Diesmal nicht Standortfrage der Grund Vermisstes Zweibrücker U-Boot ist zurück – aber warum war es weg?

Zweibrücken · Es gibt eine weitere Etappe in der bewegten Geschichte des großen Modells des von einem zeitweisen Zweibrücker erfundenen ersten deutschen U-Boots.

Kommt ein U-Boot geflogen: Das Modell von Wilhelm Bauers „Brandtaucher“ wurde am Donnerstag wieder auf seinen Platz in der Schwarzbach-Allee nahe dem Rosengarten-Hotel gebracht.

Kommt ein U-Boot geflogen: Das Modell von Wilhelm Bauers „Brandtaucher“ wurde am Donnerstag wieder auf seinen Platz in der Schwarzbach-Allee nahe dem Rosengarten-Hotel gebracht.

Foto: Cordula von Waldow

Spaziergängern und Joggern, die in der vorigen Woche in der Allee am Rosengartenhotel oder auf dem Rosenweg an der Schließ unterwegs waren, dürfte es aufgefallen sein: Das U-Boot ist weg! Mutmaßung über dessen Verbleib reichten von Diebstahl bis zu der scherzhaften Idee, es könne als deutsche Unterstützung unterwegs sein in die ukrainischen Gewässer.

Doch weit gefehlt. „Das U-Boot befindet sich seit 27. Oktober sozusagen im Trockendock“, antwortete Stadtsprecher Jens John am Donnerstag auf Merkur-Anfrage.

Gebaut worden war der Brandtaucher 2009 nach den Plänen des ehemaligen Zweibrücker Berufsschullehrers Rolf Dietrich. Dieser hatte damit dem Erfinder des ersten deutschen U-Bootes, Wilhelm Bauer (1822 bis 1875) ein Denkmal setzen wollen. Der Tüftler stammte zwar aus dem bayerischen Dillingen, arbeitete jedoch einstmals zwei Jahre lang bei dem Kranbauer Dingler (heute: Tadano) in Zweibrücken und hat so einen direkten Bezug zur heutigen Stadt am Wasser. Dort produzierte er einen mit Petroleum betriebenen Schiffsmotor.

Rolf Dietrichs ursprüngliche Idee, Berufsschüler gemeinsam mit der Lehrwerkstatt von Terex, wie Dingerl/Tadano zu jener Zeit hieß, ein Modell des Bauerschen U-Boots im Maßstab 1:10 nach den Originalplänen fertigen zu lassen, scheiterte zwar – doch der Initiator gab nicht auf. „Gemeinsam mit einem Bekannten aus Lübeck, einem pensionierten Schiffs-Zimmermann, baue ich das Modell im Maßstab 1:2 nach, es wird folglich rund vier Meter lang und einen Meter breit werden“, erklärte er 2008 im Pfälzischen Merkur. „Als Material nehmen wir Holz. Verkleiden tun wir es mit Stahl- oder Kupferblech.“

Ebenfalls für Furore sorgte die Standort-Frage. Rolf Dietrich und der damalige Oberbürgermeister Helmut Reichling zogen den Rosengarten als einen von Zweibrückens Besuchermagneten in Betracht, um mit dem Modell den Stolz der Stadt auf den U-Boot-Erfinder möglichst publikumswirksam zu demonstrieren. Nach dem Veto des Freiraumplanungs-Ingenieurs Georg Dhom ging der Brandtaucher zunächst an dem hinter Glas geschützten Ort im Zweibrücker Rathaus zwischen Foyer und Bürgerbüro an Land. Dort wurde er nach dem Ämterumzug ins neue Behördenzentrum Max 1 jedoch nicht mehr genug wahrgenommen, so dass der UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken) das vier Meter lange, 1,5 Meter breite und einen Meter hohe U-Boot schließlich 2015 auf den Parkplatz zwischen Schwimmbad an der Schließ und Rosengartenhotel an der Schwarzbach-Allee umzog.

Hier in seinem Heimathafen ankert der Brandtaucher auch seit Donnerstagnachmittag wieder. Die Zweibrücker Schlosserei Hermann Fischer hat das U-Boot, nachdem es durch seine längere Standzeit im Außenbereich einige witterungsbedingte Beschädigungen aufgewiesen hatte wie etwa durchgerostete Nieten und Bleche, innerhalb einer Woche generalüberholt: Roststellen entfernt, es neu grundiert und lackiert. Zum ersten Mal seit der Fertigstellung übrigens, was für die Qualität der sprichwörtlichen deutschen Wertarbeit spricht.

Für Hermann Fischer, Henri Steitz und Karsten Sand war es ein bewegendes Wiedersehen. Die drei Handwerker hatten das große U-Boot-Modell vor 13 Jahren mit aus der Wiege gehoben. „Der Zeitungsartikel von damals hängt immer noch bei mir zu Hause“, berichtete Karsten Sand am Donnerstag und strich liebevoll über den Bootsrumpf. Sie hatten Kranführer Jan Volker von den Stadtwerken dabei assistiert, das U-Boot an Bug und Heck in Haltegurte zu schnüren, an denen es sanft vom Lieferwagen wieder auf seinen Standplatz im Parkplatzhafen schwebte. Hier wurde es erneut verschraubt und liegt jetzt wieder sicher vor Anker. Sehr zur Freude der Passanten, die den Heimkehrer freudig begrüßten.

Auf die Idee, ein U-Boot zu entwickeln, kam Wilhelm Bauer (1822-1875) im Jahr 1849, als er einen Seehund beobachtete. Daraufhin plante er, „einen nach jeder beliebigen Richtung in und unter das Niveau des Wassers bewegbaren Apparat“ zu konstruieren – sprich: ein U-Boot.

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