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Umfrage in Zweibrücken: Politiker sehen für Jamaika schwarz

Umfrage bei Zweibrücker Räten : Ja zur Ampel — Nein zu Jamaika

Wahlnachlese bei SPD, CDU, Grünen und FDP: Vom Merkur befragte Lokalpolitiker sehen kaum Chancen für ein Jamaika-Bündnis.

Ampel oder Jamaika? Das ist jetzt die Frage. Welches Regierungsbündnis kommt nach den Bundestagswahlen zustande: Eine „Ampel“, also SPD, FDP und Grüne? Oder „Jamaika“ mit CDU, Grünen und FDP? Wir baten Lokalpolitiker aus Zweibrücken, die jeweils eine dieser Farben im Stadtrat vertreten, um ihre Sicht der Dinge – und um eine Nachlese der Bundestagswahlen vom Sonntag.

Theresa Wendel (SPD) hat nach dem bundesweiten Urnengang allen Grund, sich zu freuen. „Ich bin sehr froh über das Ergebnis. Gerade, wenn man sich die Umfragewerte von vor einem halben Jahr anschaut. Es ist uns eine enorme Aufholjagd gelungen“, sagt die stellvertretende Ratsfraktionsvorsitzende. „Vor allem die Werte, die wir in der Region erzielt haben, freuen mich. Wir haben in der Pfalz vier von fünf Direktmandaten gewonnen – Speyer ging nur knapp verloren. Im Saarland haben wir alle Direktmandate gewonnen. Und in unserem Wahlkreis ist Angelika Glöckner ein durchaus historischer Wahlsieg gelungen. Zum ersten Mal seit 1998, nach Lydia Westrich, hat die SPD wieder das Direktmandat geholt“, bilanziert sie.

Worin liegt für Wendel die Ursache dieses Erfolges? „Die Wähler schätzen die Arbeit, die die SPD in der Groko vorzuweisen hat“, ist die Zweibrückerin überzeugt. Und natürlich gebe es da auch noch den Faktor Scholz: „Ob die CDU das jetzt gerne hört oder nicht: Unser Kanzlerkandidat Olaf Scholz ist ähnlich wie Merkel. Die Leute schätzen das. Sie bringen Scholz Vertrauen entgegen.“

Und nun? Gibt es eine Ampel oder vielleicht doch Jamaika? Für Wendel überhaupt keine Frage, denn: „Der Wählerwille ist es, dass SPD, FDP und Grüne gemeinsam eine Regierung bilden. Alle drei Parteien haben zugelegt. Die CDU hat herbe Verluste hinnehmen müssen. Die Menschen wollen einen Wechsel.“ Mit einer Jamaika-Koalition würde der Wählerwille auf den Kopf gestellt, das wäre absurd, betont Wendel.

Pascal Dahler (CDU) muss das Wahlergebnis erst noch verdauen. „Das war eine harte, schwere Niederlage für uns“, macht der stellvertretende Ratsfraktionsvorsitzende ohne Umschweife deutlich. „Das muss man akzeptieren – und auch Lehren daraus ziehen.“

So richtig überraschend kommt für ihn der Nackenschlag durch die Wähler nicht. „Wir hatten Anfang des Jahres die Diskussion, was es werden wird, wenn Armin Laschet als Kanzlerkandidat antritt.“ Dahler sagt, der CDU-Kreisverband Zweibrücken, sogar der gesamte Bezirksverband Pfalz der CDU hätte Söder bevorzugt. Es habe viele Warnungen davor gegeben, Laschet auf den Schild zu heben. Die Warnungen hätten sich bewahrheitet.

Dahler räumt ein: „Die Ampel hat die besten Chancen. Alle drei Parteien haben dazugewonnen.“ Zugegebenermaßen lasse sich hieraus „eine Tendenz der Wähler“ ableiten. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Auch bei dem Zweibrücker Christdemokraten: „Es ist nicht auszuschließen, dass die Koalitionsgespräche für eine Ampel nicht zum Erfolg führen. In dem Fall wäre ein Jamaika-Bündnis zu prüfen.“ Dahler stellt aber klar: „Dann allerdings nicht unter einem Kanzler Laschet!“

Norbert Pohlmann (Grüne) merkt an: „Olaf Scholz hat gewonnen. Klar und deutlich. Die Wähler wollen den Wechsel.“ Bei aller Freude über das gute Ergebnis seiner Partei: In Sektlaune ist Pohlmann nicht. „Ich hätte mir eine stärkere grüne Komponente gewünscht“, bedauert der Ratsfraktionschef. „Ich habe an den Wahlständen viele gute Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt, meine Hoffnung war, dass wir über den Umfragewerten liegen würden.“

Auch das Abschneiden seiner Partei in Zweibrücken befriedigt Pohlmann nicht vollends. „Die SPD hat hier deutlich zugelegt, die Grünen leider nicht. Wir tun uns in kleineren Städten oft etwas schwerer.“ Für Pohlmann ist die Ampel jetzt „naheliegend“. Ein Jamaika-Bündnis sei den Wählern nicht zu vermitteln.

 Drei Hände vereinigen sich hinter der Landesfahne von Jamaika in den Farben schwarz, gelb und grün.
Drei Hände vereinigen sich hinter der Landesfahne von Jamaika in den Farben schwarz, gelb und grün. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Ingrid Kaiser (FDP) ist sagt, sie sei „gut gelaunt“. Denn: „Das Ergebnis passt.“ Die Liberalen hätten in Zweibrücken zwei Prozent mehr geholt als bei den Bundestagswahlen 2017. Die Zweibrücker Julis (Junge Liberale) hätten sich im Wahlkampf stark engagiert. „Wahlgewinner sind SPD, Grüne und FDP. Eine Ampel ist die logische Konsequenz.“ Allerdings ist die Ratsfraktionschefin etwas vorsichtig. „Grüne und FDP – das wird nicht einfach. Man sieht das ja schon in unserem Stadtrat, da liegen die Positionen teils weit auseinander.“ Dennoch: „Ich hoffe sehr, dass es eine Ampel wird.“ Kaiser verweist – wie auch Wendel und Pohlmann – auf die „gute Arbeit“, die die Ampelregierung in Rheinland-Pfalz zeige.