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Von brennenden Puppen und fließendem Wasser

Von brennenden Puppen und fließendem Wasser

An Silvester wird in der ganzen Welt kräftig gefeiert. Mit großen Erwartungen verbringen die meisten Menschen den Jahreswechsel im Kreis ihrer Liebsten. Zweibrücker Migranten erzählen von den Gepflogenheiten in ihrer früheren Heimat.

Der Jahreswechsel bringt weltweit viele Traditionen mit sich. Auch die in der Region lebenden Migranten können viel über die Bräuche in ihrer früheren Heimat erzählen. "Die Deutsch-Türken feiern den Jahreswechsel in der Regel ausgiebig und intensiv", erklärt die Zweibrücker Stadträtin Pervin Taze. Es werden Hallen angemietet, wo sich viele Familien treffen und ihre selbstgemachten Speisen mitbringen. Dort wird dann auch ausgiebig getanzt (Halay) und gefeiert. Brauch sei es, vor dem Silvesterfest einen Hammel schlachten zu lassen. "Ansonsten gibt es das übliche gute türkische Essen, wie Börek, Sarma, Dolma und vieles mehr", sagt Taze. Um Mitternacht versammeln sich dann die Menschen auf der Straße, um sich das Feuerwerk anzuschauen und mit Sekt auf das neue Jahr anzustoßen. In der Türkei, besonders in Großstädten, sei alles weihnachtlich geschmückt. "Silvester ist sozusagen unser Weihnachtsfest, auch das gegenseitige Beschenken gehört dazu", so die Kommunalpolitikerin. Im türkischen Fernsehen würden den ganzen Abend über Silvester spezielle Sendungen gezeigt. Brauch in der Türkei sei es, um Mitternacht den Wasserhahn aufzudrehen, was Glück bringen soll.

Auch im Irak wird der Jahreswechsel groß gefeiert, wie Angham Ghadeer berichtet. Im Familien- und Freundeskreis werden Feste organisiert, die bis in den Neujahrstag dauern. "Wir singen und tanzen den ganzen Abend", so Ghadeer. Dazu gibt es ein ausgiebiges Essen, wie beispielsweise gefüllte Weinblätter, Hähnchen und Fadennudeln. Im Fernsehen werden neue Filme gezeigt. Auch im Irak gehören inzwischen weihnachtliche Bräuche, wie ein geschmückter Baum, zu Silvester . "In Bagdad seht sogar der größte im gesamten Mittleren Osten", weiß die Zweibrückerin. Es gebe sogar einen Weihnachtsmann, der in den Tagen zuvor die Kinder mit Geschenken überrascht.

Ein Fest der Familie ist Silvester auch in Ecuador. Die Menschen treffen sich zum gemeinsamen Essen, bei dem Fisch oder Gegrilltes serviert werde. Zum Jahreswechsel wird dann mit Sekt oder anderen Getränken wie in Deutschland angestoßen. Eine besondere Tradition in dem südamerikanischen Staat ist das Verbrennen von "año viejo" (altes Jahr) um Mitternacht. Ein "año viejo" ist eine Papp- oder Stofffigur, die man in allen möglichen Gestalten wie berühmten Fußballspielern, politischen Persönlichkeiten oder Zeichentrickfiguren aus Filmen auf der Straße zum Verkauf angeboten bekommt. Im Dezember sind die Straßen überfüllt von diesen Figuren, darunter sogar richtige Kunstwerke, an denen eine Person das ganze Jahr gearbeitet hat. Wer oder was die Figur ist, hat keine große Bedeutung. Bei dem Verbrennen geht es darum, das alte Jahr hinter sich zu lassen und einen Neustart zu machen.