Übernachtungszahlen im Sinkflug

Trotz jahrelanger Gäste-Rückgänge und dem (wohl einmaligen) Absturz 2016 sind die Zweibrücker Hoteliers für 2017 zuversichtlich. Das Outlet-Center verführt allerdings überraschend wenige Gäste zum Übernachten in der Rosenstadt.

Für das Jahr 2016 zeichnet sich in Zweibrücken ein Negativ-Rekord bei den Übernachtungszahlen ab. Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz hat zwar erst die Übernachtungen von Januar bis November erfasst: 33 986 in Zweibrücken.

Doch der bislang niedrigste auf www.statistik.rlp.de veröffentlichte Wert für ein ganzes Jahr (38 423 Übernachtungen 1994 in Zweibrücken) würde selbst mit überdurchschnittlichen Dezember-Zahlen 2106 nicht mehr erreicht, zeigt eine Merkur-Hochrechnung.

Während 2016 in den ersten elf Monaten die Zahl der Übernachtungen in ganz Rheinland-Pfalz konstant geblieben ist und in der benachbarten Südwestpfalz (plus 4,4 Prozent) sowie in Pirmasens (plus 10,7 Prozent) sogar deutlich zulegte, gab es in Zweibrücken einen regelrechten Absturz: minus 20,7 Prozent.

Dieser dramatisch wirkende Rückgang ist allerdings vor allem auf zwei einmalige Sonderfaktoren zurückzuführen, sind sich der städtische Kultur- und Verkehrsamtsleiter Thilo Huble und der größte Hotelbetreiber in der Rosenstadt, Roland Zadra (Fasanerie und Rosengarten-Hotel) auf Merkur-Anfrage einig: zum einen die Umwandlung des "Aparthotel Europa" in ein Flüchtlingsheim und die Schließung des Hasengarten-Hotels. Zum anderen die (mittlerweile beendeten) umfangreichen Renovierungsarbeiten im Romantikhotel Landschloss Fasanerie. Hierzu Zadra: "Es hat sich natürlich in den Übernachtungszahlen bemerkbar gemacht, dass wir nur 15 von 50 Zimmern anbieten konnten. Das hat bei uns im ganzen Jahr zu 7- bis 8000 Übernachtungen weniger geführt." Für 2017 ist Zadra zuversichtlich, die Vor-Renovierungs-Zahlen sogar "leicht zu übertreffen" und im betriebsinternen Wettbewerb mit dem Rosengarten-Hotel wieder wie früher die Nase vorn zu haben. Das Rosengarten-Hotel habe 2016 mit "fast 70 Prozent eine sehr hohe Belegungsquote gehabt", freut sich Zadra.

Die Übernachtungszahlen in Zweibrücken gehen aber nicht erst seit 2016 zurück - sondern Jahr für Jahr schon seit 2012 (siehe Grafik). Verliert Zweibrücken als Kurzurlaubs-Ziel an Attraktivität, tut die Stadt zu wenig für die Tourismuswerbung? Eine solche Interpretation der Zahlen weisen Verkehrsamtsleiter Huble und die Hoteliers zurück. Nicht die Zahl der Kurzurlauber sei in den vergangenen Jahren gesunken, sondern die der Geschäftsreisenden. Deren Anteil sei in Zweibrücken traditionell unter der Woche dominierend, schwanke zudem oft stark und sei von Hoteliers oder Stadtwerbung kaum zu beeinflussen. Huble hält auch für möglich, dass es im Online-Zeitalter generell weniger Geschäftsreisen gibt. Zadra hat in seinen beiden Hotels etwa 50 Prozent Geschäftsreisende, 30 Prozent Kurzurlauber und 20 Prozent sonstige Gäste (viele bei Hochzeiten).

Was lockt Kurzurlauber nach Zweibrücken? Viele Bürger denken hier vor allem an den mit jährlich 3,8 Millionen Besuchern größten und bekanntesten Besuchermagneten Zweibrücken, die Style Outlets. Doch die Hoteliers profitieren davon nur wenig. Sascha Groh, seit einem Jahr neuer Betreiber des Rosenhotels, freut sich zwar über "eine gute Auslastung", sagt aber: "Das Outlet spielt für uns eine ganz geringe Rolle. Nur etwa zwei bis drei Prozent der Gäste sagen, dass sie deshalb zu uns kommen." Auch Zadra berichtet: "Es fährt fast niemand gezielt wegen des Outlet-Centers zum Übernachten zu uns." Zwar besuchten 80 Prozent seiner Wochenend-Gäste auch die Style Outlets - aber Natur und Landschaft seien wichtigere Entscheidungs-Faktoren für einen Kurzurlaub.

Verkehrsamtsleiter Huble würde sich zwar "wünschen, dass die steigende Zahl der Outlet-Besucher sich auch in mehr Kurzaufenthalten in Zweibrücken niederschlägt - das ist aber schwierig". Die Stadt sei darüber "in ständigen Gesprächen mit den Outlets".

"Ein wichtiges Tool" sei in der Saison auch der Rosengarten, der im Juli für Auslastungsquoten von 90 Prozent sorge, berichtet Roland Zadra. Auch Erika Auret, Chefin des in Zweibrücken preisgünstigsten "Hotel Erika", profitiert vom Rosengarten, besonders den Rosentagen. Wichtig sei außerdem ein anderes jährliches Event: "Fürs Stadtfest sind wir schon jetzt ausgebucht." Auch in Sascha Grohs Rosenhotel sind fürs Stadtfest schon jetzt 80 Prozent der Zimmer weg. Auch "die Region drumherum" sei für viele Gäste attraktiv, etwa die Zitadelle von Bitsch und die Maginot-Linie, erzählt Auret. "Zweibrücken liegt ja ziemlich zentral; auch das Dahner Felsenland ist von hier nicht weit."

Ins Rosenhotel kommen laut Groh auch viele früher in Zweibrücken stationierte Soldaten aus dem Ausland, "oder sogar die nächste Generation, wenn Kinder mal sehen wollen, wo sich Papa und Mama kennengelernt haben".