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Villa Schwinn in Zweibrücken: Gerhard Herz und Hanne Stauch kritisieren Bauvorbescheid

Kritik am Bauvorbescheid Zweibrückens für Neubauten neben Villa Schwinn : Remise-Abriss? Denkmalfreunde schalten Rechtsanwalt ein

Rendite-Maximierung ist rechtlich kein Grund, ein Kulturdenkmal in seiner Wirkung zu beeinträchtigen, argumentieren Zweibrücker Denkmalfreunde. Und bezweifeln die Behauptung, dass die Villa Schwinn nur gerettet werden kann, wenn die Stadt dicht gedrängte Neubauten auf dem Gelände erlaubt.

Zwar hat die Stadtverwaltung mit einem Bauvorbescheid Fakten geschaffen: Die Remise der Villa Schwinn darf abgerissen werden, um mehr Platz für vierstöckige Neubauten zu schaffen, wenn als Ausgleich die Villa und der Einfriedungszaun denkmalgerecht saniert werden.

Doch die Vierergruppe Zweibrücker Denkmalfreunde gibt ihren Kampf um den Erhalt der Remise (Kutschenhalle) nicht auf: Nach Roswitha Chéret und Georg Dhom (wir berichteten) haben sich nun auch Hanne Stauch und Gerhard Herz zu Wort gemeldet.

Dr. Herz wittert einen Verstoß gegen das rheinland-pfälzische Denkmalschutzgesetz und sagt: „Das wird jetzt juristisch geklärt.“ Er habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um die Chancen hierfür zu prüfen.

Die bisherigen Eigentümer („Schwinn-Erben“) und auch der Zweibrücker Baudezernent (Oberbürgermeister Marold Wosnitza) sowie der gesamte Zweibrücker Stadtrat argumentieren (wir berichteten mehrfach), der Erhalt der Remise sei wirtschaftlich nicht zu stemmen. Das Neubauprojekt mit rund 100 Wohnungen sei sogar eine große Chance für den Denkmalschutz: Denn nur damit könne die Villa Schwinn für die Zukunft erhalten und sogar wieder rundum in ihre alte Pracht versetzt werden (eine Fassadenseite der Neorenaissance-Stadtvilla ist seit Nachkriegszeit mit Eternitplatten verunstaltet).

Auch das Denkmalschutzgesetz schränkt ein, dass Kulturdenkmäler „im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und zu pflegen“ seien (§ 2).

„Zerstört“ oder auch „in seinem Erscheinungsbild nicht nur vorübergehend beeinträchtigt“ werden können Kulturdenkmaler auf Antrag nach Genehmigung dann, wenn „andere Erfordernisse des Gemeinwohls oder private Belange diejenigen des Denkmalschutzes überwiegen und diesen überwiegenden Interessen nicht auf sonstige Weise Rechnung getragen werden kann“ (§ 13).

Genau das aber ist hier nicht der Fall, glaubt Denkmalfreund Herz. Diese gesetzlichen Ausnahme-Möglichkeiten seien nämlich „nicht für Rendite-Optimierung gedacht“. Herz vermutet, dass es den Schwinn-Erben darum gehe, das Grundstück für einen möglichst hohen Preis zu vermarkten – und das gehe besser, wenn es dicht bebaut werden dürfe. Das aber gefährde nicht nur die Remise, warnt Herz, sondern auch das Erscheinungsbild der Villa Schwinn, die durch vier vierstöckige Nachbargebäude erdrückt zu werden drohe, zumal der Bauvorbescheid keine Abstands-Vorgaben macht (außer dass beim Neubau direkt nebenan ganz oben das Staffelgeschoss sieben Meter schmaler werden muss als die Gebäudekante).

Herz sagt, er habe „gehört, dass ein Käufer da wäre“, der bereit wäre, außer der Villa auch die Remise und den kleinen Park dazwischen zu erhalten. Dieser Interessent, dessen Namen er nicht kenne, sei aber „wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen aussortiert worden“.

Herz’ Vierergruppe-Kollegin Hanne Stauch erklärt in einer E-Mail an den Pfälzischen Merkur, dass ein freier Blick auf die Villa Schwinn sowie ein Erhalt des gesamten Ensembles nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine ethische Frage sei. Stauch: „Das gesamte Ensemble muss als Einheit gesehen werden, als Zeitzeichen für die Pioniere einer ganzen Generation des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts, die unsere Stadt aufgebaut und geprägt haben, wie kaum eine Generation danach und zuvor. Von ihnen wurde ein wirtschaftliches Imperium geschaffen, das Wohlstand und Ansehen unserer Stadt gebracht und unseren Bürgern, nach den schweren Jahren, Arbeit und Brot gegeben hat. Mit ihren handwerklich prägenden Bauten vermittelten sie uns eine Kultur, von der wir heute nur träumen können und die für uns auch nicht mehr finanzierbar wäre. Ersetzen wir diese letzten Zeichen einer unvergessenen Kultur durch anonyme Betonbauten, die uniformell überall zu finden ist?“

Auch Herz hebt hervor, es handele sich „um eine der markantesten Fabrikanten-Villen der Pfalz“, die als Gesamtensemble erhalten bleiben werden müsse.

Solchen Argumenten allerdings waren die Schwinn-Erben schon im Februar 2020 in einer Pressemitteilung mit pointierten Worten entgegengetreten: „Wenn die Remise unter Denkmalschutz kommt und die Nutzung des Geländes zwischen der Villa und dem alten Kutschenhaus nur noch als Park genutzt werden kann, kommt das auf eine kalte Enteignung heraus. Ein herrschaftliches Anwesen mit Villa und Park konnten sich Unternehmer in der Zeit des Hochkapitalismus leisten, aber diese Zeiten sind vorbei. Wenn eine wirtschaftliche Nutzung des Grundstückes nicht mehr möglich ist, wird das dazu führen, dass die erhaltenswerte Villa nicht mehr weiter erhalten werden kann.“