Trump, Brexit und Erdogan

Die satirischen Motivwagen für den Rosenmontagszug sind ein besonderes Aushängeschild im Wettbewerb der Karnevalshochburgen am Rhein. In Mainz wird nicht nur der neue US-Präsident auf die Schippe genommen.

Diesmal sollen sie wieder rollen, die Motivwagen des Mainzer Rosenmontagszugs. Ein Jahr nach der wetterbedingten Absage fallen die satirischen Darstellungen in diesem Jahr besonders bissig aus. In einer Industriehalle hat das Team um Wagenbauer Dieter Wenger seit Anfang November an den Styropor-Figuren gearbeitet. Donald Trump darf dabei selbstverständlich nicht fehlen.

Der US-Präsident wird in Mainz zum "Trump-el-tier", zum Elefanten im Porzellanladen. "Er hat schon jede Menge Porzellan zertreten", sagt Wenger, "und wie es aussieht, wird er auch in Zukunft noch einiges zerdeppern." Erstaunlich, wie realistisch die Bildhauer die Gesichtszüge in den leichten Kunststoff geschnitten haben. "So erkennen ihn die Leute leichter als bei einer Karikatur", erklärt Wenger. Nur Mund und Haartolle seien leicht überzeichnet worden.

Schon seit 55 Jahren baut Wenger die Motivwagen in Mainz. Inzwischen hat er das närrische Alter von 77 Jahren erreicht, und an Aufhören ist nicht zu denken. Auch sein Sohn Oliver arbeitet mit, er hat am Unterbau der Trump-Figur gewerkelt und bei der Präsentation gestern streicht er Trump mit einem Pinsel übers Kinn.

Tatsächlich muss wohl noch bis Samstag gearbeitet werden, ehe die Wagen am Sonntag beim "Tanz auf der Lu" (Lu wie Ludwigsstraße) schon mal in der Innenstadt gezeigt und dann am Montag in Bewegung gesetzt werden können. Beim Motivwagen "Wut-Zwergenaufstand" fehlt ausgerechnet noch der Zaun. Dabei hält ein Zwerg doch die Forderung hoch: "Macht den Zaun höher". Auf anderen Schildern heißt es: "Das Beet ist voll" oder "Gegen fremde Blumen in meinem Garten".

Kann die satirische Attacke gegen die AfD deren Wähler am Rand des Rosenmontagszugs zum Nachdenken bringen? "Vielleicht", antwortet MCV-Präsident Reinhard Urban. "Ich kann mir auch vorstellen, dass es da ein paar Anfeindungen gibt, aber das werden wir gut durchstehen."

Schon im Oktober vergangenen Jahres kamen die 27 Mitglieder der Zugleitung zum ersten Mal zusammen, um Ideen für die Motivwagen zu entwickeln. Danach gestaltete der Grafiker Peter Beckhaus erste Skizzen, ehe die Zugleitung dann 13 Motive auswählte. "Wir diskutieren bis aufs Messer", schmunzelt Wenger. Präsident Urban blickt zufrieden auf "eine wunderbare Mischung aus lokalen Themen, sehr ernsten überregionalen und auch ein bisschen spaßigen Themen".

Zum Brexit wird eine sinkende Britannia mit dem Po im Wasser vorgeführt, die dem EU-Dampfer den Mittelfinger zeigt. Der türkische Staatschef Erdogan fährt auf einem roten Rasenmäher durch die Mainzer Straßen, dabei kommen auch die Sonnenblumen der Demokratie und Pressefreiheit unters Messer. Nach einem wetterbedingt gestoppten "Burka-Alarm" im vergangenen Jahr ist die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner wieder dabei - diesmal sitzt sie in der zugeschnappten "Maus(s)efalle" mit Parteispenden, die auf den Ex-Agenten Werner Mauss als Geldgeber hindeuten. Und diesmal werden nicht nur Bonbons und Blumensträuße von den 9539 Teilnehmern ins Volk geworfen. Aus den mit Beraterverträgen gefüllten Aktenordnern des Mainz-05-Präsidenten Harald Strutz quellen Geldscheine.

Als Lieblingswagen nennt MCV-Präsident Urban das Motiv "In Kaisers Wäschküch": Hier bringt Franz Beckenbauer einen Waschkorb mit Geldscheinen zur Wäscheleine - dort hängen bereits 100er, 200er und 500er Scheine. Ums Geld geht es auch bei den "Armen Schluckern", einer Referenz der Mainzer an die große Nachbarstadt Frankfurt und ihr Bankenviertel. Ein barfüßiger Bettler mit Hut erklärt da: "Bin bedürftig". In seinem Rücken verkünden die deutschen Banken: "Wir auch". Und zur Sozialpolitik gibt es die Vision einer "Rente mit 90" fürs Jahr 2040: Da müssen dann auch noch ein Pilot mit Blindenstock und eine Stewardess mit Rollator und Blasentee arbeiten.