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Verträumte Schattenspiele und Politkitsch

Verträumte Schattenspiele und Politkitsch

Vielfach ließ sich nur erahnen, welchen Aufwand es wohl brauchte, um die traumhaften Schatten zu erzeugen. Die 450 Zuschauer erlebten viele verträumte Momente beim Auftritt der „Amazing Shadows“ – aber auch manch kitschigen Moment.

"Das war mal etwas anderes" und "Es hat sich etwas zu lang hingezogen" waren Kommentare, die am Samstagabend nach der Show in der Festhalle zu hören waren. Gastiert hatte die Tanzgruppe Amazing Shadows. Wie der Name schon verrät, waren die Künstler während des Auftritts gar nicht zu sehen, sondern nur ihre Schatten. Hinter einer Leinwand wie im Kino bewegten sich die US-Amerikaner, wobei sie, von einer starken Lichtquelle angestrahlt, immer wieder neue verblüffende Silhouetten erzeugten. In dieser Vorgehensweise lag allerdings auch die Crux der Aufführung: Auch wenn feststand, dass die Tänzer mit tollen Bildern faszinierten, hätte man doch zu gerne mal gewusst, wie sie das bewerkstelligten.

Wenigstens eine kurze Demonstration, wie da ein Elefant, ein Frosch oder eine Westernlok erzeugt wurde, hätte der an sich gelungenen Show das i-Tüpfelchen gesetzt. So ließ sich nur erahnen, welchen Aufwand es wohl brauchte, um die traumhaften Schatten zu erzeugen. Wäre nicht das Stampfen der Füße gewesen oder ab und zu ein Händeklatschen - es hätte auch eine Filmvorführung sein können, der die 450 Zuschauer beiwohnten. Zunächst setzten Amazing Shadows die Vier Jahreszeiten von Vivaldi in Bilder um: Im Sommer schwammen die Enten, im Herbst steckte der Wurm im Apfel, dargestellt von einem Arm; besonders gelungen schnellten Schlittschuhläufer im Winter übers imaginäre Eis. Zweifelhaft dagegen die Darstellung des Lebenswegs vom Kind zum Erwachsenen: Musste das unbedingt als "Geschenk" an die trauernden Eltern der Opfer eines Schulamoklaufs deklariert werden? Auch die ans Nationalgefühl appellierende Darstellung der Wiedervereinigung schoss übers Ziel hinaus - Demonstranten verjagten da mit ihren Schildern die Soldaten der DDR, zum Ende bildeten die Tänzer das Zeichen für Frieden. Das blieb nur als veritabler Politkitsch in Erinnerung. Im zweiten Teil dann der Höhepunkt, die großartige Umsetzung von Traumbildern, die in einen riesigen Kopfschatten hinein projiziert wurden - das hatte Atmosphäre, die auch von der generell stimmigen Musik mitgetragen wurde. Hier kam die Show dem spielerisch-verträumten Aspekt des Schattenspiels am nächsten. Auch eine Weltreise, die bis auf den Mond führte, wurde zwar klischeehaft, aber doch abwechslungsreich und mit großem Unterhaltungswert umgesetzt.

Am Ende zeigten die Artisten als Zugabe noch einmal besonders herausragende Elemente ihres Auftritts und holten sich ihren verdienten langen Beifall ab - vor der Leinwand.