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Tafel in Zweibrücken ist auch in der Krise für Bedürftige da

Helfer versorgen insgesamt 400 Menschen : Tafel ist auch in der Krise für Bedürftige da

Seit 18 Jahren ist die Tafel in Zweibrücken für Menschen in Not da. Auch in Zeiten von Corona. Natürlich macht die Pandemie es den derzeit 33 Helfern nicht leichter. Aber mit hoher Motivation packen sie an. Und achten darauf, dass niemand zu kurz kommt.

Das Kind feiert demnächst 18. Geburtstag. Aber die Eltern denken noch lange nicht daran, es aus ihrer Obhut zu entlassen. Die „Eltern“, das sind Annette Peetz und Edda Benien. Und das Kind, das ist die Zweibrücker Tafel.

Die beiden Damen sind Gründungsmitglieder der Tafel, die im November 18 Jahre alt wird. Peetz und Benien sind von Anfang an dabei. Eine lange Zeit. Aber die Motivation ist ungebrochen, wie ein Besuch zeigt.

In der Canadasiedlung, Canadastraße 32, ist die Tafel zuhause. Das Bistum Speyer bildet das Dach, als Träger zuständig ist die Pfarrei Heilig Kreuz.

Für die organisatorischen Fragen der Tafeln, für das Einsammeln der Lebensmittel und deren Ausgabe an Bedürftige ist ein Quartett verantwortlich: neben den Gründungsmitgliedern Peetz und Benien sind das Rudi Knoll und Hans Ripperger.

Dem Viererteam geht die Arbeit auch in der Corona-Krise nicht aus. Denn Not herrscht immer, machen Peetz und Benien im Gespräch mit dem Merkur deutlich. Niedrige Renten oder Gehälter, die kaum für ein menschenwürdiges Leben reichen, gab es bereits, als das Wort „Corona“ in Deutschland noch niemand kannte. Und jetzt, in der Krise, ist die Situation für die Bedürftigen natürlich nicht besser geworden. Peetz und Benien nennen sie „Kjnden“. Nomen est omen: Das Wort „Kunde“ soll eine Wertschätzung vermitteln, der Mensch hat auch dann einen Wert, wenn er nichts auf dem Konto hat.

„Aktuell haben wir 33 Helfer“, sagt Peetz, „in der Spitze waren wir auch schon mal 40.“ Aber in der Corona-Krise bekam der eine oder andere ältere Helfer Angst, er könne sich infizieren, manche blieben lieber zuhause und dafür habe man Verständnis, betonen Peetz und Benien. Alle arbeiten ehrenamtlich, nur die Reinigungskräfte erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung.

Die Tafel lebt von Spenden und Sponsoren, mittlerweile beteiligen sich nahezu alle Händler in Zweibrücken und geben Lebensmittel, die sie nicht mehr verkaufen können, die kurz vor dem Ablauf stehen, an die Helfer aus. „Und die Gewobau überlässt uns die Räume in der Canadstraße zu einem symbolischen Preis“, lobt Peetz.

Zum 1. Juli verzeichnete die Zweibrücker Tafel 101 Kunden. „Wobei hinter diesen 101 Kunden insgesamt rund 400 Personen stehen, Ehepartner und Kinder“, sagt Peetz.

Zur Tafel kommen nicht nur Senioren mit einer armseligen Rente oder Berufstätigte mit einem Gehalt, das mehr ein Abspeisen ist denn ein echter Lohn. Auch Flüchtlinge greifen dankbar zu. Benien schätzt, dass die Deutschen inklusive den sogenannten Russlanddeutschen zirka 60 Prozent ausmachen, die restlichen 40 Prozent seien Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan beziehungsweise aus dem arabischen Raum, wobei hier teils unklar sei, woher sie genau kämen.

Eines ist klar: Viele würden gerne öfter als einmal in der Woche das Angebot der Tafel nutzen. Aber Peetz betont: „Wir machen das sehr gerne. Alleine schon wegen des christlichen Fundamentes, das uns trägt. Aber wir können und wollen den Staat nicht aus der Verantwortung lassen.“

Dieser würde es sich womöglich noch einfacher machen, würden Einrichtungen wie die Tafel jeden Tag öffnen. Manch ein Politiker kämen dann vielleicht – provokativ formuliert – auf die Idee, man bräuchte bald gar keine Rente mehr zu zahlen. Die Tafeln und andere Vereine stehen doch jeden Tag parat!

Daher wird nur einmal die Woche verteilt: immer donnerstags ab 14.45. In Zeiten von Corona verläuft das strenger als sonst. Striche auf dem Boden, die auf den Abstand hinweisen, sind zu beachten, es gilt Maskenpflicht, die Helfer lüften permanent. „Das klappt in der Corona-Krise sehr gut. Es gibt wenig Reibungspunkte, die Kunden halten sich an die Vorgaben“, sagt Benien.

Jeder muss seine Bedürftigkeit nachweisen, etwa über amtliche Schreiben. „Nur beim ersten Besuch eines neuen Kunden akzeptieren wir, wenn er ohne diese Papiere kommt“, sagt Peetz. Die Helfer müssen auf die Einhaltung von Regeln achten. Sonst gäbe es irgendwann Chaos. Niemand kann sich einfach Lebensmittel herausgreifen, alles wird zugewiesen.

Wenn die Schlange einmal besonders lang ist, müssen die Helfer genau darauf achten, dass jeder etwas bekommt. Jedem gegenüber gerecht zu sein, auch in den kleinsten Dingen, darauf zu achten, dass nicht manche fast alles bekommen und die anderen so gut wie nichts: Das ist das Leitmotiv für die Helfer der Tafel. Der Staat könnte sich ein Beispiel daran nehmen!