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VHS-Online-Vortrag mit Klima-Anpassundscoach Christian Kotremba

VHS-Online-Vortrag mit Klima-Anpassundscoach Christian Kotremba : „Lasst uns pflanzen, pflanzen, pflanzen“

Nur mit mehr Grün lassen sich die Folgen des Klimawandels in den Städten aufhalten. In seinem VHS-Online-Vortrag gab der Klima-Anpassungscoach Christian Kotremba einen Überblick über den Klimawandel in Zweibrücken. Er zeigte an zahlreichen Beispielen auf, wie die Stadt und jeder Einzelne helfen können.

Klimaschutz und die Anpassung an den Klima-Wandel geht jeden an – sollte man meinen. Doch an dem Online-Vortrag „Klimawandel in Zweibrücken – Praktikable Lösungen für Stadt, Haus und Garten – Global denken – lokal handeln“, zu dem die Volkshochschule (VHS) den stadtbekannten Klima-Anpassungs-Coach Christian Kotremba eingeladen hatte, nahmen hauptsächlich die ohnehin engagierten Klima-Akteure der Stadt teil.

Rund 20 Interessierte ließen sich von dem Betreuer der kommunalen Klimaanpassung Karlsruhe noch einmal global erklären, wie Klimawandel definiert wird, worin er sich zeigt und vor allem, was eine Stadt und auch jeder Einzelne dazu beitragen kann, ihn aufzuhalten. Starkregenfälle, die wegen der zumeist versiegelten Flächen zu Überflutungen mit massiven Schäden führen, trockene Hitzesommer, die nicht nur das Pflanzenwachstum hemmen und Ernten vertrocknen lassen, sondern auch den menschlichen Organismus belasten, sind auch bei uns zunehmend spürbar.

Wurden früher vereinzelte Trockenjahre in den Folgejahren ausgeglichen, mangelt es seit 2018 jedes Jahr an Wasser.

Binnen rund 130 Jahren erwärmte sich die Durchschnitts-Temperatur von 1887 mit 7,4 Grad auf 11,3 Grad im Jahr 2018. „Es gibt kaum noch Bereiche mit kühlem Klima“, zeigte Christian Kotremba in Wärmekamera-Fotos von Zweibrücken auf. Überwärmte Bereiche sind vor allem in der Innenstadt. Zum Glück sei Zweibrücken mit Kaltluftströmen, die über Nacht in die City einfließen und diese kühlen, sehr gut aufgestellt. „Die müssen unbedingt erhalten bleiben“, kommentierte die Gruppe einhellig.

Besonders dank der Aktivitäten der Bürgerinitiative „ZW vernetzt“, konnte in Zweibrücken bereits einiges in Punkto Klima-Anpassungshandeln umgesetzt werden, wie etwa das Pflanzen von Wander- und weiteren Bäumen oder die Wandlung zahlreicher Schotterflächen in Blüh-Oasen. Kotremba forderte: „Unsere Städte brauchen mehr Bunt: Grün an Pflanzen, Blau an Wasser und renaturierten Gewässern sowie Beige durch Holzbau, das CO2 bindet und speichert.“ Öko-Systeme böten unter anderem Gesundheit, Biodiversität und Artenvielfalt, Luftreinhaltung, Wasser-Rückhalt, Naturerleben mit kulturellen und sozialen Aspekten.

An zahlreichen Beispielen aus anderen Städten zeigte er interessante Möglichkeiten auf. Stadtgrün (-bunt) gelte es wertzuschätzen. „Wenn wir Stadtgrün entfernen, entfernen wir auch alle positiven Begleitaspekte“, warnte Christian Kotremba und forderte auf: „Lasst uns pflanzen, pflanzen, pflanzen. Wir müssen heute damit anfangen, denn morgen macht es uns mit mehr Trockenheit zunehmend schwerer.“

Mehr Natur in der Stadt verbessere deren Image, erhöhe die Attraktivität und sei ein zunehmend begehrter Tourismus-Faktor. Für Begeisterung sorgte sein Vorschlag: „Lasst uns jedes Jahr Wanderbäume pflanzen, da ist noch viel Platz.“ Unter dem Motto „essbare Stadt“ wie bei Vorbild Andernach, wo Bürger auf öffentlichen Flächen Kräuter, Beeren und Gemüse pflanzen, werden diese ebenso in das Planzthema mit einbezogen, wie bei Urban Gardening oder Baum- oder Beet-Patenschaften.

Öffentliche Hand, innerstädtische Unternehmen oder Anwohner haben eine Vielzahl an Möglichkeiten: Dachbegrünung könne je nach Möglichkeiten der Baustatik intensiv als Dachgarten mit einer multifunktionalen, begehbaren Fläche als toller Aufenthaltsraum dienen oder als extensive Dachbegrünung vor Hitze im Haus schützen. Vorgelagertes Grün greift keine Hauswand an und wirkt durch Verdunstungskühlung in den Straßenraum hinein.

Als nachahmenswertes Beispiel zeigte Christian Kotremba ein mit Spalierobst zum Ernten bewachsenes Kita-Gebäude. Oft vernachlässigt werde Innen- und Hinterhof-Begrünung, die dabei so hilfreich sei als Hitzeschutz. In Karlsruhe gebe es entsprechende Förderprogramme. „Regendiebe“ leiten Wasser statt in die Kanalisation direkt in den Garten.

Stefan Paul, Initiator und Sprecher von „ZW vernetzt“, lobte die „superspannende Information“: „Ich habe mir viele Notitzen gemacht.“ Besonders interessierte ihn die „Schwamm-Stadt“: Tiefbeete, Grüninseln, Regengärten und weitere, unversiegelte Flächen saugen, wie ein Schwamm, dezentral Wasser auf, lassen es versickern und verdunsten, statt es direkt abzuleiten.

Außerdem nutzte er die Gelegenheit, „ZW vernetzt“ für Gruppenfremde noch einmal vorzustellen: eine Klimaschutz- und Naturschutz-Plattform als Vermittlung und Ergänzung für bereits vorhandene Initiativen, die zusammen mit zahlreichen Partnern und der Stadt ihren Beitrag leisten will, „im Kleinen bis Mittelgroßen“. Statt jammern selbst handeln, Handlungs-Alternativen in neuen Ideen ausprobieren. Kurz umriss er am Ende des zweistündigen Vortrags die Pläne von „ZW vernetzt“ für 2021: „Wir haben uns viel vorgenommen.“

 Klima-Anpassungscoach Christian Kotremba und Co-Moderator Stefan Paul referierten über Auswirkungen des Klimawandels und Möglchkeiten der Klimaanpassung in Zweibrücken
Klima-Anpassungscoach Christian Kotremba und Co-Moderator Stefan Paul referierten über Auswirkungen des Klimawandels und Möglchkeiten der Klimaanpassung in Zweibrücken Foto: Screenshot/Cordula von Waldow

Der für Mai und Juni mit der VHS geplante Klima-Rundgang mit Klima-Anpassungscoach Christian Kotremba wird auf Termine im Hoch- und Spätsommer verschoben. Dieser stellte auch sein mit zwei Co-Autoren, Heike Boomgaarden und Werner Ollig, verfasstes, neues Buch vor, das am 24. Mai auf den Markt kommt: „Natürlich natürlich – Prima Klima für Stadt, Haus und Garten“ Knecht Verlag. ISBN 978-3-939427-58-2.