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Viele Zweibrücker Wirte wollen keine Außengastronomie im Corona-Herbst

Heizstrahler für Viele eher keine Option : Zweibrücker Wirte verzichten auf Außengastronomie im Herbst

Die Politik wünscht sich in Corona-Zeiten, dass Lokale auch im Herbst verstärkt draußen bewirten. Eine Stichprobe in Zweibrücken zeigt – viele wollen das nicht.

Mit bangem Blick schauen die Gastronomen in der Stadt auf den kommenden Corona-Herbst. In den vergangenen Monaten haben sie ihre Gäste bei schönem Wetter an den Außentischen in der Zweibrücker Innenstadt bewirten können. Doch die warmen Stunden in der Außengastronomie scheinen beim Blick aus dem Fenster und in die Wetterkarten nun gezählt. Ideen sind gefragt.

Wenn es nach der Politik geht, sollten die Gastwirte trotz ungemütlichen Wetters versuchen, die Besucher draußen zu bewirten. Etwa, indem sie Heizstrahler aufstellen. Die gelten zwar als bedenklich in Sachen Klimaschutz, könnten es den Gästen aber auch in kälteren Herbststunden draußen erträglich machen. Einzelne Kommunen verbieten sie – in den meisten Städten sind die meist gasbetriebenen Heizpilze erlaubt.

So auch in Zweibrücken. Sollten Restaurant- oder Cafébetreiber Heizgeräte für gewerbliche Zwecke draußen aufstellen wollen, müssen diese lediglich Tüv-geprüft sein. „Eine Genehmigung durch die Ordnungsbehörde“, sei nicht notwendig, erklärt Ordnungsdezernentin Christina Rauch (CDU) auf Merkur-Anfrage.

Doch wollen die Gastwirte überhaupt Außengastronomie in der kalten Jahreszeit? Mirco Foltran, Besitzer des Eiscafés La Perla am Hallplatz, sagt Nein: 8000 Euro Miete für die Räumlichkeiten seien genug. Er sehe es nicht ein wegen eines Virus, das er für nicht so gefährlich halte, noch für Zelte oder Heizstrahler zu zahlen. Zwei gebe es im Eingangsbereich in der Lounge und die Tische und Stühle auf dem Hallplatz kämen weg, sobald das Wetter dauerhaft schlecht werde, so Foltran.

 Der Außenbereich des Restaurants Odysseus. Normalerweise kosten sogar die Blumenkübel oder eine Mittagskarte auf dem Platz eine monatliche Gebühr bei der Stadt. Dieses Jahr hat die Verwaltung diese Sondernutzungsgebühr ausgesetzt. Ob das 2021 auch so sein wird, ist noch unklar.
Der Außenbereich des Restaurants Odysseus. Normalerweise kosten sogar die Blumenkübel oder eine Mittagskarte auf dem Platz eine monatliche Gebühr bei der Stadt. Dieses Jahr hat die Verwaltung diese Sondernutzungsgebühr ausgesetzt. Ob das 2021 auch so sein wird, ist noch unklar. Foto: Nico Tielke

Was die Anschaffung von Heizelementen angeht, kämen Kosten auf die Gastronomen zu. Die Verwaltung hat den Gastwirten dieses Jahr jedoch die sogenannte Sondernutzungsgebühr für Tische, Stühle oder Werbetafeln erlassen. Durch diese Gebühr nahm die Stadt nach eigenen Angaben im Jahr 2019 fast 14 000 Euro von Gastronomiebetrieben ein.

Vana Waiou ist seit zehn Jahren Chefin des griechischen Restaurants „Odysseus“ an der Alexanderskirche. Sie sparte durch diese Entscheidung der Verwaltung zwischen Mai und September rund 400 Euro und würde weiter sparen, sollte sie die Tische auch im Oktober stehen lassen. Doch das wird sie wohl nicht: „Die Leute wollten auch schon im Sommer nicht so gerne draußen Essen. Sie sitzen gerne dort, um einen Kaffee zu trinken, aber viele gehen dann lieber rein – auch in der Corona-Zeit“, sagt Waiou. In August und September störten die Wespen, jetzt sei es schon zu kalt, um draußen zu essen.

Für den Bereich vor ihrem Restaurant hätte sie vier Heizstrahler gebraucht. Die alleine hätten mindestens 600 Euro gekostet, rechnet Waiou vor. Sie kam zu dem Schluss, dass sich das nicht lohne. Auf die kommenden Monate blickt sie mit Sorge: „Ich habe Angst, dass jetzt im Herbst und Winter weniger Gäste kommen.“ Die Griechin hofft auf weitere Hilfe von Bund, Land oder Stadt.

Unsicher, ob sie im Corona-Herbst Außengastronomie anbieten wollen sind derzeit die drei Betreiber des „Jonis“ am Zweibrücker Hallplatz. Das 2020 neu eröffnete Restaurant bietet draußen so viele Plätze wie drinnen. Im Sommer saßen viele Gäste auch zum Essen im Schatten der Bäume. „Wenn wir ein Zelt aufstellen wollen, müssten wir erstmal mit der Stadt klären, wie man das verankern könnte“, sagt Stefanie Hartmann, eine der drei Betreiber. Vom Vormieter wissen die Jonis-Betreiber, dass der Wind auf dem Platz vor dem Lokal schon so manchen Schirm zerissen hat. Der Energieverbrauch von Heizpilzen sei ein Kostenfaktor. Das müsse man erstmal kalkulieren.

Sollte sich der Oktober in den nächsten Wochen nicht doch noch von seiner sonnigen Seite zeigen, sei es möglich, dass auch das „Jonis“ seinen Außenbereich schnell räumt. Zumindest bis Dezember. Dann will sich das Restaurant mit zwei Ständen an der geplanten Weihnachtsstadt beteiligen.