US-Firma bangt um Flughafen

Eine Schließung des Flughafens Zweibrücken würde auch das Training von US- und anderen Nato-Piloten beeinträchtigen: Die Firma ATAC sucht zwar notgedrungen nach Alternativen – würde die für sie „perfekte“ Basis aber nur ungern verlassen.

Das US-Militär hat den Flughafen Zweibrücken zwar 1991 verlassen. Doch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit sind auch heute wieder Amerikaner auf dem Flughafen aktiv: Die amerikanische Firma ATAC (Airborne Tactical Advantage Company) nutzt Zweibrücken seit drei Jahren als ihre Basis in Europa und hat dort zwei kleine Übungsjets stationiert sowie zwei bis drei Mitarbeiter.

"Der Flughafen Zweibrücken ist wirklich perfekt für uns", erklärt US-Bürger Scott Reinhard, der als "Deputy Director of Operations Germany" die ATAC-Basis Zweibrücken führt. Wichtigste Vorteile Zweibrückens seien die Nähe zur US-Airbase Ramstein, die flexiblen Flugzeiten, die (begrenzte) Nachtfluggenehmigung, günstige Kosten sowie das gute Instrumentenlandesystem: "Die Entscheidung für Zweibrücken war eine ziemlich leichte. Und wir sind sehr, sehr zufrieden hier."

Doch seitdem der Flughafen Ende Juli aufgrund des angekündigten EU-Beihilfebescheids Insolvenzantrag stellen musste, ist auch die Zukunft der ATAC-Basis in der Schwebe - erneut droht der Abzug von Amerikanern aus Zweibrücken . Reinhard: "Niemand weiß, wie es weitergeht." Der Insolvenzantrag des Flughafens sei "für uns sehr überraschend gekommen - wir haben erst gedacht, das sei ein Witz". Der 44-Jährige blickt nun gespannt auf den 22. September - den Tag, bis zu dem sich Flughafen-Interessenten beim vorläufigen Insolvenzverwalter melden sollen.

Angesichts der bislang negativen Signale für eine Fortsetzung des Flugbetriebs in Zweibrücken sucht ATAC aber bereits nach Alternativen. "Unsere erste Wahl wäre wahrscheinlich der Flughafen Hahn." Gespräche mit Saarbrücken seien gescheitert.

Kein Wechsel nach Ramstein

Könnte ATAC in Zweibrücken bleiben, wenn der Flughafen zum Verkehrslandeplatz abgestuft wird? Reinhard hofft dies. Aber zum einen ist selbst dies noch völlig offen, zum anderen müssten bei einem Verkehrslandeplatz auch das Instrumentenlandesystem sowie der Tower in Betrieb bleiben, erläutert Reinhard. Ein Wechsel auf die US-Airbase Ramstein komme nicht in Frage: Die US-Airforce sei zwar Vertragspartner von ATAC, nehme dort aber keine zivilen Firmen auf. Bis Anfang November brauche ATAC Signale, ob man wie erhofft in Zweibrücken bleiben und den jährlich Ende November auslaufenden Vertrag verlängern könne - oder wechseln müsse.

Reinhard fände es bedauerlich, wenn aufgrund der politischen Vorgaben der EU "ein funktionierender Flughafen mit viel Business und guter Infrastruktur nicht mehr genutzt werden kann". Und während ATAC sicherlich einen anderen Standort finde, "bin ich sehr traurig für unsere Freunde hier, die ihre Arbeitsplätze verlieren".

ATAC hat weltweit sechs Basen und ist nach eigenen Angaben weltweit die größte outgesourcte taktische Luftwaffentrainings-Organisation. In Zweibrücken sind zwei (ehemals tschechoslowakische "L-39 Albatros"-Jets stationiert. Pro Jahr werden damit im Raum Zweibrücken rund 160 Trainings-Flugstunden absolviert, noch einmal die gleiche Zahl im benachbarten Frankreich sowie in anderen Gegenden Süddeutschlands. Trainiert werden dabei außer US- auch andere Nato-Soldaten. Im Gegensatz zu anderen ATAC-Basen wird hier kein Luftkampf trainiert, sondern die Zusammenarbeit mit Truppen am Boden, etwa bei der Luft-Nahunterstützung. Solches Training werde immer wichtiger, wie auch die US-Einsätze in Afghanistan und dem Irak gezeigt hätten, so Reinhard.

ATACusa.com