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Ab 1. März: Tierärztlicher Notdienst für die Region

Ab 1. März : Tierärztlicher Notdienst für die Region

Eine einheitliche Nummer soll ab März für schnelle Hilfe im Notfall sorgen.

Ab dem 1. März gibt es für Zweibrücken und Umgebung einen neuen tierärztlichen Notdienst für die Wochenenden. Mehrere Tierärztinnen und Tierärzte aus dem Raum Zweibrücken haben sich zusammengeschlossen, um Notfälle außerhalb der Sprechzeiten zu betreuen. Eine reibungslose Koordination soll die einheitliche Nummer (08 00) 5 89 03 07 ermöglichen. Unter dieser erreichen Tierbesitzer an Samstagen von 14 bis 20 Uhr und sonntags von zehn bis 20 Uhr den diensthabenden Tierarzt. Außerhalb der angegebenen Zeiten wenden sich Tierhalter wie bisher in dringenden Notfällen an die umliegenden Tierkliniken. Die nächstgelegenen Kliniken befinden sich in Zweibrücken und Elversberg.

Die neue Notfallabdeckung sei dringend notwendig, erklärt Tierärztin Anne Grunder aus Wallhalben. „Der Bedarf ist nicht abgedeckt, die Kliniken sind überlastet.“ Die Tierärztekammer verpflichte jede Tierarztpraxis zur Bereitstellung eines Notfalldienstes. Die Umsetzung sei jedoch für eine einzelne Praxis kaum möglich, führt Grunder an. „Man kann ja nicht 24 Stunden am Tag im Dienst sein.“ Bisher sei sie häufig, wie viele andere Tierärzte auch, nach Feierabend per Mobiltelefon erreichbar gewesen.

Um die Betreuung von Notfällen neu zu organisieren, bieten sechs Tierärzte aus Zweibrücken und Umgebung ab März einen gemeinsamen Wochenendnotdienst an. Neben Grunder sind die Praxen Danner, Dr. Grüning und Dr. Wirth aus Zweibrücken beteiligt, sowie Tierarzt Dr. Bonitz aus Hornbach und Tierärztin Dr. Venzl in Contwig-Stambach.

Auch Dr. Liana Meisel-Gehl von der Tierklinik Zweibrücken begrüßt den neu eingerichteten Notdienst. Bisher wurden Notfälle am Wochenende und in der Nacht weitestgehend in ihrer Klinik behandelt. Mit einigen Tierärzten in der Umgebung sei das so abgesprochen, die Patienten anderer kämen auch ohne Absprache. Die Zahl der zu erwartenden Notfälle sei schwer abzuschätzen, das Team in ständiger Einsatzbereitschaft. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, erklärt Meisel-Gehl. Die Besetzung des Notdienstes stellt die Klinikleiterin vor eine Herausforderung. Man sei als Tierklinik verpflichtet, jeden Tag rund um die Uhr verfügbar zu sein, schildert sie. Tierärzte seien jedoch knapp, Experten im Notdienst einzusetzen bedeute, dass diese zur regulären Sprechzeit dann fehlten. Ganz zufrieden ist die Tierärztin mit der neuen Regelung noch nicht. „Ich wäre dankbar, wenn es bald auch einen Notdienst für die Nacht gäbe“, resümiert sie. „Aber jeder Notdienst, den die Tierärzte selbst abdecken, ist uns eine Hilfe.“

Im tierärztlichen Notfalldienst fallen für die Patientenbesitzer deutlich höhere Kosten an, als bei einem regulären Tierarztbesuch. Diese sind von der Bundestierärztekammer festgelegt und wurden zum 14. Februar überarbeitet. Es ist nun eine Notdienstgebühr von 59,50 Euro zu entrichten, außerdem muss der Tierarzt für jede Leistung mindestens den zweifachen Satz berechnen. Erlaubt ist bis zum vierfachen Satz. Der zu zahlende Betrag muss direkt vor Ort beglichen werden, wird aber von manchen Tierkrankenversicherungen nachträglich übernommen – wenn auch oft nur zu Teil.

Häufig falle es Tierhaltern nicht leicht, zu beurteilen, ob ein Notfall vorliegt, oder ob der Tierarztbesuch bis nach dem Wochenende warten kann, erzählt die Wallhalber Tierärztin Grunder. „Ein Notfall ist eine schwere Erkrankung, die keinen Aufschub duldet“, definiert sie. Im Zweifelsfall könne man den Vergleich zum Menschen heranziehen. Was uns Menschen starke Schmerzen bereitet, sei auch für das Tier sehr schmerzhaft, obwohl es sich das vielleicht nicht anmerken lässt. Ist eine Verletzung beim Menschen, beispielsweise eine kleine Schnittwunde, selbst zu behandeln, so sei das auch beim Tier möglich. Plötzlicher Durchfall sei in der Regel kein Notfall, wohingegen Augenverletzungen bei Mensch wie bei Tier stets eine schnelle Behandlung erfordern, führt die Tierärztin als Beispiele an.

Ist der Tierbesitzer unsicher, hilft die neue Notfallrufnummer. Am Telefon erfährt man nicht nur, welcher Tierarzt gerade im Dienst ist, sondern erhält auch Hilfestellung bei der Einschätzung der Lage. Grunder betont, wie wichtig es sei, den Anruf zu tätigen und nicht aufs Geratewohl mit dem kranken Tier loszufahren. Nur so könne garantiert werden, dass Patient und Besitzer auch dort ankommen, wo schnellstmöglich geholfen wird. Wie beim Notruf für Menschen, sei es auch hier hilfreich, sich vor dem Anruf über die wichtigsten Fragestellungen im Klaren zu sein: Welches Tier ist betroffen? Was genau ist geschehen? Welche Symptome zeigt das Tier? Wo befindet man sich? Konkrete Informationen helfen dem Tierarzt am Telefon, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen.

An den regulären Sprechzeiten der beteiligten Tierarztpraxen ändert sich durch den neuen Notfalldienst nichts. Die Mehrbelastung teilen die Tierärzte im etwa sechswöchigen Wechsel untereinander auf.

Um sich als Tierhalter zu informieren, bevor ein Notfall eintritt, empfiehlt Anne Grunder das Blog des bekannten Tiermediziners Ralph Rückert (https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/index.php). Dort seien unzählige hilfreiche Artikel zu finden.