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Unternehmensansiedlungen in Zweibrücken und Umgebung

Gemeinsames Gewerbeflächen-Konzept für Südwestpfalz, Zweibrücken und Pirmasenss : „Wir verstehen uns als eine Region“

Südwestpfalz, Pirmasens und Zweibrücken begraben Kirchturmdenken und erstellen gemeinsames Gewerbeflächen-Entwicklungskonzept.

Der Kreis Südwestpfalz sowie die Städte Zweibrücken und Pirmasens wollen ihre Gewerbeflächen künftig gemeinsam entwickeln. Landrätin Susanne Ganster sowie die Oberbürgermeister Marold Wosnitza und Markus Zwick haben am Mittwoch das Projekt der Presse vorgestellt (wir berichteten vorab ausführlich). Im Auftrag der drei Gebietskörperschaften erstellt die „CIMA Beratung + Management GmbH“ ein „Entwicklungskonzept Gewerbe- und Industrieflächen für die Region Südwestpfalz“.

Die jeweiligen Wirtschaftsförderer hätten seit einiger Zeit „immer wieder das gleiche Problem“, berichtete Ganster (CDU): Die Anfrage nach Gewebeflächen wachse zwar, aber die Flächen würden knapp und seien für die Interessenten auch nicht immer geeignet. „Wir verstehen uns als eine gemeinsame Region mit dem Kreis und den beiden Städten“, betonte die Landrätin. „Wir gehen einen gemeinsamen Weg. Es geht uns allen gut, wenn wir gemeinsame Flächen haben und Interessenten sagen können: Da ist etwas Passendes.“ Sie sei „sehr froh, dass auch die beiden Oberbürgermeister das erkannt haben“. Man lassen nun „wirklich professionell untersuchen: Welche Potenziale hat unsere Region für die Ausweisung neuer Gewerbe- und Industrieflächen?“.

Der Pirmasenser OB Zwick (CDU) sagte, die interkommunale Zusammenarbeit werde seit einiger Zeit immer enger, nun komme die Wirtschaftsförderung hinzu. Er finde es „klasse, dass wir an einem Strang ziehen“. Das entspreche auch dem Alltag der Bürger: „Die Menschen, die hier leben, unterscheiden im Wesentlichen nicht zwischen den Gebietskörperschaften. Sie leben und arbeite hier, sie verbringen ihre Freizeit hier.“ Das gemeinsame Gewerbeflächen-Konzept sei „ganz wichtig, weil es der Wirtschaftsförderung nicht immer gelingt, eine passgenaue Fläche zu finden“. Ansiedlungen und auch Expansionen brächten Arbeitsplätze: „Die sind die Voraussetzung, um eine Region attraktiv zu halten.“ In vielen Großstädten gebe es Wohnungsnot und viel zu wenig freie Gewerbeflächen: „Ich sehe da eine Riesen-Chance für unsere Region.“ Zwick schloss: „Wir können eine aufstrebende Region sein in der Zukunft, wenn wir gut zusammenarbeiten.“

Auch der Zweibrücker OB Wosnitza (SPD) zeigte sich überzeugt: „Wir können die Region nur gemeinsam entwickeln. Wir müssen weg vom Denken in Gebietskörperschafts-Grenzen.“ Dabei gehe es „nicht nur nur um Gewerbesteuer, sondern auch um Arbeitsplätze.“ Und da sei es ihm „lieber, wenn ein Unternehmen in Pirmasens angesiedelt wird als in Hamburg“. Die Frage, ob er denn den Wähler vermitteln könne, für Ansiedlungen in Pirmasens zu kämpfen, beunruhigt Wosnitza nicht. Es gebe Fälle (wie die Beinahe-Ansiedlung von Tesla), wo nur ein Standort in der Region infrage komme. Gebe es zwei geeignete Standorte, werde man „beide möglichst interessant verkaufen“  die Entscheidung sei dann eine des Unternehmens und nicht der Politik. Ganster deutete an, wie schon lange beim Flugplatz-Entwicklungsgebiet Zweibrücken (ZEF) seien auch weitere interkommunale Zweckverbände denkbar. OB Zwick ergänzte: „Unsere Grundüberzeugung ist: Wenn man gemeinsam plant, profitiert die Region auch insgesamt. Da gönne ich auch Zweibrücken eine Ansiedlung. Da können ja auch Pirmasenser arbeiten!“

Wobei Wosnitza einräumte: „Wenn man ehrlich ist, hat man immer eher den eigenen Laden im Blick. Deshalb ist die externe Beratung gut.“ Der Zweibrücker Oberbürgermeister ist überzeugt: „Wir können durch viel Potenzial entdecken.“ Dabei gehe es nicht nur darum, dass in den kommenden zwölf Monaten „ein theoretisches Konzept“ entsteht, „sondern dass wir nach dem Konzept auch handeln“.

Uwe Mantik von der Münchener CIMA erklärte, die Region Südwestpfalz stehe vor einigen besonderen Herausforderungen, darunter die „geringe Zahl an Beschäftigungsmöglichkeiten in den Wachstums- und Zukunftsbranchen sowie unterdurchschnittliches Wachstum“. Zudem brauche man „die richtige Gewerbefläche zum richtigen Zeitpunkt – wenn ein Wirtschaftsförderer sagt, die Fläche ist in fünf Jahren verfügbar, können Unternehmen meist nicht so lange warten“. CIMA werde nun die Daten der Region analysieren, Unternehmen befragen und eine bis ins Jahr 2035 reichende Konzeption entwickeln. Dabei gehe es neben der Frage „was braucht diese Region für Flächen und für wen?“ auch um das Entdecken „ungehobener Potenziale“ etwa bei Brachflächen.

Das Konzept koste gut 78 000 Euro, so Ganster. 70 Prozent davon übernehme das Land. War das die beantragte Fördersumme? „Das ist das, was wir im Wirtschaftsministerium ausgehandelt haben. Wir waren erfolgreich, weil wir eine höhere Fördersumme erhalten haben, als zunächst vorgesehen war.“

Bei der Pressekonferenz im Kreistagssaal in Pirmasens: Landrätin Susanne Ganster mit den Oberbürgermeistern Markus Zwick und Marold Wosnitza (von links). Foto: Lutz Fröhlich

Die Landrätin und die beiden Oberbürgermeister sind sich zwar einig, dass sie an einem Strang ziehen wollen. Aber wie sieht das zum Beispiel mit dem oft sehr kritischen Zweibrücker Stadtrat aus? Wosnitza: „Wir haben bewusst die Gremien sehr früh eingebunden. Auch, um das dort teils schon jahrzehntelang vorhandene Wissen zu dieser Thematik in das Konzept einzubinden.“