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„Vielleicht sind wir schon zu sehr Stadt“

„Vielleicht sind wir schon zu sehr Stadt“

Kerwefeiern in Oberauerbach ? Tote Hose, sagen die einen und andere trauern den feuchtfröhlichen Festen in den Wirtschaften nach. Keine Straußbuben, kein Kerwestrauß - nichts mehr ist vom früheren Brauch in dem Zweibrücker Stadtteil übrig geblieben. "Vielleicht sind wir schon zu städtisch in dieser Hinsicht", sinniert Gernot Sieg im Sportheim des FCO, wo an diesem Wochenende zumindest noch ein Hauch von früher zu spüren war.

Derweil sich Sieg über den guten Zuspruch der meist älteren Vorstadtbewohner mächtig freut, versieht Ehefrau Meta zusammen mit Helga Lanzrath in der Sportheimküche den Dienst am Herd. Die Küche ist für Großbetrieb eingerichtet und die beiden Damen sind zusammen mit den übrigen Helfern froh darüber, dass es wie schon am Sonntag so auch am Kerwemontag richtig "flutscht". Es sei schließlich für Helfer viel schöner, ordentlich zu arbeiten, als Herumstehen müssen und Daumen drehen. Ihre Zubereitungskunst in der Küche ist diesmal bei Schnitzel, Pommes und Salat gefragt, die Leberknödel mit Sauerkraut, die auf keinen Fall bei einer Kerwe fehlen dürfen, wurden fertig aus dem Ixheimer "Roten Ochsen" geliefert und sind wie in den Jahren zuvor ein Renner. Die Tische im Sportheim sind fast alle voll besetzt, Richard Denger vom SVN ist mit Freunden gleichfalls zur Stelle, um die Kontakte zu vertiefen, die beiden ersten Mannschaften bilden erstmals in der Fußballgeschichte der beiden Vereine eine Spielgemeinschaft.

Die Erinnerungen an frühere Kerwezeiten kommen bei einem solchen Zusammentreffen zwangsläufig ins Gespräch und Matthias Beitelstein kann sich nicht genug darüber ereifern, wie ausgelassen doch früher in Oberauerbach gefeiert wurde. Klaus Hoffmann am FCO-Stammtisch weiß das nur allzugut, schließlich liegt sein großer Auftritt als Kerweredner jetzt fast zwei Jahrzehnte zurück. "Da haben wir es nochmals krachen lassen und wollten der Jugend zeigen, wie das geht - aber das Echo verpuffte, vielleicht sind wir wirklich schon zu sehr Stadt."