1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Taubenhaus und Tauben-Fütterverbot in Zweibrücken

Fütterverbot wird oft missachtet – Erste Bußgelder : Trotz Taubenhaus noch massenhaft Tauben in der Innenstadt

Die neue Bleibe im Turm der Alexanderskirche sollte eigentlich die Zahl der Vögel in der City verringern. Das klappt aber bislang nicht – weil zu viele Menschen das Taubenfütter-Verbot auf Straßen und Plätzen ignorieren. Das schade auch dem Tierwohl, erklärt die Stadt. Sie plant eine Aufklärungskampagne – und verhängt erste Bußgelder. Die können empfindlich hoch sein.

Mit dem Anfang Dezember eröffneten „Taubenhaus“ im Turm der Alexanderskirche wollte die Stadt Zweibrücken etwas für den Tierschutz tun – und dafür sorgen, dass weniger Tauben Häuser verkoten und Menschen in der Innenstadt belästigen. Der zweite Teil dieser beiden Ziele allerdings ist offensichtlich noch nicht erreicht.

Im Gegenteil: Nach Eindruck des seit über 25 Jahren in Zweibrücken tätigen Merkur-Reporters sind größere Tauben-Ansammlungen denn je in der City zu beobachten.

Zwei Erlebnisse kurz vor Weihnachten: Als unser Reporter die Sparkasse verlässt, fühlt er sich wie im Hitchcock-Horrofilm „Die Vögel“: Ein riesiger Schwarm Tauben fliegt über den Schlossplatz Richtung Treppe vor der Sparkasse, eine Taube nach der anderen zischt im Zentimeterabstand am Reporter vorbei. Statt zum Handy zu greifen, um ein Foto zu machen, denkt der Reporter lieber an sich als die Zeitung und reißt die Hände hoch, schützend vor den Kopf. Es bleibt nur, die Tauben-Zahl ganz grob abzuschätzen: Hunderte. Einen Tag später bleibt Zeit zum Fotografieren: Vom ZOB kommend, sind vor der Alexanderskirche und am Übergang vom Alexanderplatz in die Kern-Fußgängerzone Hauptstraße ebenfalls Tauben in hoher dreistelliger Zahl zu sehen, die fliegen und überwiegend am Boden sitzen. Vorsichtig nähert sich der Reporter, um sich einen Weg zurück in die Redaktion zu bahnen und dabei Fotos zu schießen. Auch in den nächsten Tagen sind immer wieder größerer Tauben-Ansammlungen in der City zu beobachten. Manchmal ist ausgestreutes Futter zu sehen, manchmal nicht (ob keins da war, oder es schon aufgefuttert war, ist unklar). Auch auf den Dächern von Gewobau und Nachbarhäusern auf der gegenüberliegenden Seite des Alexandersplatzes waren nicht weniger Tauben zu sehen als vor Eröffnung des Taubenhauses gegenüber im Kirchturm.

Aber womöglich täuscht der Eindruck des Redakteurs, dass das Taubenhaus zumindest in den ersten Wochen sein Ziel noch nicht erreicht hat? Welche Erfahrungen sind der Stadtverwaltung seit Eröffnung des Taubenhauses mit diesem generell bekannt, wie stark wird dieses bereits von Tauben angenommen? Gibt es seit der Eröffnung Anfang Dezember mehr oder wie erhofft weniger Tauben im Stadtbild?

Der Merkur hat diese und weitere Fragen an die Stadt gestellt. Erste Antworten gab die zuständige Beigeordnete Christina Rauch (CDU) telefonisch, zwischen den Jahren folgte eine ausführliche E-Mail der Pressestelle. Darin heißt es: „Nach den der Stadtverwaltung vorliegenden Informationen wurde das Taubenhaus sehr gut angenommen. Zurzeit leben schon circa 50 Tauben im Zweibrücker Taubenhaus. Seit Eröffnung des Taubenschlages Anfang Dezember 2022 konnte die Stadt weder eine Zunahme noch Abnahme der Taubenzahl beobachten.“

 Im Turm der Alexanderskirche wurde Anfang Dezember das erste Zweibrücker Taubenhaus eingerichtet.
Im Turm der Alexanderskirche wurde Anfang Dezember das erste Zweibrücker Taubenhaus eingerichtet. Foto: Stadt Zweibrücken

Wie viele Tauben leben nach Schätzung der Stadt in Zweibrücken? „Die Stadt nimmt zurzeit in der Innenstadt eine Erhebung der Stadttaubenpopulation vor.“ Rauch sagt zu ihren Beobachtungen: „Die Tauben-Population ist in der Corona-Zeit schon hochgegangen.“

Die Stadt hat ja in der Taubenhaus-Eröffnungs-Pressemitteilung appelliert, nicht mehr zu füttern. Ist geplant, dies nun verstärkt zu kontrollieren? Denn auch damit das Taubenhaus angenommen wird, hatte der Stadtrat ja die Zweibrücker „Gefahrenabwehrverordnung“ verschärft, bereits seit 1. Juli 2022 gilt nun ein Taubenfütterverbot auf öffentlichen Straßen und Plätzen.

Ordnungsdezernentin Christina Rauch sagt: „Es ist wirklich wichtig, dass nicht gefüttert wird! Das Taubenhaus kann nur dann funktionieren.“ So habe es in der Nachbarstadt Pirmasens früher durch von Bürgern ausgestreutes Futter das Problem gegeben, „dass die Tauben woanders essen und im Taubenhaus nisten“.

Ausführlich schreibt dazu die Stadt-Pressestelle: „Die Stadt Zweibrücken bittet nachdrücklich die Bürgerinnen und Bürger sowie Besucherinnen und Besucher, sich an das Fütterungsverbot von wildlebenden und herrenlosen Tieren zu halten. Dies ist im Fall der Stadttauben auch wichtig, um die Annahme des Taubenhauses durch die Tiere zu ermöglichen.“

Das aber funktioniert noch nicht wie gewünscht, bedauert die Stadt: „Leider ist es so, dass Bürgerinnen und Bürger weiterhin wildlebende und herrenlose Tiere füttern.“

Deshalb solle es eine Informations-Offensive geben: „Bezüglich des gemeinschaftlichen Tierschutzes sind hierzu weitere Bekanntmachungs-, Sensibilisierungs- und Aufklärungsmaßnahmen in Planung. Zum Beispiel werden Hinweistafeln mit Erläuterungen zum Fütterungsverbot und Blick auf den Tier- und Umweltschutz an exponierten Stellen im Stadtgebiet aufgestellt. Denn das Fütterungsverbot wurde gerade vor dem Hintergrund des Tier- und Umweltschutzes ausgesprochen. Wirksamkeiten werden sich voraussichtlich erst nach einem entsprechenden Zeitraum darstellen.“

Was passiert, wenn städtische Ordnungskräfte Menschen beim Taubenfüttern erwischen? Bekommen sie zunächst nur freundliche Hinweisen – oder gleich eine Geldbuße? Wie viele Verstöße gegen das seit Juli geltende Fütterverbot sind dokumentiert?

Die Pressestelle antwortet: „Insgesamt wurde zwölf Verstöße festgestellt und in zehn Fällen die Personen belehrt. In zwei Fällen ist das Ordnungswidrigkeiten-Verfahren noch in Bearbeitung und mithin auch noch nicht abgeschlossen. Daher wurde auch noch kein Bußgeldbescheid erlassen.“

Falsch verstandene Tierliebe: Taubenfutter unter einem Weihnachtsbaum am 22. Dezember in der Fußgängerzone. Das kann seit Juli eine Geldbuße kosten.
Falsch verstandene Tierliebe: Taubenfutter unter einem Weihnachtsbaum am 22. Dezember in der Fußgängerzone. Das kann seit Juli eine Geldbuße kosten. Foto: Lutz Fröhlich

Wie hoch sind die Geldbußen, die Taubenfütternden nun drohen? Die Stadt mailt auf diese Frage: „Nach § 5 Abs. 2 der Gefahrenabwehrverordnung kann den Ordnungswidrigkeiten von mündlichen Belehrungen bis zu Bußgeldern mit bis zu 5000 Euro entgegnet werden.“ Die jeweilige Maßnahme und Höhe für die einzelnen Verstöße seien von verschiedenen Faktoren abhängig: „Einmal vom Grad der Vorwerfbarkeit, vom persönlichen Verhalten der beziehungsweise des Beschuldigten (Fahrlässigkeit oder Vorsatz) und deren beziehungsweise dessen wirtschaftlichen Verhältnissen.“

Bei „Kontrollen, Belehrungen und Ahndungen“ sei der Stadt „die Verhältnismäßigkeit wichtig“. Ein Beispiel: „Wenn zum Beispiel ein Kind sein Pausenbrot mit einer Wildente teilt, wird dies ausdrücklich nicht als Ordnungswidrigkeit verfolgt.“

„Allerdings“, betont die Stadt im nächsten Satz, „was gut gemeint ist und Freude bereitet, entpuppt sich als schädlich für Tiere und Gewässer“. Denn: „Brot ist keine artgerechte Nahrung, die Wasservögel leiden oft an Überfütterung und können auch aufgrund des Futters krank werden. Weitere Punkte ließen sich anführen bis hin zur Überbevölkerung. Auch die Gewässer nehmen Schaden: Futterreste und vermehrte Kotausscheidung der Tiere führen zur Überdüngung der Gewässer. Am Ufer angeschwemmt Reste ziehen zudem weitere Tiere an. Sicherlich ist es nicht so, dass das eine verfütterte Brötchen oder die eine Scheibe Brot, Tiere krank machen oder das Gewässer zum Umkippen bringen. Doch in der Summe können sich die geschilderten Folgen ergeben. Deshalb sollte jeder Einzelne von uns Vorbild sein und darauf verzichten. Dies wird in den angesprochenen Bekanntmachungs-, Sensibilisierungs- und Aufklärungsmaßnahmen den Bürgerinnen und Bürgern noch näher dargestellt werden.“

Es kann subjektiv schon beunruhigend sein, wenn man sich vorsichtig Tauben nähert und diese dann plötzlich in hohem Tempo einem knapp am Kopf vorbeifliegen. (Foto vom 21.12.2022 in der Zweibrücker Fußgängerzone neben dem Alexandersplatz.)
Es kann subjektiv schon beunruhigend sein, wenn man sich vorsichtig Tauben nähert und diese dann plötzlich in hohem Tempo einem knapp am Kopf vorbeifliegen. (Foto vom 21.12.2022 in der Zweibrücker Fußgängerzone neben dem Alexandersplatz.) Foto: Lutz Fröhlich

Christina Rauch erinnert im Telefonat mit dem Merkur, der Taubenhaus-Eröffnung seien zweijährige Gespräche vorausgegangen. „Ich bin Dekan Peter Butz sehr dankbar, dass das im Kirchturm eingerichtet werden durfte – das will ja nicht jeder.“ ie hoffe, dass die ehrenamtliche Betreuung durch den Verein „Zweibrücker Stadttaubenhilfe“ weiter so gut klappe wie bisher, sagt Rauch auf die Merkur-Frage nach Erfahrungen in anderen Städten, wo sich für das Austauschen der Eier und Säubern der Anlage nach anfänglichem Enthusiasmus teils zu wenig Helfer fanden.

Rauch betont, das auch dem Tierwohl dienende Taubenhaus könne nur als „Gemeinschaftsaufgabe“ erfolgreich sein. Nicht nur bezüglich des Fütter-Verzichts auf den Straßen: „Hausbesitzer sollten sich Gedanken machen: Ist mein Haus verschlossen, oder kann man Lücken dichtmachen, damit Tauben nicht mehr hinkommen.“ Deshalb habe zum Beispiel die Gewobau in ihrer Zentrale die vorgebauten Banner entfernt (wir berichteten).