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Thorsten Albrecht, Betreiber der Eventhalle in Zweibrücken, über Existenzkampf in Corona-Krise.

Corona-Krise : „Jeder kämpft für sich allein“

Thorsten Albrecht, Betreiber der Eventhalle, versucht sich in der Corona-Krise zu behaupten. Er prognostiziert: Wenn ab September immer noch keine großen Veranstaltungen möglich sind, gebe es in der Künstlerszene ein „Massensterben“.

Die Zeiten sind hart. So hart, dass es an die Existenz geht. Auch für viele Kulturschaffende. Das macht Thorsten Albrecht deutlich. Der Zweibrücker ist Betreiber der Eventhalle auf dem Flugplatz-Gelände, einer der wichtigsten Kulturadressen der Rosenstadt.

Vor Corona hatte Albrecht praktisch jedes Wochenende Konzerte in der Eventhalle. Seit Mitte März, als in Deutschland quasi das öffentliche Leben eingefroren wurde – und damit auch Konzerte abgehakt waren – steht die Eventhalle einsam und verlassen am Flugplatz. Seit zwei Monaten schon herrscht Tristesse pur an einem Ort, an dem sonst im Überschwang gefeiert wird.

„Die Konzerte konnte ich fast alle in die Zeit ab September verlegen“, erklärt Albrecht. Einige habe er aber auch absagen müssen, weil manche Musiker nur im März, April oder Mai in Zweibrücken hätten auftreten können.

Und: Die Eventhalle ist nicht nur ein Ort für Konzerte. Albrecht vermietet sie auch an Private für Hochzeiten oder Jubiläen. Der Zweibrücker schätzt, dass diesbezüglich bereits 25 bis 30 Veranstaltungen storniert wurden

Das geht ins Geld. Albrecht räumt unumwunden ein: „Ich habe die Soforthilfe des Bundes in Anspruch genommen.“ 9000 Euro, abhängig von Geschäftszahlen, überweise der Bund. Diese Hilfe sei aber nur dafür gedacht, laufende Kosten zu decken. „Das muss belegt werden. Die Soforthilfe muss auch versteuert werden“, sagt Albrecht.

Aber dieses Geld habe nicht gereicht. „Ich habe auch meinen Dispo erhöht“, merkt er an. Seine Hausbank habe sich kooperativ gezeigt, sie wolle ihm dabei helfen, durch die Corona-Krise zu kommen.

Es seien außergewöhnlich schwierige Umstände, er habe sich das nie vorstellen können, einmal eine solche Situation zu erleben.

Auch andere Kulturschaffende seien gebeutelt, wie Dominosteine reißt eine Existenz in Not eine andere mit. Albrecht nennt ein Beispiel: „Wenn eine Band bei uns in der Eventhalle auftreten will und keine eigenen Tontechniker mitbringt, mieten wir die an.“ Albrecht greife für diesen Fall auf zwei Haustechniker zurück, Selbständige wie er selbst.

Nur: Keine Konzerte – keine Aufträge für die Haustechniker. Ähnlich sei es beim Thema Beschallung. Auch hier gebe es Spezialisten, die nun auf dem Trockenen säßen.

„Gerade in unserer Branche gibt es viele solche kleinen Einzelkämpfer, Selbständige.“

Hat Albrecht schon von Insolvenzen in unserer Region gehört? „Nein, das bekomme ich nicht mit“, sagt der Zweibrücker. Alle fokussierten sich darauf, den eigenen Kopf über Wasser zu halten. „Jeder kämpft für sich allein“, macht er die angespannte Lage deutlich.

Albrecht sagt, er habe Verständnis dafür, wenn große Veranstalter, wie etwa das Unternehmen Eventim, sich für Gutscheinlösungen einsetzten. Sprich, im Falle einer Konzertabsage dem Kunden einen Gutschein in Höhe des Wertes der Konzertkarte geben wollen, statt ihm den Betrag bar auszubezahlen.

„Bei den Konzerten, die ich in den September verlegt habe, ist es so, dass die bereits gekauften Tickets ihre Gültigkeit behalten. Wer mit der Verlegung nicht einverstanden war, hat sein Geld natürlich zurückbekommen – wenn die Karten direkt bei mir gekauft wurden und nicht bei einer Vorverkaufsstelle“, erklärt der Eventhallen-Betreiber.

Was Albrecht besorgt, sind die rechtlichen Unsicherheiten darüber, wie und wann es mit Veranstaltungen endlich weitergehen kann. Die rheinland-pfälzische Landesregierung habe darauf hingewiesen, dass Groß-Veranstaltungen bis 31. August untersagt sind.

Aber vielleicht dürften schon vorher in etwas kleinerem Rahmen wieder Konzerte stattfinden, hofft Albrecht. „Wenigstens mit 200 oder 300 Zuschauern – das würde schon helfen“, so sein Wunsch.

Mittlerweile lockert die Mainzer Ampelregierung die strengen Corona-Regeln etwas. Seit 27. Mai dürfen unter freiem Himmel Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen durchgeführt werden, ab 10. Juni dürfen es gar 250 sein.

Für Veranstaltungen in Gebäuden, wie etwa in der Eventhalle, gilt aktuell: Ab 10. Juni dürfen maximal 75 Personen zusammenkommen, ab 24. Juni maximal 150.

Das sind zwar Lockerungen – aber immer noch ein gutes Stück von dem entfernt, was sich Eventhallen-Chef Albrecht erhofft.

Er hofft, dass ab September wieder reguläre Konzerte möglich sind. „Im September müssen wir aufmachen. Da müssen auch die anderen aufmachen. Sonst gibt das ein Massensterben in der Kultur-Szene. Viel länger hält das keiner durch“, macht er den Ernst der Lage deutlich.

Immerhin hat Albrecht noch sein Café Pastis in der Maxstraße. Dieses Bistro darf er mittlerweile wieder öffnen, seit 13. Mai dürfen die Wirte wieder Gäste empfangen. Eine kleine Hilfe für Albrecht.

Und noch etwas gibt ihm Hoffnung: das geplante Konzert der Schnappergang, das als Unterstützung für den Eventhallen-Chef gedacht ist (wir berichteten). Albrecht freut sich: „Obwohl das Konzert noch gar nicht terminiert werden kann, sind mittlerweile 150 Karten verkauft. Das läuft gut“, ist er dankbar für diese Solidarität.