Und ewig krächzt die Krähe

Heiko Hübscher, Leiter des Rosengartens, ist auf die Saatkrähen nicht gut zu sprechen. Die Tiere würden die Allee und auch den Rosengarten extrem zukoten, vielen Besuchern stoße dies auf. Derzeit werden die Bäume in der einen Hälfte der Allee beschnitten – die Nester dort müssen weichen. Doch mehr erlaube die SGD momentan nicht.

Sympathieträger sind sie nicht: Ihr Federkleid ist pechschwarz, ihr Krächzen quält das Trommelfell und ihre Verdauung ist so rege, dass sie Fußgänger in der Allee das Fürchten lehrt. Die Rede ist von den Saatkrähen. Nun gibt es Tierfreunde, die sich über die fast 500 Horste in der Allee freuen. Aber es gibt auch zahlreiche Bürger - sie dürften in der Mehrzahl sein - denen die krächzenden Gesellen ein großer Dorn im Auge sind.

Zu ihnen zählt Heiko Hübscher. Der Leiter des Zweibrücker Rosengartens ist aber nicht nur genervt, sondern zugleich auch besorgt. Denn der Rosengarten drohe Schaden durch die pechschwarzen Tiere zu nehmen. "Der Kot, den die Tiere verursachen, der Lärm - es ist extrem", stöhnt Hübscher im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Saatkrähen sind eine extreme Belastung für Besucher und Arbeiter des Rosengartens", erklärt er.

Aber jetzt ist doch Winter - und die Saatkrähen sind weg, oder? Ja und nein, lautet die überraschende Antwort. Die "Zweibrücker" Saatkrähen seien tatsächlich weg, sie seien auf der Flucht vor der kalten Jahreszeit aus Zweibrücken weggezogen und hielten sich, so die Vermutung, im Rhonetal in Frankreich auf. Aber dafür hätten nun "Gastkrähen" aus Russland und Skandinavien ihren Platz in der Allee eingenommen. Im Vergleich zu ihren Herkunftsländern seien sie mit den relativ milden Temperaturen in der Rosenstadt zufrieden.

"Die Tiere schlafen in den Bäumen in der Allee. Morgens kreisen sie dann über dem Rosengarten und verursachen enormen Lärm." Aber es bleibe nicht beim Krächzen. "Die Tiere koten alles zu, sowohl in der Allee wie auch im Rosengarten."

Besonders heftig werde es wieder im Frühjahr, wenn die Zweibrücker Krähen zurück aus ihrem Winterquartier sind und in den Bäumen der Allee brüten. Das sei etwa ab März der Fall. Dann falle derart viel Kot herunter, dass einem die Lust auf einen Spaziergang oder Besuch des Rosengartens gründlich verleidet werden könne.

Hübscher zu den Dimensionen: "Ich habe mal eine Stunde an dem Parkstreifen vor dem Rosengarten mit dem Auto gestanden. Nach dieser einen Stunde hatte ich bereits ein Dutzend Kotflecken auf dem Auto." Es sei einfach nur noch ekelerregend.

"Es haben bereits etliche Besucher gesagt, sie wollten nicht mehr wiederkommen", nennt Hübscher Reaktionen aus dem Rosengarten. Wir haben eine Reinigungskraft, die immer durch den Rosengarten durchgeht, aber die kommt kaum nach", schildert er.

"Unsere Besucher kommen, um bei uns Ruhe zu finden, das Rauschen des Wassers zu genießen" - aber stattdessen bekämen sie Krächzen und Kacke geboten, ärgert sich der Rosengarten-Leiter.

Im Frühjahr bestehe auch das Problem, dass die Tiere, um bestehende Nester zu flicken oder neue zu bauen, sich das Material dafür aus dem Rosengarten besorgten. "Die Spitzen unserer Eisenholzbäume im Rosengarten sind völlig kahl. Auch der Ahornbaum ist stark betroffen", weiß Hübscher. "Die Krähen reißen den Jahresaustrieb aus den Bäumen heraus, das kann auf Dauer für die Bäume problematisch werden."

Wie gesagt: In Heiko Hübscher werden die Krähen wohl keinen Fürsprecher mehr finden. Dafür achtet aber die SGD (Struktur- und Genehmigungsdirektion) Süd in Neustadt an der Weinstraße streng darauf, dass der Artenschutz für die Saatkrähen nicht missachtet wird. Deshalb kann der UBZ in der Allee derzeit nur mit halber Kraft Schneidearbeiten an den Bäumen vornehmen, wie Hübscher, zugleich Leiter der Baumkolonne des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken ) anmerkt.

Seit Anfang Oktober ist der UBZ damit beschäftigt, die Bäume im einen Teil der Allee, der dem Rosengarten zugewandt ist - die Rosengartenstraße - zurechtzustutzen. "Wir schneiden die Bäume dort auf den Schnitt zurück, den sie bei den letzten entsprechenden Arbeiten hatten; das war vor vier Jahren", erklärt Hübscher.

Die Genehmigungsdirektion SGS Süd habe nur für diesen einen Teil der Allee grünes Licht gegeben. Die Bäume auf der anderen Seite - der Gestütsallee - dürften derzeit nicht angerührt werden. Die Nester dort müssten bestehen bleiben, damit die Gastkrähen aus Russland und Skandinavien beziehungsweise ab Frühjahr die heimischen Saatkrähen dort ihren gewohnten Schlafplatz vorfinden.

Die Arbeiten in der Rosengartenstraße seien weitgehend fertig. Wenn das Wetter mitspiele, sei man in den ersten Tagen des Dezember fertig. Er hoffe, dass die SGD vielleicht doch demnächst noch grünes Licht für Baumarbeiten in der Gestütsallee gebe - aber es sei ungewiss, wie die Behörde entscheiden werde. Hübscher: "Wenn die SGD vorher keine Erlaubnis gibt, können wir erst ab Oktober 2016 an die Bäume in der Gestütsallee ran."