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Untersuchungsbericht entlastet Flughafen

Untersuchungsbericht entlastet Flughafen

Knapp schrammten zwei Flugzeuge im Mai 2008 auf dem Zweibrücker Airport an einer Katastrophe vorbei. Der Zwischenfall ist nun aufgearbeitet, der Untersuchungsbericht liegt vor. Fazit: An der technischen Ausrüstung des Flughafens lag es nicht, dass die Maschinen fast kollidierten. Sondern an Kommunikationsfehlern und der Nutzung der geneigten Piste in beiden Richtungen.

Die Beinahe-Kollision am Zweibrücker Flughafen vor gut fünfeinhalb Jahren (wir berichteten) ist nicht auf mangelhafte Infrastruktur am Airport zurückzuführen. Das ist ein Ergebnis des offiziellen Untersuchungsberichtes, den die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig jetzt vorgelegt hat. Vielmehr seien die fehlerhafte Kommunikation zwischen Piloten und dem Fluglotsen im Tower sowie ein Abweichen vom standardisierten Betriebsverfahren für den Zwischenfall verantwortlich, den die BFU als "schwere Störung" bewertet.

Rückblick: Am 14. Mai 2008 rollte eine Transallmaschine der Bundeswehr auf die Startbahn, während sich dort gerade ein Germanwings-Airbus mit 137 Menschen an Bord im Startlauf befand. Dieser konnte wegen der bereits hohen Geschwindigkeit nicht mehr abgebrochen werden. Die Passagiermaschine hob gerade noch rechtzeitig ab und überflog das Militärflugzeug in einer Höhe von 400 Fuß (etwa 120 Meter), so die BFU.

Laut BFU haben zwei Faktoren zur Beinahe-Katastrophe geführt: Zum einen startete die Transall mit ausdrücklicher Genehmigung des Towers entgegen der üblichen Richtung. Aufgrund der relativ großen Höhenunterschiede der Zweibrücker Startbahn konnten die Besatzungen das jeweils andere Flugzeug nicht rechtzeitig sehen. Nach Auffassung der BFU sollte deshalb "an diesem Flughafen generell auf den Betrieb auf entgegengesetzten Bahnen verzichtet werden". Zum anderen habe die Transall-Besatzung - auch bedingt durch einen Versprecher des Fluglotsen - irrtümlich geglaubt, auf die Rollbahn auffahren zu dürfen. Der Lotse wiederum habe zu spät gemerkt, dass seine Anweisung an die Transall-Besatzung, an einem Haltepunkt zu warten, nicht umgesetzt wurde. Die anschließende Aufforderung des Towers an den Airbus zum Startabbruch entsprach zudem nicht der vorgeschriebenen Sprachregelung.

Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte den Zwischenfall im Jahre 2009 zum Anlass genommen, in ihrem Mängelbericht auf Missstände am Zweibrücker Flughafen hinzuweisen. So wurden fehlende Warnlampen und Haltebalken bemängelt, die Piloten davor warnen, auf Startbahnen zu rollen, die gerade in Gebrauch sind. Diese seien inzwischen installiert, sagt Flughafen-Geschäftsführer Werner Boßlet.

Haltebalken oder Ähnliches hätten die Beinahe-Kollision aber nicht verhindert, schreibt die BFU, "da die Besatzung der C-160 Transall mental von der Freigabe zum Aufrollen auf die Piste ausging". Ebenso wenig als Ursache nennt die BFU den für schwere Maschinen nicht nutzbaren Parallelrollweg zur Landebahn - dieser ist entscheidendes Kriterium für den Mängelstern, den Cockpit dem Zweibrücker Airport regelmäßig verleiht. Infrastrukturell merkt die BFU an: "Ein Radar überwachungssystem mit der Funktion ,Runway Incursion Monitoring', wie an großen Verkehrsflughäfen eingesetzt, hätte den Flugverkehrslotsen möglicherweise früher auf den Fehler hingewiesen. Allerdings rechtfertigen das Verkehrsaufkommen und die Verkehrsdichte auf einem Verkehrslandeplatz, wie z. B. Zweibrücken, den hohen Aufwand für die Beschaffung und den Betrieb eines derartigen Sicherheitssystems nicht."

Boßlet wollte den BFU-Bericht auf Anfrage unserer Zeitung nicht weiter kommentieren. "Das steht mir nicht zu", sagte der Flughafen-Geschäftsführer. "In erster Linie sind wir froh, dass damals nichts passiert ist." Zudem habe er zur Kenntnis genommen, dass der Flughafen von der BFU nicht kritisiert wurde. Der Cockpit-Forderung nach einem Parallelrollweg für große Maschinen, der zweieinhalb Millionen Euro kosten würde, erteilte er erneut eine klare Absage. "Es ist lächerlich, so etwas für einen kleinen Regionalflughafen zu fordern."

bfu-web.de

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Auf einen BlickArbeitsrechtliche Konsequenzen aus dem Beinahe-Unglück braucht der Flughafen nicht zu ziehen. Der betreffende Lotse arbeite inzwischen nicht mehr im Zweibrücker Tower - aus ganz anderen Gründen, betonte Airport-Geschäftführer Werner Boßlet. Auch strafrechtlich wird es kein Nachspiel geben. Wie die Zweibrückern Oberstaatsanwältin Iris Weingardt auf Merkur-Nachfrage mitteilte, sei der Fall inzwischen verjährt. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen "Gefährdung des Luftverkehrs" ermittelt (wir berichteten). Doch weil der Untersuchungsbericht fehlte, sei man bei der Strafverfolgung nicht weiter gekommen. Nun liege der Bericht der Behörde vor, doch erst ein gutes halbes Jahr nach Ablauf der Verjährungsfrist. gda