Tag der offenen Tür

Nach dem Seeräuber-Setting in „Black Flag“ begibt sich die „Assassin's Creed“-Reihe mit „Unity“ wieder aufs Festland. Ins Paris des Jahres 1789.

Man hört viel Gutes über die Gastfreundschaft der Franzosen (jedenfalls in der Fernseh-Werbung): Da werden Wildfremde zu Rotwein und Käse eingeladen, die Sonne scheint, die Tochter des Hauses lächelt verführerisch. Glaubt man den Entwicklern des aktuellen Teils von Ubisofts Meuchelmörder-Serie "Assassin's Creed", "Unity", war der Franzose 1789 noch viel offener: Tür und Tor ließ er rund um die Uhr offen stehen. Fremde, die durchs Fenster hereingesegelt kamen und zur Haustür wieder heraushasteten, wurden nicht einmal scheel angeguckt. Keiner hetzte dem mysteriösen Besucher die Polizei auf den Hals.

Es kann natürlich sein, dass die Pariser in diesen Tagen andere Sorgen hatten: "Unity" spielt, Geschichtskundige werden es sich schon anhand der Jahreszahl 1789 gedacht haben, zur Zeit der französischen Revolution. Die Seine-Metropole dieser Tage haben die Designer mit einer beeindruckenden Akribie nachgebaut. Sei es die Bastille oder die Kathedrale Notre Dame, seien es die großen und kleinen, die luxuriösen und schäbigen Häuser und Plätze dazwischen. In den Gassen tummeln sich Abertausende von Parisern, die ihren Alltagsgeschäften nachgehen, am Zustand der Straße lässt sich mit fortschreitender Spielzeit der Fortgang der Revolution ablesen: Transparente werden aufgehängt, Barrikaden gebaut, Parolen geschrien. Allein mit dem Erkunden der Stadt und mit dem Absolvieren von Nebenaufträge kann man sehr viel Zeit verbringen. Die Nebenaufträge bieten das, was man von der Serie gewohnt ist: Schatzkisten öffnen, Gegenstände einsammeln, Mordaufträge abarbeiten. Unschön: Manche Kiste kann im Spiel nicht geöffnet werden. Dazu muss man eine - kostenlose - Smartphone-App zum Spiel installieren und sich dort durch diverse Minispielchen klicken. Noch schlimmer ist der Versuch, dem Spieler penetrant Zusatzinhalte anzupreisen, die er mit echtem Geld kaufen muss.

Dieses Problem tritt allerdings nur sporadisch auf. Was an den Nerven zerrt, ist die Steuerung. In all den Serienteilen ist es den Entwicklern nicht gelungen, eine wirklich flüssige Steuerung der Spielfigur, hier heißt sie Arno, zu gewährleisten. Wenn der Held hinter seiner Geliebten Elise herschleicht, fiese Templer jagt und nebenbei noch diverse Highlights der Revolution erlebt, kommt immer wieder dieser Moment, wo der Fluss stoppt: Arno weigert sich, die Wand hochzuklettern, klebt im neuen Schleichmodus in der Deckung fest, bleibt wie angewurzelt vor dem offenen Fenster stehen, klettert auf einen Marktstand, statt daran vorbeizulaufen, und, und, und. Vor dem Hintergrund fällt es noch unangenehmer auf, dass die Gegner offensichtlich über einen Röntgenblick verfügen und Musketenschützen Arno gerne mit tödlicher Präzision aufs Korn nehmen.

Wenn angesichts solcher Erlebnisse der Frust einmal überhand nehmen sollte, gibt es nur eine Therapie: Notre Dame besteigen. Die Kirche sieht bis zur letzten Dachpfanne fantastisch aus. Dann vom Turm ein Blick über die Stadt und die ameisengleichen Menschenmassen - und alles ist wieder gut.

Wertung (Schulnote): 2-