Von Brillen und Pillen

Ein kleines Malheur kann jedem passieren: in meinem Fall war es ein zerkratztes Brillenglas. Dann kann einer Rückkehrerin wie mir auch in den kleinen Dingen des Lebens die Vergangenheit einholen

Ein kleines Malheur kann jedem passieren: in meinem Fall war es ein zerkratztes Brillenglas. Dann kann einer Rückkehrerin wie mir auch in den kleinen Dingen des Lebens die Vergangenheit einholen. Ich brauchte dringend neue Gläser und wohin wende ich mich mit meinem Problem? Als "alte" Zweibrückerin suche ich wie selbstverständlich das alteingesessene Optikergeschäft in der Hauptstraße, das ich noch von früher kannte. Ausgehend vom Alexanderplatz lässt mich der Weg durch die Hauptstraße nicht mehr aus dem Staunen kommen: ein Optiker reiht sich an den nächsten, eine wahre Optiker-Kette tut sich vor meinen Augen auf, bevor ich "meinen" Brillenladen dann doch letztendlich noch gefunden habe. Der Firmennamen ist der gleiche geblieben, zwischen damals und heute liegt eine lange Firmen- und Familiengeschichte, die ich mir gern von der jetzigen Inhaberin erzählen lasse. Das Bestehen im Zweibrücker Optiker-Panorama ist inmitten all der Konkurrenz keine leichte Aufgabe. Etwas verunsichert verlasse ich den Brillenladen, und erstaunt denke ich an die vielen Veränderungen auf dem Brillenmarkt auch in unserer Stadt. Hat sich die Lage der Augengesundheit dermaßen verschlechtert oder sind es massive Werbekampagnen, die so viele Zweibrücker zu Brillenträgern machen wollen?Auffällig auch die Dichte der Apotheken in der Innenstadt. Ich kenne keine Stadt, sei es im In- oder Ausland, mit einer derartigen Konzentration. Ist eine mögliche Ursache die Altersstruktur der Bevölkerung? Oder gar ein Konzept zur Innenstadtbelebung? Mit diesen Gedanken beschäftigt, komme ich auf dem Hallplatz an, auch Sauplacken genannt, Namensgeber des bis 1912 hier abgehaltenen Viehmarktes. Endlich fröhliche Kinder, die auf der Bronzeplastik der Ferkelherde mit Hirten spielen. Auch diese Skulpturengruppe ist eine sehr schöne Neuerung im Stadtbild, die ich von früher nicht kannte. Und guter Dinge gehe ich im Bewusstsein der vielen Kinder weiter, die das Stadtbild zwischen Brillen und Pillen beleben.