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Verein der Rosenfreunde Zweibrücken

Verein der Rosenfreunde Zweibrücken : Ein Garten zum Fühlen, Riechen, Schmecken

Der Blindengarten im Rosengarten wird 15 Jahre alt. Die Rosenfreunde Zweibrücken investieren zum Jubiläum 3000 Euro in die Renovierung. Hanne Stauch, Vorsitzende der Rosenfreunde, erinnert daran, wie er entstanden ist.

(red) Rosen wachen über das Eingangstor und verbreiten einen wunderbaren Duft, der über den Garten zieht. Wer den Blindengarten im Rosengarten betritt, kann mit allen Sinnen Natur erleben. An dem Tasthochbeet lässt einen das Bärenfellgras mit seinen stacheligen Borsten schnell die Hand zurückziehen. Doch dafür schmeichelt der weiche wollige Ziest mit seinem zarten flauschigen Blatt, der immer wieder gestreichelt sein will. Am Riechbeet schnuppert die Nase die würzigen Kräuter, wie Duftnessel, Bergminze, Zitronenthymian und vieles mehr. Doch auch der Gaumen darf nicht zu kurz kommen. Die Versuchung ist groß, den Sauerampfer zu kosten. Und wie schmeckt Rosmarin, Lavendel und ein duftendes Rosenblatt? Und welchen Geschmack bietet die Schokominze zum Dessert?

In diesem Jahr wird der Garten für Sehbehinderte und Blindengarten 15 Jahre alt. Hanne Stauch, die Vorsitzende der Rosenfreunde, möchte aus diesem Anlass noch einmal die Entstehungsgeschichte erzählen. Erste Impulse für die Idee bekamen die Rosenfreunde bei einem Besuch in einem Dunkel-Café. Dort gibt es Kaffee und Kuchen in totaler Finsternis. Ein Experiment, das zeigen soll, wie das Leben in Blindheit ist. „Dieses Café wurde von Sehbehinderten geführt und wir hatten die Gelegenheit, uns mit ihnen zu unterhalten“, erinnert sich Hanne Stauch. „Sie sprachen offen über ihre Behinderung und erzählten mit großer Begeisterung über ihre kleinen und großen Erfolge, wie sie am normalen Leben unter uns Sehenden teilnehmen.“ Es war für die Rosenfreunde aus Zweibrücken die „lehrreichste Stunde, die sie erleben durften“. Als dann auch noch Designer Hermann Faust auf einer Floristikschau den Satz sagte, „es gibt Menschen, die das alles nicht sehen können. Lasst auch sie daran teilhaben“, da war endgültig die Idee geboren, im Rosengarten in Zweibrücken einen Garten für Blinde und Sehbehinderte zu bauen.

Mit seiner großzügigen Spende wurde das ehrgeizige Vorhaben der Rosenfreunde sofort gestartet. Die Rosenfreunde wandten sich zudem an den Präsidenten der Deutschen Rosengesellschaft, Bernd Weigel, der die Idee nicht nur finanziell unterstützte, sondern auch eine perfekte Gartenplanung lieferte. Grundlage für die Planung waren die Erfahrungen im Café im Dunkeln. „Wir erkannten, dass alles kleinräumig und in wenigen Schritten das Wesentliche erreichbar sein müsse“, erklärt Hanne Stauch. Bernd Weigel entwarf vier kleine Gartenräume, die den Bereichen Riechen, Tasten, Schmecken und Hören zugeordnet wurden.

Im Mittelpunkt dieser Gartenräume waren runde Hochbeete vorgesehen. „Dieser Plan wurde mit Begeisterung aufgenommen, und wir fanden viele großherzige Spender. Auch das städtische Gartenamt unterstützte unser Vorhaben und führte die Bepflanzung durch.“

Zum Rosenkongress 2004 und zum 90-jährigen Bestehen des Rosengartens wurde er feierlich eingeweiht, später sogar als vorbildlich vom Ministerium geehrt. Heute, 15 Jahre später, ist der Garten eingewachsen, und die Besucher, Sehbehinderte und Sehende, sind begeistert von dieser kleinen stillen Gartenoase. Da der Garten inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen ist, spenden die Rosenfreunde für Renovierung und Ausbesserungsarbeiten 3000 Euro. „Wir freuen uns, wenn der Garten wieder zu neuem Glanz erwacht“, sagt Hanne Stauch, „Vielleicht ergeht es unseren Besuchern ähnlich wie uns, wenn sie von Gartenraum zu Gartenraum gehen und hier tasten, dort schnuppern, ein Blättchen in den Mund schieben und schmecken und dem Geplätscher des Wassers lauschen, das über die Steinformen rieselt.“

Der Blindengarten im Rosengarten feiert seinen 15. Geburtstag. Fotos: Hanne Stauch Foto: Hanne Stauch

Ausstellung im Rosenmuseum: Seit vielen Jahren betreiben die Rosenfreunde Zweibrücken ehrenamtlich das kleine Rosenmuseum im Rosengarten. In diesem Jahr gestalten die Schüler des Hofenfelsgymnasiums unter Leitung von Iris Seyler das Rosenmuseum mit ihren Arbeiten zum Thema Rose. Die Ausstellung wird am Mittwoch, 15. Mai, um 18 Uhr eröffnet.