„Thomas Blug’s Bluesanarchie“ in Zweibrücken Toller Auftakt: Neue Konzertreihe in Alter Feuerwache

Zweibrücken · „Thomas Blug’s Bluesanarchie“ gastierte beim ersten „Corner“ im neuen Zweibrücker Multifunktions- und Kulturzentrum.

 Harmonierten unheimlich gut als Trio, obwohl die Band nicht probt und deshalb Absprachen live auf der Bühne getroffen werden mussten: Rudi „Gulli“ Spillner (Bass), Tommy Fischer (Schlagzeug) und Thomas Blug (Gitarre).

Harmonierten unheimlich gut als Trio, obwohl die Band nicht probt und deshalb Absprachen live auf der Bühne getroffen werden mussten: Rudi „Gulli“ Spillner (Bass), Tommy Fischer (Schlagzeug) und Thomas Blug (Gitarre).

Foto: Sebastian Dingler

Blues oder Rock? Das war die Frage für manche der 130 Zuschauer, die am Freitagabend zu „Thomas Blug’s Bluesanarchie“ in die Zweibrücker Alte Feuerwache gekommen waren. Der wohl beste saarländische Rockgitarrist Blug war nämlich in gleicher Konstellation, also mit Rudi „Gulli“ Spiller am Bass und wechselnden Schlagzeugern, immer unter dem Namen „Rockanarchie“ aufgetreten. Außerdem macht er keinen Hehl daraus, dass für das Trio so etwas wie Proben auf keinen Fall in Frage kommt.

Wie gelang da also der Wechsel vom Rock zum Blues? Antwort: Per Definition! Denn eigentlich basiert die Rockmusik ja auf dem Blues. Gerade Blugs atemberaubende Soli enthielten viel von dem, was die berühmten Bluesgitarristen B. B. King, Robert Johnson, John Lee Hooker, Stevie Ray Vaughan oder Peter Green einst in die Welt setzten. Egal, ob er sie nun während eines Songs spielte, der eher als Rockmusik empfunden wird, oder in „echten“ Blues-Stücken.

Natürlich legte das Trio mehr Wert auf die bluesrockigen Stücke von Deep Purple oder ZZ Top, auch wenn da mal ein Soul-Song wie Superstition erklang. Mit „Oxygene“ und „Popcorn“ spielte Blug sogar mal die Melodien zwei Synthesizer-Hits an. Dennoch kamen Bluesfans auf ihre Kosten bei dem abwechslungsreichen Abend. Die titelgebende „Anarchie“ der Band bedeutet, dass während eines Auftritts sehr viel spontan passieren kann. Dazu waren viele Gesten und Blickkontakte nötig. Häufig wandten sich Blug und Spiller zu Schlagzeuger Tommy Fischer, um die nächste Wendung oder den nächsten Schluss auszubaldowern. Dachte man, ein Stück sei vorüber, stimmte Blug manchmal wieder eines der vielen Riffs an, die er im Schlaf beherrscht.

Gerne spielte die Band auch sogenannte Mashups, also Collagen aus verschiedenen Songs: Auf ZZ Tops „Shard Dressed Man“ folgte Van Halens „Jump“, ehe Henry Mancinis Thema des rosaroten Panthers erklang. Oxygene ging dann über in Deep Purples „Black Night“ und endete in „Walkin’ by Myself“, einem Blues von Jimmie Rodgers, dem Gary Moore zu einiger Bekanntheit verholfen hat. Und am Ende landete man wieder bei ZZ Top. Anarchisch eben.

Zu einem seiner größten Idole, Gary Moore, erzählte Blug einige Anekdoten – die beiden sind sich bisweilen auf Musikmessen begegnet. Da verwunderte es ein wenig, dass Spiller erzählte, dass Blug die schöne Moore-Ballade „Story of the Blues“ gar nicht gekannt haben soll. Die wurde also ungeprobt und nahezu fehlerfrei uraufgeführt – so was klappt natürlich nur, wenn man ein langjährig eingespieltes Team wie Spiller und Blug ist.

Schlagzeuger Fischer war aber auch zu bewundern, wie er den verrückten Ideen der beiden in Sekundenbruchteilen folgte. Der Mann aus der Nähe von Fulda gehört der Band von Miller Anderson an, einem schottischen Woodstock-Veteranen, der immer noch aktiv ist.

Um Blug richtig einzuordnen muss man wissen, dass der Saarbrücker einmal um ein Haar in die Band von Marius Müller-Westernhagen eingestiegen wäre. Ansonsten war er Mitglied der Rainbirds oder ging auf Tour mit Purple Schulz und Tic Tac Toe. 2004 gewann er den europaweiten Wettbewerb zum fünfzigsten Geburtstag der Fender Stratocaster-Gitarre. Seine größten Auftritte hatte er im Vorprogramm von Sting oder Michael Jackson mit 10 000 Zuschauern. Aber auch wenn er in Zweibrücken vor etwa 130 Zuschauern spielte, hat man bei ihm immer das Gefühl, dass er alles gibt. Nicht nur, weil er sein Publikum schätzt und umgekehrt – manche seien sogar 300 Kilometer weit gefahren für ihn, erzählte Blug. Sondern weil er die Gitarre liebt. Das äußert sich bei ihm auch in seiner technischen Ader: Blug baut und verkauft kleine Verstärker mit einem riesigen Sound. In der Alten Feuerwache verzückte er die Zuhörer mit seiner immensen Bandbreite des Solospiels: Von lyrisch-zart bis rockig-verzerrt war da alles dabei. Die Feinheiten sind es, die ihn von den meisten anderen Gitarristen abheben. Nichts wirkte da unüberlegt oder willkürlich, jeder Ton besaß eine eigene Klangfarbe wie bei einem guten Sänger – und genau das war der Eindruck: Blug ließ die Gitarre singen. Das Publikum dankte es ihm am Ende mit stehenden Ovationen.

Wie Konzertveranstalter Jürgen Krewer und der Zweibrücker Kulturamtsleiter Thilo Huble zu Beginn angekündigt hatten, war das Konzert das erste einer Reihe, die als sogenannte Corners angeboten werden. Die Bluesanarchie liefert den Blues Corner, es soll aber auch mal Jazz Corners oder Pop Corners geben. Soundspezialist Blug zeigte sich sehr angetan vom Klang der kürzlich generalsanierten Halle – man darf sich also auf weitere Corners freuen. Der Multifunktionssaal wird hauptsächlich tags vom benachbarten Helmholtz-Gymnasium genutzt, steht abends und an Wochenenden aber für Kultuveranstaltungen zur Verfügung.

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