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TLT Turbo eröffnet Büros in Ex-Finanzamt Zweibrücken, Postagentur kommt in Hauptbahnhof

Neuigkeiten beim Zweibrücker Neujahrsempfang : Post öffnet im April Agentur im Bahnhof

Eine Vielzahl konkreter Projekte und klarer Worte dominieren die Neujahrsempfangs-Rede von Oberbürgermeister Wosnitza.

Neuigkeiten zu zwei zentralen Immobilien konnte Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) am Dienstagabend beim Zweibrücker Neujahrsempfang verkünden. Die vor einem Jahr angekündigte Absicht, dort ein Start-up-Center unterzubringen, habe man nicht weiterverfolgt – um stattdessen einem ortsansässigen Unternehmen dringend benötigten Büroraum zu verschaffen: Der Großventilatoren-Hersteller TLT-Turbo „hat sich langfristig in die Räume des alten Finanzamts eingemietet und wird das gesamte Gebäude übernehmen“, verriet Wosnitza.

Die zweite Immobilie liegt vielen Zweibrückern besonders am Herzen, und gehört (seit 2019) ebenfalls der Stadt-Tochter Gewobau: das Bahnhofsgebäude. Wosnitza bestätigte nun einen Merkur-Bericht, wonach die Post dort eine Anlaufstelle eröffnen wird – und das wohl schon in wenigen Wochen: „Ab voraussichtlich April dieses Jahres wird es wieder möglich sein – fast am gleichen Ort wie früher – Pakete abzugeben und abzuholen, Briefe zu versenden und Briefmarken zu kaufen. Parkplätze gibt es genug und wir können davon ausgehen, dass dies die Verkehrssituation in der Rosengartenstraße deutlich entschärfen wird.“ Gewobau-Chef Jörg Eschmann ergänzte auf Merkur-Nachfrage, die Postagentur werde an den geplanten DRK-Zeitschriftenladen angedockt. Wosnitza sagte in seiner Rede weiter, die „beeindruckende“ Neugestaltung der Wartehalle gemeinsam mit dem DRK habe „eine ganz spannende Dynamik ausgelöst“. So überlege derzeit auch der VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar), im Hauptbahnhof „eine Mobilitätszentrale zu etablieren“, denn zu einem Bahnhof gehöre für ihn Ticketverkauf und -beratung einfach dazu.

„Fahrt aufnehmen“ werde 2020 das schon vor einem Jahr angekündigte Projekt Aktive Stadtzentren“, kündigte der OB an (Wosnitza räumte generell ein, „dass es bei einigen Dingen dann doch länger dauert, als der optimistische Amtsneuling es sich hätte vorstellen können“): „Wie wollen wir unsere Zweibrücker Innenstadt im nächsten Jahrzehnt entwickeln?“ Zu dieser Frage werde es 2020 „Bürgerbeteiligungsprozesse“ geben: „Wir wollen wissen, wie die Bürgerinnen und Bürger ihre Innenstadt in zehn Jahren sehen, und in welche Richtung wir die Stadt entwickeln sollen. Ich bin mir sicher, dass dies ein spannender Prozess sein wird, bei dem Meinungen und Perspektiven aufeinandertreffen, ausdiskutiert werden und wir gemeinsam zu einem zielführenden Weg kommen.“

Zur Diskussion um Wohnungsneubau in Zweibrücken ging Wosnitza indirekt auf den Streit um die Frage ein, ob in Zeiten von Klimawandel und Bevölkerungsrückgang Neubaugebiete auf der Grünen Wiese innerstädtisches Bauen/Sanieren wieder mehr ergänzen sollen. Ziel müsse sein, dass Zweibrücken für junge Familien attraktiv ist – dafür brauche es auch neue Bauplätze. Dabei solle man nicht über das Ob, sondern nur das Wie streiten, mahnte Wosnitza. Dabei gelte es, die ökologischen Belastungen „so gering wie möglich zu halten“.

Fast gebaut hätte dieses Jahr in der Rosenstadt Tesla. Die Ansiedlung der Giga-Fabrik hätte Zweibrücken (mit Angehörigen der Beschäftigten) einen Bevölkerungszuwachs von 10 000 Einwohnern beschert, schätzte Wosnitza. „Im Gegensatz zu Brandenburg wären die Bagger bei uns jetzt schon ausgefahren“, sagte der OB. Doch trotz der knappen Entscheidung gegen Zweibrücken zeige die Bewerbung: „Wir haben gezeigt, was wir hier in der Region können, und ich bin überzeugt, dass sich dies mittelfristig noch auszahlen wird. Wir haben gezeigt, dass wir das Potenzial für Großansiedlungen haben.“ Andererseits brauche Zweibrücken „dringend mehr städtische Kapazitäten“ für mittlere Ansiedlungen und Erweiterungen – „deswegen haben wir gemeinsam mit dem Kreis Südwestpfalz und der Stadt Pirmasens eine Gewerbegebietsanalyse auf den Weg gebracht.“

Zum Thema Klimawandel sagte Wosnitza, „dass wir auf eine die Menschheit bedrohende Situation hinsteuern. In einer solchen Zeit zu agieren ist eine Gratwanderung, weil wir auf der einen Seite die Stadt weiterentwickeln wollen und müssen und auf der anderen Seite verantwortungsvoll mit der Situation umgehen müssen.“ Der OB zählt dazu eine ganze Reihe von Maßnahmen auf, wie die Modernisierung öffentlicher Heizungsanlagen, Solardächer oder Elektroautos bei Stadt und Stadttochterunternehmen. Selbstkritisch merkte Wosnitza an, dass „wir noch kein abgeschlossenes und verabschiedetes Fahrradwegekonzept haben“.

Stichwort Verkehr: Die in Bubenhausen lang ersehnte Lärmschutzwand an der A 8 werde „im Jahr 2021 begonnen und abgeschlossen“, verriet Wosnitza unter Berufung auf eine Vereinbarung mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM). Und unter etwas Gelächter, viel Applaus und einzelnen Jubel-Rufen verkündete Wosnitza, vom Überflieger zur Autobahn „wird es noch dieses Jahr die Einfädelspur geben.“

Die Lösung der Finanznot Zweibrückens sei „von weit höherer Bedeutung als eine Diskussion über Einkreisung und Gebietsreform“, mahnte der Oberbürgermeister Land und Bund. „Wir sparen, was das Zeug hält“, doch „die Erfolge sind nur schwer erkennbar“, so Wosnitza. Denn in den letzten Haushalten habe Zweibrücken ein Jahresdefizit von durchschnittlich zehn Millionen Euro produziert. Weniger als früher, „aber machen wir uns nichts vor – das ist eine hohe Neuverschuldung.“ Doch würden Bund und Land „die kommunalen Kosten ihrer Sozialgesetze auch refinanzieren, hätten wir in den letzten Jahren den Haushalt ausgeglichen“, rechnete der OB „etwas vereinfachend“ vor. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) habe „einen aus meiner Sicht richtigen Weg aufgezeigt, Entschuldung der in Not geratenen Kommunen“. Denn sonst drohten den Bürgern immer mehr Erhöhungen kommunaler Gebühren und Steuern (wie Grundsteuer) – bei Verschlechterungen bei „freiwilligen“ Leistungen wie Schwimmbäder, Wirtschaftsförderung oder Kultur.

Mit der Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet wurden beim Neujahrsempfang elf ehrenamtlich außergewöhnlich engagierte Bürger: Für soziales Engagement Schwester Elisa, Herbert Brünisholz, Bernhard Schneider (posthum), für langjährigen Einsatz im Integrationsbeirat Tatjana Zaitseva, Olga Kett, Maria Costa in Romano und Pervin Taze (arbeitsbedingt abwesend). Für kulturell künstlerisches Engagement Peter Schaumburger, für kulturhistorisches Engagement Werner Euskirchen, für seine breite Vereinsarbeit Gerd Gries (posthum) und für ehrenamtliche Integrationsarbeit Ingrid Sartory. Foto: Volker Baumann
Er rechne mit der S-Bahn-Verlängerung von Homburg nach Zweibrücken 2025, sagte Oberbürgermeister Marold Wosnitza in seiner Rede. Foto: Volker Baumann
Während seiner Ansprache ließ Marold Wosnitza an thematisch passender Stelle auch andere Redner zu Wort kommen – hier Hochschul-Präsident Hans-Joachim Schmidt. Foto: Volker Baumann

Als „eines der zentralen Themen unserer Zeit“ bezeichnete Wosnitza die Digitalisierung. Und verkündete auch diesbezüglich zwei Neuigkeiten: Die Stadtverwaltung werde 2020 einen „Online-Mängelmelder“ anbieten und das Handyparken in Zweibrücken ermöglichen. (Ausführlicher Bericht hierzu sowie zu den Themen Hochschule und Kultursommer-Eröffnung folgt.)