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Tam Tam: Trommelrhythmen statt Kinderstimmen

Tam Tam : Trommelrhythmen statt Kinderstimmen

Eine Musikschule sorgt im ehemaligen Kindergarten der methodistischen Gemeinde für neues Leben.

Bis vor sieben Jahren spielten und lernten in den unteren Räumen der Evangelisch-methodistischen Gemeinde Zweibrücken in der Hilgardstraße Kinder. Hier war der Kindergarten der protestantischen Freikirche untergebracht. Jetzt erklingen hier afrikanische Trommelrhythmen und Mundart-Songs, denn die Trommelschule Tam Tam und damit auch der Proberaum der Zweibrücker Mundartband Blues Himmel sind Anfang des Jahres hier eingezogen.

„Nur einmal schräg über die Straße, von den Räumlichkeiten in der Parkvilla“, freut sich Bandleader und Musikschulleiter Michael Wack. Auf seiner Suche nach einem neuen Standort, da die Tierartzpraxis Grüning mehr Platz benötigt, war Wack schon fast verzweifelt, als ihm der Ex-Kindergarten einfiel. „Meine Frau Gabi ist hier zur Sonntagsschule gegangen. Es besteht in sofern sogar eine gewisse Verbindung dorthin“, erinnert Wack.

Die Anfrage kam für die Methodisten-Bezirksgemeinde Saar-Zweibrücken genau richtig, berichtet Pastor Joachim Schumann: „Wir sind wegen unserer Haushaltslage in den letzten zwei Jahren von der EmK-Leitung immer wieder aufgefordert worden, die meist leerstehenden Räume zu vermieten.“ Seit der Auflösung des Kindergartens hatten hier einzelne öffentliche Veranstaltungen sowie Gemeindefeiern stattgefunden. In ausführlichen Verhandlungen wurden sich der Haus- und Finanzausschuss der Gemeinde, in enger Abstimmung mit dem Superintendenten, schnell einig. „Es ist uns gelungen, die Bedürfnisse von Trommelschule und Blues Himmel mit den Bedürfnissen der Gemeinde unter einen Hut zu bringen“, freuen sich die Gemeindeleitung und Wack. Der Gemeinde war es ein wichtiges Anliegen, die Räume für regelmäßige, große Veranstaltungen wie den traditionellen Basar am 1. November oder die Nachfeier des Weltgebetstages im März weiterhin nutzen zu dürfen. Außerdem konnte das Geschirr in der kleinen Küche untergebracht bleiben.

Drei Wochen lang wurde intensiv renoviert, eingerichtet und installiert. Am Sonntag, 28. Januar, ist zur offiziellen Eröffnung von Tam Tam auch die Evangelisch-methodistische Gemeinde eingeladen.

Pastor Schumann, selbst sehr musikaffin, ist begeistert. „Wir haben wir eine perfekte Win-Win-Situation geschaffen.“ Die Haushaltslage der Gemeinde verbessere sich durch die regelmäßige Mieteinnahme. Dem Gebäude tue gut, dass es nun regelmäßig belebt, beheizt und gelüftet werden. Die Räume würden sinnvoll genutzt und stünden der Gemeinde bei Bedarf nach Absprache zur Verfügung. Besser gehe es kaum, für beide Seiten. Zudem habe Wack zugesagt, bei passenden Gelegenheiten, etwa Gemeindebesuch aus Afrika oder dem Weltgebetstag, mit Trommelgruppen den Gottesdienst zu bereichern. Eines weiß der Pastor, der seinen Lebensmittelpunkt in Saarbrücken hat, aus zahlreichen Gesprächen mit seinen Zweibrücker Schäflein allerdings: „Die Gemeinde muss sich an diesen neuen Zustand erst noch gewöhnen.“ Aber die Weichen stünden auf ein gutes Miteinander.

Für die Methodisten ist die Vermietung jedoch erst ein Anfang der Veränderungen. Im März soll der vor mehr als 50 Jahren errichtete Gottesdienstraum renoviert werden, die Fenster neu isoliert und die Kirchenbänke durch die knapp 150 bereits vorhandenen Stühle ersetzt werden. Außerdem soll der ehemalige Kinderspielplatz auf dem Außengelände in einen attraktiven Gemeindegarten mit Grillplatz verwandelt werden. Schumann rechnet mit Kosten um die 25 000 Euro. Da tue jede Einnahme gut.