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TLT-Turbo schafft Büroräume in ehemaligem Finanzamt Zweibrücken

Besuch im ehemaligen Zweibrücker Finanzamt : Schimmel und geplatzte Heizkörper

Bis zum Einzug von TLT-Turbo im alten Finanzamt muss noch Einiges getan werden.

Auch wenn man es im Vorbeifahren nicht unbedingt sieht: Die Zeit war nicht gnädig mit dem ehemaligen Zweibrücker Finanzamt. Und wenn man sich im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes einmal umsieht, kann man sich gut vorstellen, dass die Gewobau da noch einiges an Zeit und Geld investieren muss, bevor TLT-Turbo im November oder Dezemer hier einzieht (wir berichteten). Gewobau-Chef Jörg Eschmann schätzt die Reparaturkosten aktuell auf 1,2 Millionen Euro. „Falls im Boden irgendwo Asbest ist, muss man nochmal was drauflegen“, ergänzt er.

Wahrscheinlich wäre weniger zu tun, wenn das Gebäude nicht all die Jahre unbeheizt gewesen wäre: Bereits im Foyer schlägt dem Besucher ein muffiger Geruch entgegen, in Teilen des Flures hat Feuchtigkeit den Putz abbröckeln lassen. In Zimmerecken ist Schimmel zu erkennen. Als röchen sie die Feuchtigkeit, haben sich zwei Zimbelkraut-Pflanzen durch den verrosteten Fuß des Windfanges geschlängelt und wuchern jetzt in Richtung Eingangstür. Viele Heizkörper im Gebäude sind abmontiert worden, einige allerdings nicht früh genug: Sie sind irgendwann im Laufe der Jahre durch Einfrieren im Winter geplatzt, wie Eschmann erzählt. Schwarze Spritzmuster erinnern bis heute daran.

Die Elektro-Leitungen und Kabel unter den Kunststoff-Verkleidungen sehen zumeist noch manierlich aus, werden aber trotzdem mitsamt der Internet-Infrastruktur erneuert. „Der Vertrag mit TLT läuft über sieben Jahre, aber wir gehen davon aus, dass die länger bleiben. Da wollen wir nicht in fünf Jahren wieder ranmüssen“, sagt Eschmann. Beim massiven Aufzug sieht die Gewobau diese Gefahr nicht, er bleibt drin.

Die Natur erobert das Finanzamt zurück: Im Windfang wächst Zimbelkraut. Foto: Jan Althoff

Auch die Gas-Brennwertheizung bleibt, anders als die Heizkörper, im Gebäude. Potenzial für Solarpaneele auf dem Dach sieht Eschmann eher nicht – Stichwort Denkmalschutz. Dafür wird auf dem eindrucksvollen Dachboden zumindest eine Dämmschicht montiert.

Im Erdgeschoss wurde im Boden nach Asbest gesucht. Foto: Jan Althoff
Spuren eines geplatzen Heizkörpers. Das Gebäude war mehrere Jahre nicht beheizt worden. Foto: Jan Althoff
Der Innenhof ist noch vergleichsweise gut in Schuss. Foto: Jan Althoff

Das alte Finanzamt ist seit 2013 im Eigentum der Gewobau. Nach dem Auszug des Finanzamtes nach Pirmasens hatte 2014 zunächst das Zweibrücker Unternehmen Immobilia das Gebäude gekaut. Dort sollten 15 Eigentumswohnungen zwischen 50 und 90 Quadratmeter und Gemeinschaftsräume entstehen. Diese Pläne zerschlugen sich. Im Herbst 2017 kaufte die Gewobau das Ensemble. Seither gab es immer wieder Gespräche mit möglichen Mietern, die jetzt endlich zum Erfolg führten.

(jam)