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Trotz Corona: 2020 mehr Straftaten in Zweibrücken

Kriminalstatistik Südwestpfalz für 2020 : Mehr Straftaten in Zweibrücken

In Pirmasens und dem Landkreis Südwestpfalz sind die Zahlen jedoch gesunken. Das ergibt sich aus der Kriminalitätsstatistik der Polizeidirektion Pirmasens.

Corona ist nicht gleich Corona. Auch nicht in der Kriminalitätsstatistik: Wärend die Zahl der registrierten Delikte 2020 im Bereich der Polizeidirektion Pirmasens, zu der auch Zweibrücken und Zweibrücken-Land gehören, zurückging (vor allem in Pirmasens), stieg sie in Zweibrücken an. Trotz Corona. um sieben Prozent auf 2693.

Auf die gesamte Polizeidirektion gerechnet wurden 8595 Straftaten und damit 1,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 8739 Fällen registriert. Diese Entwicklung schlägt sich auch bei der Häufigkeitszahl nieder, welche die Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner zeigt. Sie reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr leicht um 72 auf 5127 Fälle. Mit einer Aufklärungsquote von 71,8 Prozent nimmt die Polizeidirektion Pirmasens nach eigenen Angaben einen absoluten Spitzenplatz in Rheinland-Pfalz ein.

Welche Delike boomen? Besonders stark gestiegen, nämlich um 27,8 Prozent, ist der Bereich des so genannen Cybercrime. Gemeint sind damit in erster Linie Betrugsdelikte im Internet, welches, wie es in der Statistik treffend heißt, „Basis für eine bunte Palette von Möglichkeiten darstellt, sich auf Kosten anderer zu bereichern“. Viele der angezeigten Fälle stellen sich als Fälle von Identitätsdiebstahl und/oder als Nutzung der Verkaufsplattformen mit „Fake-Profilen“ dar. In sogenannten „Fake-Shops“ werden zu verlockenden Schnäppchenpreisen Waren angeboten, die tatsächlich nicht existent sind. Waren werden gekauft oder ersteigert, aber nicht bezahlt. Ein Verkaufsshop oder Privatverkäufer wird unbemerkt „gehackt“, die Kontodaten werden abgeändert und die feilgebotene Ware nie ausgeliefert.

Gab es mehr häusliche Gewalt? Die vielfach erwartete deutliche Zunahme der häuslichen Gewalt aufgrund der Pandemielage ist im Bereich der Südwestpfalz nicht zu beobachten. Die Zahl der Fälle von „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ (Gewalt in der Partnerschaft), stieg lediglich um 15 Fälle auf nunmehr 335 an. Die Gewalt drückt sich in drei von vier Fällen (73 Prozent der Fälle) in Körperverletzungsdelikten gegenüber dem meist weiblichen Opfer aus. In jedem vierten Fall (23,3 Prozent) werden Straftaten gegen die persönliche Freiheit begangen.

Hatte die Pandemie Einfluss auf die sonstigen Gewaltdelikte? Nach einem hohen Anstieg im vergangenen Jahr sind die Körperverletzungsdelikte in der Öffentlichkeit im zweistelligen Prozentbereich rückläufig. Die Fallzahlen gingen von 146 auf 128 zurück. Geschlossene Gaststätten, Kontaktbegrenzungen, Einschränkung der Mobilität und das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit als Maßnahmen der Pandemiebekämpfung haben, so schlussfolgern die Ersteller der Kriminalstatistik, sicher ihren Teil zur Verringerung der Fallzahlen beigetragen.

Wie sah es mit Wohnungseinbrüchen aus? Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um elf auf 130 Fälle zurück. Das ist der niedrigste Wert in der Zehnjahresbetrachtung und nochmals ein Rückgang von knapp acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2015, dem Jahr mit dem Höchststand an Wohnungseinbrüchen im Direktionsbereich, beträgt der Fallzahlenrückgang sogar 55 Prozent. In der Hälfte aller Fälle blieb es beim Versuch. Die verstärkte Medienpräsenz und die weitere Intensivierung der Präventionsarbeit der Polizei haben zu besseren Absicherungsmaßnahmen der Hauseigentümer geführt. Außerdem dürfte die höhere Verweildauer der Hausbewohner in den eigenen vier Wänden aufgrund der Corona-Pandemie entsprechende Tatgelegenheiten reduziert haben.

Warum ist die Zahl der Drogendelikte so stark gestiegen? Der Anstieg bei den Drogendelikten ist mit 20,2 Prozent signifikant. Mit 993 Rauschgiftdelikten wurden 167 Delikte mehr als im Vorjahr registriert. Im Rauschgift-Bereich spricht man von der sogenannten „Hol-Kriminalität“. Demnach ist die Steigerung der Zahlen sowohl auf aktive Ermittlungen der Kriminalbeamten zurückzuführen als auch auf die zusätzlichen Fallzahlen, die sich aus der Verkehrsüberwachung ergeben. Vermehrt werden drogenbeeinflusste Fahrzeugführer erkannt und in vielen Fällen werden Drogen sogar mitgeführt oder Rauschgiftdelikte in Folgeermittlungen festgestellt.

Hat sich der Trend von Gewalt gegen Polizisten fortgesetzt? Nachdem 2019 noch 80 Gewaltdelikte gegen die Polizei begangen wurden, kam es 2020 zu 103 solchen Übergriffen gegen Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen bei ihrer Dienstausübung. Die Steigerung beträgt innerhalb eines Jahres 29 Prozent. In 64 Fällen kam es zu „echten“ Widerstandsdelikten oder gar zu aktiven tätlichen Angriffen, bei denen insgesamt 28 Polizisten (sechs mehr als im Vorjahr) verletzt wurden. In 78 Fällen (Vorjahr: 59) wurden sie beleidigt oder bedroht. Die Steigerungsrate liegt hier sogar über 32 Prozent.

Wer sind die Tatverdächtigen? Bei insgesamt 8595 begangenen Straftaten im Jahr 2020 konnten 4089 Tatverdächtige ermittelt werden. Der Erwachsenenanteil ab 21 Jahren mit 3234 Tatverdächtigen liegt bei 79,8 Prozent. Die Zahlen liegen auf gleichem Niveau wie die letzten beiden Jahre. Der Anteil Nichtdeutscher an der Gesamtbevölkerung lag zum 31. Dezember 2019 im Bereich der Polizeidirektion Pirmasens bei 7,5 Prozent (Pirmasens: 12 Prozent, Zweibrücken: 11 Prozent, Landkreis 4,4 Prozent). Nach einer gewissen Konstanz in den letzten Jahren sank die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen 2020 zwar deutlich von 20,2 auf 17 Prozent, jedoch sind sie im Vergleich ihres Bevölkerungsanteils laut Polizeistatistik immer noch deutlich überrepräsentiert. Der überwiegende Teil der nichtdeutschen Tatverdächtigen besitzt die rumänische (13,2 Prozent) oder die syrische (12,8 Prozent) Staatsangehörigkeit. Es folgen die polnische (6,2 Prozent), die französische (5,1 Prozent) und die türkische Staatsangehörigkeit mit (4,8 Prozent).