüßte die Idee und seit einem Jahr findet einmal im Monat in den Monaten Mai bis September ein Flohmarkt an der Kirche statt. Das werde gut angekommen, berichtet sie. Die Organisation übernehmen heute noch zwei der vier damaligen Nachbarschaftsvereinsmitglieder. Gabi Böhm selbst nimmt ab und an selbst als Verkäuferin teil. Geplant werden die Märkte immer am Jahresanfang, auch um nicht mit den Zweibrücker Flohmärkten zu konkurrieren. Die Termine werden dann auf der Facebook-Seite des Ortskartells bekannt gegeben. Grundsätzlich darf auch jeder mitmachen, nur Neuware ist nicht erlaubt. Doch auch im Winter muss das Flohmarkttreiben nicht ruhen, dann geht es in der Kantine von Terex Demag weiter. Soweit es Gabi Böhms Zeit zulässt, ist sie auch bei der Club-Gemeinschaft Hasensteig aktiv. Zu den Dancing-Mummys ist sie eher zufällig gekommen, vor Jahren, als sie ihre Tochter ab und an begleitete. Und wie lautet das Motto der Saison? "Das wird noch nicht verraten", sagt sie grinsend. Und dann gibt es noch ein Fest, auf das sich jedes Jahr die ganze Familie freut: die Kerb. "Man kann sich jedes Jahr darauf verlassen, dass es wieder genauso schön wird, wie im Jahr zuvor".

Damit die Kerb auch so wird, benötigt es vor allem die Ernstweiler Straußjugend. Die ist in den Tagen vor der Kerb mächtig eingebunden und ist zu gleicher Zeit auf dem Kerbeplatz hinter dem Prinzenpark mit dem Aufbau beschäftigt. Die ganze Straußjugend lebt gerne in Ernstweiler? Einstimmiges Nicken folgt als Antwort. Und wieso? "Is so", entgegnet Mareike Grünagel prompt mit einem Lächeln und der Rest der Truppe bricht in Lachen aus. Gegen kurz und prägnant ist ja nichts einzuwenden, es darf aber dennoch etwas ausführlicher sein. "Die Mama und die Oma sind schon hier geboren, es ist eine Gemeinschaft über Generationen", erklärt Lisa-Marie Zimmer. "Ernstweiler ist der schönste Platz in Zweibrücken", sagt Mareike Grünagel. Und weil man sich kennt, und es eine gute Mischung aus Natur und stadtnaher Ortschaft sei, erklärt Simon Nikolaus. Die Mitglieder der Straußjugend kennen sich allerdings nicht nur aus der Nachbarschaft, sondern auch aus den Vereinen, in denen sie Mitglieder sind. Etwa die Hälfte ist auch in der Club-Gemeinschaft Hasensteig. Mareike Grünagel etwa ist dort als Jugendwart tätig und ist dabei mit der Organisation von Kinder- und Jugendveranstaltungen oder als Ansprechpartner für die Kids zuständig. Simon Nikolaus war früher im Männerballett anzutreffen. Heute findet man ihn eher beim Schautanz oder in der Bütt. Und Lisa-Marie Zimmer hat in dieser Saison sogar das Zepter in der Hand. Nach der Inthronisierung steht ihr eine anstrengende Zeit als Prinzessin bevor. Eine Zeit, auf die sie sich allerdings auch sehr freut. Wenn sie also von August an als Straußjugend aktiv sind und danach auch noch im Fastnachtsverein, dann haben sie ja eigentlich fast das ganze Jahr einen Grund zu feiern? Ein Nicken und Strahlen geht durch die Runde, das ist Antwort genug.

Wenige Straßen weiter ist auch Dietrich Mayer voll konzentriert. Der 76-jährige Rentner hat sich nämlich gerade wieder eine neue Beschäftigung gesucht, mit der er sich aus Spaß an der Freude die Zeit vertreibt. Der gelernte Maler malt nämlich noch heute leidenschaftlich gerne, und nachdem er sein Haus neu gestrichen hat, kam ihm die Idee, als Nächstes ein Gemälde auf seiner Garagenwand in seinem Garten anzubringen. Kurzerhand fuhr er ins Geschäft und suchte nach Inspiration. Diese fand er witzigerweise in einem Asterixheft. Und so beschloss er, eine Szene aus "Asterix und die Schweizer" zu malen. Insgesamt drei Bilder sollen es werden. Mit dem ersten Bild ist er fast fertig. Der Asterixfan malt, solange es nicht regnet. Ob er in diesem Jahr noch fertig wird, ist also auch wetterabhängig. Doch das stört den Rentner nicht, schließlich ist keine Eile angesagt. Mit Ölfarbe malt er seine Bilder an die Garagenwand, die Rillen der Garage sind dabei besonders schwer, berichtet er. Seine Frau hat er vor 58 Jahren übrigens in Ernstweiler auf der Kerb kennengelernt. Damals war sie junge 15 Jahre alt. Zwei Jahre später wurde geheiratet. Diese findet die Bilder auch toll, erzählt Dietrich Mayer. Der größte Fan ist allerdings sein fünfjähriger Urenkel. Dieser ist auch mit ein Grund, weshalb er gerne Zuhause malt, "damit die Urenkel was zu kucken haben", erzählt er stolz. Und auch das Projekt im nächsten Jahr steht schon fest, dann soll es eine Kletterrose geben.