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Uschi Glas: Gesundheitsministerium-Werbung für Impfung gegen Covid-19

Links oder rechts geimpft? Gesundheitsministerium zeigt widersprüchliche Bilder : Aufmerksame Zweibrücker spotten über Impf-Werbung mit Uschi Glas

„Uschi Glas krempelt die Ärmel hoch“, wirbt das Bundesgesundheitsministerium. Doch während die prominente Schauspielerin auf dem Foto am linken Arm geimpft aussieht, ist auf dem Video ihre Impfung am rechten Arm dargestellt. Wie kam das?

Die erste Mondlandung? „In Hollywood gedreht.“ Die Corona-Pandemie? Eine aus finsteren Motiven geplante „Plandemie“. Verschwörungstheoretiker glauben zu „wissen“: Vieles, was dem Volk von „denen da oben“ vorgesetzt wird, sei nicht Realität, sondern bloß inszeniert, ein Schauspiel.

Ob es da eine gute Idee des Bundesgesundheitsministeriums war, ausgerechnet eine Schauspielerin für das Impfen gegen Covid-19 werben zu lassen? Auf den ersten Blick eigentlich überhaupt kein Problem – denn wer kein Verschwörungstheoretiker ist, kommt gar nicht erst auf abstruse Gedanken wie dass dem Volk beim Thema Impfen irgendetwas vorgespielt werde. Aber die Art und Weise, WIE das von Jens Spahn (CDU) geführte Ministerium mit der berühmten deutschen Schauspielerin Uschi Glas für das Impfen wirbt, sorgt auch bei ganz normalen Bürgern für Hohn und Spott.

Denn bei dem Film mit Uschi Glas gibt es einen merkwürdigen Widerspruch. „ ,Damit ich möglichst bald endlich wieder meinen Enkel drücken kann.’ Uschi Glas lässt sich impfen, denn nur die Corona-Schutzimpfung bringt unseren Alltag zurück.“ Diese Worte stehen auf der vom Ministerium verantworteten Internetseite „Zusammen gegen Corona“ unter einem Foto, auf dem Uschi Glas einen Ärmel hochkrempelt und ihr Impfpflaster an ihrem LINKEN Oberarm zeigt. Klickt man auf das Foto, startet der Videofilm – auf dem gezeigt wird, wie Uschi Glas offensichtlich gerade an ihrem RECHTEN, also anderen Oberarm geimpft wird.

Aufgefallen ist das einem Zweibrücker, der in der großen (aber nur für Mitglieder lesbaren) Facebook-Gruppe „Zweibrücken“ am Mittwochnachmittag belustigt spottete: „Ich liebe diese durchschaubare Impfwerbung. Irgendwie wurde da der Arm vertauscht auf den zwei Bildern.“ Auch die meisten Diskutanten nahmen den Widerspruch zwischen Foto und Film mit Humor: „Vielleicht hat der Arzt rechts gesprüht und links geimpft, dafür macht er es bei der zweiten Impfung umgekehrt.“ Es gab es aber auch heftige Kritik wie: „Die sind so unfassbar blöd.“ Aber bislang keine Verschwörungstheorien. Die in Zweibrücken ohnehin rar gesät sind – eine beim Thema Coronaschutz auch sonst auffällige Disziplin, die vielleicht mit zu den bundesweit bewunderten niedrigen Corona-Zahlen in der westpfälzischen Stadt geführt haben könnte.

 Links geimpft?
Links geimpft? Foto: Bundesministerium für Gesundheit/Screenshot www.zusammengegencorona.de

Als des Rätsels Lösung für die widersprüchlichen Bilder mit Uschi Glas (die in dem Video auch mit sehr persönlichen Worten eindringlich für das Impfen wirbt) vermutete ein weiterer Teilnehmer der Zweibrücker Facebook-Diskussion: „Diese Armvertauschung ist natürlich blöd.“ Aber es sei bei Werbevideos durchaus unüblich, dass „gegebenenfalls 20 Mal neu gedreht“ werden müsse, weil zum Beispiel „das Licht nicht stimmte oder Uschi einen Schluckauf hatte“.

Die Pressestelle des Bundesministerium für Gesundheit antwortete auf die Merkur-Anfrage, wann und wie Uschi Glas tatsächlich geimpft wurde, am Donnerstagvormittag per E-Mail: „Frau Glas wurde vor Veröffentlichung des Spots und der Kampagnenmotive geimpft. Der Spot und die Kampagnenmotive wurden zuvor produziert und zeigen nicht die eigentliche Impfung. Das Pflaster am linken Arm in der Plakatkampagne ist das Symbol der Kampagne #ÄrmelHoch. Es drückt die Einstellung/Motivation von Frau Glas zur Corona-Schutzimpfung aus.“

 Oder rechts geimpft? Wo und wie auch immer, die vom Bundesgesundheitsministerin verantworteten Bilder von Uschi Glas erinnern auch an berühmte Verse des Dichters Ernst Jandl: „manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!“
Oder rechts geimpft? Wo und wie auch immer, die vom Bundesgesundheitsministerin verantworteten Bilder von Uschi Glas erinnern auch an berühmte Verse des Dichters Ernst Jandl: „manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!“ Foto: Bundesministerium für Gesundheit/Screenshot www.zusammengegencorona.de

Ein kurioser Fakt am Rande, dem in der Zweibrücker Facebook-Diskussion noch niemand aufgefallen ist: Die Bilder passen zwar nicht zueinander. Doch rein sprachlich betrachtet kommuniziert das Ministerium durchaus korrekt. Denn der Kampagnen-Titel zu den Aufnahmen lautet: „Uschi Glas krempelt die #ÄrmelHoch“. Also: DIE Ärmel – und nicht DEN Ärmel.

Der Link zu der Kampagnen-Seite des Gesundheitsministeriums: www.zusammengegencorona.de

Direkt-Link zu der dortigen Unterseite mit dem Video mit Start-Foto vom anderen Arm (ziemlich weit nach unten scrollen): https://tinyurl.com/7xdyfk2v