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Vierbettzimmer sind schon lange abgeschafft

Vierbettzimmer sind schon lange abgeschafft

Ganz Deutschland debattiert über die Abschaffung von Vierbettzimmern in Kliniken. Doch in den beiden Zweibrücker Krankenhäusern gibt es schon heute nur Zweibettzimmer.

Zweibrücken. Die CDU-Forderung, deutschlandweit die Vierbettzimmer in Krankenhäusern abzuschaffen, sorgt bei vielen Klinikträgern für Aufregung - sie fürchten damit verbundene Kosten und sinkende Einnahmen, wenn sie mit Zusatzversicherungen keine Ein- oder Zweibett-Unterbringung mehr abrechnen können.Ganz gelassen verfolgt dagegen das Evangelische Krankenhaus Zweibrücken diese Debatte. Susanne Liebold, Sprecherin des Landesvereins für Innere Mission in der Pfalz, der die Zweibrücker Klinik betreibt, erklärt, warum: "Bei uns gibt es keine Vierbettzimmer, nicht einmal Dreibettzimmer. Der angestrebte Gesetzeszustand ist bei uns also schon erreicht, und das übrigens schon seit Bestehen des 1978 eingeweihten Hauses, das schon von seiner Struktur her auf Zweibettzimmer angelegt war." Mit entsprechender Zuzahlung oder Privatversicherung sei natürlich auch eine Einzelbelegung dieser Zimmer möglich.

Auch im Zweibrücker St.-Elisabeth-Krankenhaus gibt es nur Zweibettzimmer, berichtet Geschäftsführer Günter Merschbächer. Nur in "ganz seltenen Fällen" müsse mal ein drittes Bett ins Zimmer gestellt werden. "Vierbettzimmer sind in rheinland-pfälzischen und auch den meisten deutschen Krankenhäusern kein Thema", sagt Merschbächer, der auch Landesvorsitzender der Krankenhausdirektoren von Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist, zu dem CDU-Vorstoß. Dieser sei für ihn "überraschend gekommen" und wirke "nach dem, was mir bisher vorliegt, nicht sehr ausgegoren". Dreibettzimmer seien in Deutschland weit verbreitet, auch im von ihm ebenfalls geführten Landstuhler St.-Johannis-Krankenhaus. Merschbächer: "Das ist ein ganz komplexes Thema. Krankenhäusern fallen ganz erhebliche Einnahmen weg, wenn sie Zweibettzimmer nicht mehr als Wahlleistung abrechnen können." Ungelöst sei auch die Finanzierung erforderlicher Umbauten. "Meine ganz persönliche Erfahrung ist auch: Ein größeres Dreibettzimmer stört Patienten nicht dramatisch."

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn habe zwar Recht damit, dass Mehrbettzimmer für Patienten mit schweren Krebserkrankungen belastend sein könnten. Aber in solchen Fällen ließen sich andere Lösungen als generelle gesetzliche Zwänge finden, findet Merschbächer: "Ich bin nicht glücklich, die Diskussion auf solche Extremfälle zu fixieren." Zweibrücken. Sind Mehrbettzimmer auch aus Datenschutzgründen problematisch - weil Bettnachbarn bis ins Detail über das eigene Krankheitsbild informiert werden? Klaus Globig, stellvertretender Datenschutzbeauftragter von Rheinland-Pfalz, reagiert überrascht auf diese Merkur-Anfrage. "Da liegt schon ein gewisses Problem, das ist sicher ein Thema", sagt Globig spontan - doch sei ihm "nicht bekannt, dass jemals ein Landesdatenschutzbeauftragter gesagt hat, wir müssen weg von Vierbettzimmern". Oft gebe es auch "gegenläufige Interessen, die alle rechtlich fundiert sind" und wirtschaftliche Zwänge.

Im Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken gehe das medizinische Personal "mit Feingefühl" mit der Datenschutz-Problematik um, sagt Pressesprecherin Susanne Liebold: "Bei kritischen Gesprächsthemen wie einer schlimmen Diagnose achtet man darauf, dass niemand mithört, gegebenenfalls wird dafür ein Bett aus dem Zimmer geschoben." Unvermeidbar sei, dass Bettnachbarn mitbekommen, wenn Medikamente verabreicht werden.

Günter Merschbächer, Geschäftsführer des Zweibrücker St.-Elisabeth-Krankenhauses, sagt: "Es lässt sich nicht 100 Prozent vermeiden, dass andere Patienten etwas mitbekommen." Doch viele Zimmergenossen redeten ohnehin freiwillig miteinander über ihre Erkrankungen. Und die Ärzte achteten darauf, auch einmal ohne Ohrenzeugen mit Patienten zu sprechen, wenn diese Wert darauf legen. lf