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USMVP-„Air Base Camp 2022“ auf Flugplatz Zweibrücken

USMVP-„Air Base Camp 2022“ auf Flugplatz Zweibrücken : Wurzel historischer Militärfahrzeuge-Ausstellung lag in Garten

Ein sehenswertes Veranstaltungs-Wochenende auf dem Triwo-Flugplatz Zweibrücken – und wie es dazu kam.

Nostalgie trifft auf Militär: So sah das am Wochenende auf dem Triwo-Flugplatz Zweibrücken aus, als die Vereinigung USMVP ihr „Air Base Camp 2022“ ausrichtete. Die lange Abkürzung steht für „US Military Vehicle Preservation“, also die Bewahrung US-amerikanischer Militärfahrzeuge.

Wie im Gespräch mit dem Organisator des Camps, Alex Tietz, schnell klar wird, handelt es sich bei den Liebhabern alter Jeeps und anderer Kriegsfahrzeuge keineswegs um fanatische Militaristen. „Kein Soldat auf der Welt möchte gerne in den Krieg ziehen. Es ist schlimm, dass wir derzeit wieder eine Konfrontation militärischer Art haben“, sagt der Besitzer von drei Chevrolet M1009. Bis vor Kurzem habe man sich mit den Besitzern von osteuropäischen Fahrzeugen getroffen und gesagt: „Früher standen wir uns mit Waffen gegenüber, heute sitzen wir zusammen am Lagerfeuer.“ Tietz strebt auch keine romantische Verklärung kriegerischer Handlungen an. „Uns geht es allein um den Erhalt der alten Technik. Wir haben auch strikte Regeln, was die Treffen angeht: Keine Waffen, keine Fahrzeuge aus dem Dritten Reich.“ Mit einer Ausnahme: Jemand habe eine BMW R 12 aus Wehrmachtsüberresten wunderschön restauriert. Die habe er aber mittels einer amerikanischen Flagge als Beutefahrzeug umgestaltet.

Tietz packte die Begeisterung, als er auf dem Fliegerhorst Nörvenich stationiert war. Dort seien auch immer viele Amerikaner mit ihren Militärfahrzeugen gewesen. Seit über 15 Jahren organisiert er solche Treffen. „Das hat angefangen bei mir im Garten. Dann haben wir gesagt, wir machen es größer. Lange waren wir damit in Andernach.“ Jetzt sei er mit seiner Firma nach Zweibrücken gekommen – und habe dort bei der Triwo ein offenes Ohr gefunden für seine Idee, das Camp auf dem Flugplatz stattfinden zu lassen. Etwa ein Jahr lang habe er das Ganze organisiert, mit Unterstützung seiner Frau und seiner Tochter.

Die USMVP ist kein Verein, sondern nur eine lose Gruppe von Gleichgesinnten. Geholfen hat neben diesen Leuten auch die Reservisten-Arbeitsgemeinschaft. Zweibrücken bot sich auch aus einem guten Grund als passender Ort an: Weil es hier ja eine große Attraktion für Freunde von Militärtechnik gibt. Seit vergangenem Dezember steht schließlich ein originales Bundeswehr-Transportflugzeug auf dem Flugplatz, die legendäre Transall. Besitzer Dominik Weil hatte sie bei der Vebeg gekauft, einer Firma, die ausrangiertes Bundeseigentum verkauft. Der Kaufpreis stehe drauf, sagt der glückliche Besitzer – 50 79 als Kennzeichnung ist dort zu lesen. Man müsse nur in der Mitte eine Null einfügen. Aus dem Flugzeug soll eine Ferienwohnung entstehen (wir berichteten). Weil freute sich, dass er bei der Triwo Aiport Services GmbH und deren Geschäftsführer Benjamin Grünagel auf offene Ohren gestoßen war für seinen Plan. Die Transall kann in Zweibrücken stehenbleiben und dann also zukünftig als Ferienunterkunft dienen. Jetzt war sie natürlich erstmal Hauptattraktion des Air Base Camps. Selbst ins Cockpit durften interessierte Besucher einsteigen.

Außerdem bot Weil den Besitzern von Militärfahrzeugen an, diese mal in den Rumpf des Flugzeugs einzufahren – zu diesem Zweck war es ja einst gebaut worden. „Das kam so gut an, da hat sich eine Schlange gebildet“, erzählt der stolze Besitzer.

Über ihn kam Organisator Tietz auch auf die Idee, mit der Veranstaltung Spenden für einen guten Zweck zu sammeln: Die Aktion „Hilfe für Bundeswehrkinder in Not“ kümmert sich um Fälle, in denen Kinder von Bundeswehrsoldaten und ihre Familien in eine unverschuldete Notsituation geraten sind. Das Eintrittsgeld floss ebenso dort hin wie die Erlöse aus verschiedenen Auktionen, in denen Modelle von Militärfahrzeugen und -flugzeugen versteigert wurden. Die Modellbaufirma Herpa habe dafür Produkte im Wert von 700 Euro gestiftet, sagte Tietz.

Am Freitag seien etwa 500 Besucher gekommen, am Samstag noch mehr. 167 Fahrzeuge seien für das Treffen angemeldet worden, berichtete der Organisator. Leider hätten einige Flugzeuge aufgrund der hohen Spritpreise nicht kommen können: „Da hätten Hin- und Rückflug 6000 Euro gekostet.“ Besonders gut gefiel Tietz das Schild mit der Aufschrift „Nein! Ich bin nicht von Morlock Motors!“, das auf einem AM General M900 angebracht war. Offenbar war das die dauernd gehörte Frage, die Besucher aufgrund der Dmax-Fernsehserie Steel Buddies stellten. Die dort gezeigten Militärfahrzeuge stammen wohl alle von dieser Firma, die ausrangiertes amerikanisches Material aufkauft. Nicht so im Falle des in Zweibrücken gezeigten Lkw: Der sei direkt aus US-Bestand übernommen und liebevoll restauriert worden.

www.usmvp.de