Tivoli-Park und viele Fragen

Das DVAG-Schulungszentrum auf dem Zweibrücker Flugplatz platzte aus allen Nähten, als Dieter Bischoff aus seinem „Doku-Roman“ vorlas. Der dreht sich um den früheren Tivoli-Park. Bischoff spart darin nicht mit Spekulationen, er greift ferner die Politik scharf an. Unterhaltsam ist das Buch allemal.

Vor 30 Jahren hat der Tivoli-Park bei Höheisch weiler für immer geschlossen. Und dennoch ist der Freizeitpark, der in nur sieben Jahren für jede Menge Schlagzeilen gesorgt hatte, noch immer irgendwie präsent in der Südwestpfalz - ob durch die immer noch stehenden Gebäudekulissen, das ein oder andere überlebende Hinweisschild oder aber durch die Erinnerungen in den Köpfen der Menschen. Einer, für den der Tivoli-Park unvergessen bleibt, ist Dieter Bischoff.

Damals freiberuflicher Marketingberater des Freizeitparks des Pirmasenser Unternehmers C.H Wagner, hat er Aufstieg und Sterben des Tivoli-Parks miterlebt. Seine Erinnerungen hat er mit 67 Jahren in dem Buch "Löwen. Tiger. Aff(är)en. Eine wahre, unglaubliche Geschichte" verarbeitet. Nun las er im proppenvollen DVAG-Schulungszentrum auf dem Zweibrücker Flugplatz aus seinem 350 Seiten starken "Doku-Roman" - moderiert wurde der Abend vom früheren SPD-Landtagsabgeordneten Fritz Presl. Es gibt Bücher, die lassen sich eindeutig festlegen: Roman, Sachbuch, Dokumentation, Biografie. Nicht so die Tivoli-Park-Erinnerungen Bischoffs, da vermischen sich Dokumentation und Autobiografie, Sachbuch und Romanerzählung. Der Autor, ein gebürtiger Zweibrücker, der in der Rosenstadt auch ein Werbestudio betrieb und das "Zweibrücker Journal" herausgegeben hat, ist sich dessen bewusst. Buntgemischt ist aber nicht nur das Buchgenre, sondern sind auch die Erinnerungen des PR-Beraters, der aufgrund seiner Nähe zum Tivoli-Park-Macher ein Porträt von C.H. Wagner ebenso liefert wie einen Blick hinter die Kulissen der schillernden Park- und Artistenwelt. Immer aber folgt er einem roten Faden, nämlich seiner persönlichen Wertung des "Politikums" Tivoli-Park.

Wo Dieter Bischoff steht, das macht er quasi von der ersten Zeile an deutlich. Den Tivoli-Park bewertet er als ein Leuchtturmprojekt für die Südwestpfalz in den achtziger Jahren, der Tourismus und Wirtschaft hätte ankurbeln können auf viele Jahre hinaus. Diese Chance sei der Region durch die Kreisverwaltung unter den beiden Landräten Klaus-Dieter Uelhoff und Hans Jörg Duppré aber genommen worden, glaubt der Autor, spricht von "politischer Fehlleistung" ebenso wie von "Behördenwillkür".

Dokumentarisch ist Bischoff dann, wenn er - auch mit Zeitungsausschnitten - auf die Abriegelung des Tivoli-Parks durch zwei Hundertschaften der Polizei 1979 hinweist, wenn er an die B10-Blockade durch die Artisten erinnert, wenn er die Verurteilung Wagners zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen Konkursvergehens beschreibt - wohlgemerkt immer aus seiner Sicht kommentiert, die keinen objektiven Blick auf den Streit um fehlende Genehmigungen und Lizenzen erlaubt.

Und dann verlegt sich der Zweibrücker, der heute am Ammersee lebt, auch noch auf Spekulationen, zieht die jahrzehntelange US-Militärpräsenz in der Südwestpfalz heran, um Fragen aufzuwerfen: Ob denn eine Verschwörung von amerikanischem Militär und Kommunalpolitikern aus der Region den Tivoli-Park absichtlich hat sterben lassen, weil er deren Ziele behindert hat? Das ist dann schon eine wilde Fahrt voller Spekulationen - Beweise fehlen.

Egal, wie am Ende die Bewertung von Bischoffs Erinnerungen ausfallen, eines hat er geleistet, nämlich die aufregenden Jahre um den Traum vom Freizeitpark festzuhalten für die Nachwelt.