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Tierschützer warnen vor Turbo-Kühen

Tierschützer warnen vor Turbo-Kühen

Höchstleistungen der Kühe führen immer wieder zu Kritik an den Landwirten. Die werde auf dem Rücken der Tiere erwirtschaftet. Die Bauern sehen das naturgemäß anders. Allein aus wirtschaftlichen Gründen sei es für sie alles andere als gleichgültig, wie lange ihre Kühe leben.

Der aktuelle Milchpreis ist so niedrig, dass Landwirte nach eigenen Angaben nicht einmal mehr ihre Produktionskosten decken können: Weniger als 30 Cent erhalten sie derzeit durchschnittlich für einen Liter Milch . "Den enormen Preisdruck der Molkereien und des Einzelhandels bezahlen die Milchkühe mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben", warnt die Welttierschutzgesellschaft in Berlin. In den meisten deutschen Kuhställen stehe heute die Rasse "Deutsche Holstein". Sie sei sehr stark auf hohe Milchleistung gezüchtet worden. Gekoppelt an den hohen Einsatz von Kraftfutter gäben diese Kühe in Hochphasen mehr als 50 Liter Milch am Tag - fast doppelt so viel wie noch vor 40 Jahren.

Milch-Höchstleistungen seien jedoch schädlich für den Organismus, das Risiko für Erkrankungen steige. "Die Folgen sind Fruchtbarkeitsprobleme, Stoffwechselstörungen, Euter- und Klauenerkrankungen", erklärt die Gesellschaft. Sie fordert, dass die Gesundheit der Tiere deutlich stärker in den Fokus gerückt werden muss. Idealerweise sollten Wiederkäuer mit dem für sie natürlichen Futter wie Gras, Klee, Kräuter und Heu versorgt werden. Es gebe Höfe, die komplett auf die Gabe von Kraftfutter verzichteten oder intensiv darauf hinarbeiteten. Für Transparenz sorge ihr Milchratgeber. Der Einkaufsführer vergleiche bekannte konventionelle als auch Bio-Milchmarken anhand von vier Haltungsvorgaben für die Tiere.

Uwe Bißbort, Vorsitzender des Bauernverbandes in der Südwestpfalz, sieht seinen Berufsstand hier schon auf dem richtigen Weg. Auf eine Langlebigkeit der Tiere zu achten, sei nicht nur mit Blick auf den Tierschutz wichtig. "Es macht auch wirtschaftlich einen Sinn", so Bißbort, der darauf hinweist, dass Kühe beispielsweise erst nach zwei Jahren ein Kalb bekommen könnten. Betriebe, bei denen die Gesundheit der Tiere nicht im Vordergrund stehe, hätten deshalb auch ihr Management nicht im Griff. Kritisch sieht der Verbands-Funktionär das geplante Freihandelsabkommen (TTIP) mit den USA, das nach seiner Auffassung nach zu Qualitätseinbußen bei Lebensmitteln führe.

Für viele Verbesserungsmaßnahmen, die die Landwirte durchführen könnten und müssten, sei der derzeitige Milchpreis viel zu niedrig. Als Gründe nennt Bißbort nicht etwas den Wegfall der Milchquote, sondern das Embargo von Russland und die schwache Nachfrage in China. Deshalb müssten neue Märkte erschlossen werden.