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Tadano Demag reicht Sanierungsplan in Zweibrücken ein und plant Insolvenzverfahren

Größter Arbeitgeber Zweibrückens kündigt Insolvenzverfahren-Eröffnung für Januar an, blickt aber trotzdem optimistisch auf 2021 : Tadano reicht Sanierungsplan bei Gericht ein: Stellenabbau, aber alle Werke bleiben erhalten

Das Insolvenzverfahren soll Anfang Januar eröffnet werden. Die Produktion läuft 2021 aber weiter. Geplant ist eine „Restrukturierung des Unternehmens in allen wesentlichen Bereichen“, unter anderem um Synergieeffekte zwischen Demag in Zweibrücken und Faun in Lauf zu stärken. Wie viele Arbeitsplätze verloren gehen, wird erst im Januar verraten. Für Kunden gibt es keinerlei Nachteile, verspricht der Kranbauer. 2021 führe man neue Produkte ein.

Der größte Arbeitgeber in Zweibrücken, Tadano Demag, steht offenbar vor einem größeren Stellenabbau. Wie sich bereits durch das Anfang Oktober eingeleitete Schutzschirmverfahren angedeutet hatte, ist für Anfang Januar nun die Eröffnung eines regulären Insolvenzverfahrens geplant. Allerdings in Eigenregie – und mit der klaren Stoßrichtung, das Unternehmen nicht abzuwickeln, sondern zukunftsfest aufzustellen.

Unter der Überschrift „Neuausrichtung von Tadano Demag und Tadano Faun nimmt konkrete Züge an“ hat Tadano am frühen Mittwochmittag eine ausführliche Pressemitteilung versandt, nachdem der Sanierungsplan beim Amtsgericht Zweibrücken eingereicht wurde.

„Die Tadano Demag GmbH und Tadano Faun GmbH, Hersteller vielseitiger All-Terrain- und Raupenkrane, haben in der Neuausrichtung der Unternehmen einen wichtigen Meilenstein erreicht“, beginnt die Mitteilung: „Heute, am 23.12.2020 hat die Geschäftsführung den Sanierungsplan beim Amtsgericht Zweibrücken eingereicht. Im nächsten Schritt wird voraussichtlich Anfang Januar 2021 das Insolvenzverfahren für Tadano Demag und Tadano Faun eröffnet. Dies entspricht der üblichen Verfahrensweise eines Schutzschirmverfahrens, demensprechend verläuft die Restrukturierung der Unternehmen wie geplant.“ (Bei Tadano Faun in Lauf an der Pegnitz werden All-Terrain-Krane produziert.)

„Die Unternehmen werden auch in der zweiten Phase des Schutzschirmverfahrens selbstständig von der Geschäftsführung unter der Leitung von Jens Ennen geführt“, betont Tadano. „Als Generalbevollmächtigter (CRO) wird Rechtsanwalt Martin Mucha, erfahrener Sanierungsexperte der Kanzlei Grub Brugger, dem Management im Zuge des Schutzschirmverfahrens weiterhin eng zur Seite stehen. Darüber hinaus wird Arndt Geiwitz, ein weiterer renommierter Sanierungsexperten der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz & Partner wie gehabt, als (vorläufiger) Sachwalter von Tadano Demag und Tadano Faun agieren.“

Nach der voraussichtlichen Verfahrenseröffnung im Januar 2021 werde die Umsetzung des Sanierungsplans unter dem Schutz der Insolvenzordnung beginnen. Ein weiterer wichtiger Schritt im Prozess wird der Erörterungs- und Abstimmungstermin mit der Gläubigerversammlung sein, den das Gericht voraussichtlich Mitte/Ende Februar 2021 abhalte. „Die Geschäftsführung geht aktuell davon aus, das Schutzschirmverfahren wie geplant zum Ende des ersten Quartals 2021 verlassen zu können.“

Zum Inhalt des Sanierungsplans verrät die Tadano-Pressemitteilung noch keine Details. Betont wird aber: „Der Plan sieht eine Restrukturierung der Unternehmen in allen wesentlichen Bereichen vor. Die wichtigsten Eckpunkte sind die organisatorische Neuausrichtung, Verbesserung der Wirtschaftlichkeit sowie die Modernisierung und Optimierung des Produktportfolios. Ein Großteil der Maßnahmen zielt darauf ab, die Abläufe zwischen den beiden Standorten Zweibrücken und Lauf noch besser aufeinander abzustimmen und effizientere Prozesse zu implementieren. Durch die bessere Nutzung von Synergien ergibt sich ein großes Potential die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Zudem soll den Kunden zukünftig ein deutlich breiteres und vollständigeres Portfolio an Hebezeuge-Lösungen zur Verfügung stehen, das noch mehr Flexibilität auch bei größeren Paketangeboten schafft. Das Kundenerlebnis soll gesteigert werden.“ Bereits in den nächsten Monaten werde „eine Reihe von neuen Produkten auf den Markt gebracht“.

Der Geschäftsbetrieb werde – wie auch in den vergangenen Monaten – unter den Voraussetzungen des Schutzschirmverfahrens weitergeführt. Die Produktion bei Tadano Demag in Zweibrücken sowie bei Tadano Faun in Lauf an der Pegnitz werde weiterlaufen, „alle bestehenden sowie auch neue Aufträge unter Einbeziehung der Regelungen des Schutzschirmverfahrens erfüllt und die Zusammenarbeit mit den Kunden wie gewohnt zuverlässig fortgesetzt“. Selbstverständlich würden auch reguläre Services wie Reparaturen, Wartung und Ersatzteillieferungen normal weitergeführt.

Jens Ennen, CEO der Tadano Demag und Tadano Faun, erklärt: „Mit der Fertigstellung und Einreichung des Sanierungsplans haben wir einen wichtigen Schritt bei der Neuausrichtung der Tadano Demag und Tadano Faun gemacht. Ich möchte mich ausdrücklich bei den Arbeitnehmervertretern und dem Gläubigerausschuss für die konstruktive Zusammenarbeit und bei unseren Mitarbeitern sowie Kunden und Geschäftspartnern für ihr Vertrauen bedanken. Die Ergebnisse und schnellen Fortschritte, die wir bereits in den ersten Wochen des Schutzschirmverfahrens erzielen konnten, stimmen uns sehr zuversichtlich für die Zukunft und künftige Wettbewerbsfähigkeit von Tadano Demag und Tadano Faun.“

„Eine Restrukturierung der Unternehmen war angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks aufgrund der enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich durch die Corona-Krise deutlich verschärft hatten, unbedingt erforderlich“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Ziel der Sanierungsmaßnahmen ist es, die Unternehmen für die Zukunft wirtschaftlich profitabel aufzustellen, die Bedürfnisse der Kunden mit den Produkten und Dienstleistungen noch besser bedienen zu können und somit bestmöglich zu den strategischen Zielen der Tadano Gruppe beizutragen. Die japanische Muttergesellschaft der beiden Gesellschaften, Tadano Ltd., steht in engem und kontinuierlichem Austausch mit dem Management ihrer deutschen Töchter. Das langfristige Ziel der Tadano Gruppe ist nach wie vor, weltweit führender Anbieter in der Hebeindustrie zu werden. Beide Unternehmen, Tadano Demag und Tadano Faun, spielen bei diesem Vorhaben eine entscheidende Rolle.“

Auf Merkur-Nachfrage zu den konkreten Inhalten des Sanierungsplans – insbesondere, wie viele Stellen abgebaut werden – mailte Tadano-Demag-Sprecherin Anne Steeb: „Details, Zahlen und konkrete Informationen zur Zeitleiste der Implementierung können erst nach Zustimmung zum Sanierungsplan durch das Gericht sowie die Gläubigerversammlung nach dem Erörterungs- und Abstimmungstermin kommuniziert werden.“

Steeb bestätigte aber „dass eine Transfergesellschaft geplant ist“ – dies deutet üblicherweise auf eine größere Zahl von Kündigungen hin.

Steeb hatte auf Nachfrage aber auch eine gute Nachricht und bestätigte, „dass alle Werke erhalten bleiben“.

Zurzeit beschäftige Tadano in Zweibrücken 1580 Mitarbeiter und in Lauf 720.

Wie ist aktuell die Arbeitslage in Zweibrücken? Steeb mailte: „In beiden Werken ist zwischen Weihnachten und Neujahr Betriebsurlaub, wie jedes Jahr. In der aktuellen aufgrund der Corona-Pandemie schwierigen wirtschaftlichen Situation ist die Auftragslage unsicher. Daher werden wir auch in den kommenden Wochen und Monaten die Produktion und dementsprechend die Kapazitäten flexibel an die Auftragslage anpassen. Vor diesem Hintergrund wurde eine Betriebsvereinbarung geschlossen, die auch im Jahr 2021 Kurzarbeit ermöglicht.“

Die Tadano-Mitarbeiter wurden per E-Mail, Intranet und postalisch informiert, dass der Sanierungsplan beim Amtsgericht eingereicht wurde, teilte Steeb auf eine weitere Merkur-Frage mit.

Peter Vollmar, Geschäftsführer der IG-Metall Saarpfalz, sagte auf Merkur-Anfrage: „Wie viele Kündigungen es gibt, erfahren wir wohl erst Anfang Januar.“ Man kenne zwar die Dimension, habe aber Stillschweigen vereinbart. Die Gespräche zwischen Tadano-Führung, Betriebsrat und IG Metall seien bisher leider wenig konstruktiv verlaufen, bedauerte Vollmar. So habe Tadano Vorschläge des Betriebsrats, weniger Stellen abzubauen, ignoriert. Nach Vollmars Eindruck ist Tadano auch deshalb an einem Insolvenzverfahren interessiert, weil dadurch die Abfindungen gedeckelt und deutlich niedriger als sonst üblich seien. Auch sei während Insolvenzverfahren zwar ein Sozialplan erzwinbar, nicht aber wie sonst ein Interessenausgleich.

„Die Beschäftigten haben alle Angst, die Sorgen sind groß – und das am Tag vor Weihnachten“, sagte Vollmar.

Die japanische Firma Tadano hatte Demag 2019 von der US-Firma Terex übernommen – damit verbunden waren Hoffnungen eines deutlich besseren Umgangs mit den Beschäftigten und ihren Vertretern. Doch Vollmar bedauert: „Es ist jetzt nicht viel besser.“