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Tadano Demag baut fast 400 Stellen in Zweibrücken ab

IG Metall weist Aussagen von Tadano über Vermeidbarkeit vieler Kündigungen empört zurück : 392 Entlassungen bei Demag

Oberbürgermeister Wosnitza spricht von „schwarzem Tag“ für jeden Betroffenen und auch für Zweibrücken. Die IG Metall ist empört über eine Aussage der Geschäftsführung, der Betriebsrat hätte viele Kündigungen verhindern können.

392 Beschäftigte von Tadano Demag haben am Mittwoch eine Hiobsbotschaft erhalten: Das Kranbauer-Unternehmen hat sie informiert, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Die (auch weiterhin) größte Firma in Zweibrücken baut damit auf einen Schlag jede vierte Stelle ab. Es handelt sich um eine der größten Massenentlassungen seit Jahrzehnten in der Stadt.

Den Mitarbeitern wurde der Übergang in einer Transfergesellschaft angeboten, in der sie neun Monate lange 80 Prozent ihres bisherigen Gehalts erhalten. Wer sich dagegen entscheidet und klagt, kann auf keine hohe Abfindung hoffen: Wegen des laufenden Insolvenzverfahrens in Eigenregie – das Tadano Demag gemeinsam mit der Partner-GmbH Tadano Faun in Lauf (Franken) wieder auf eine zukunftssichere Basis stellen soll – sind Abfindungen rechtlich auf maximal 2,5 Monatsgehälter gedeckelt.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) äußerte sich betroffen: „Das sind 392 Einzelschicksale. Für jeden ist das ein schwarzer Tag. Es ist auch ein schwarzer Tag für die Stadt.“ Für so viele Menschen werde es sicher schwer, in der Region neue Arbeit zu finden. Wosnitza versprach: „Wir werden als Stadt alle möglichen Gespräche führen, um zu prüfen: Wo können wir vielleicht unterstützen.“ Er habe am Mittwoch auch mit Mainz telefoniert (Staatskanzlei und Innenministerium) und einen Termin mit dem Wirtschaftsministerium – auch in der Hoffnung auf Unterstützung bei der Ansiedlungspolitik. „Da ist aber natürlich eher langfristig.“ Bei eigenen Stellenausschreibungen werde die Stadt zum Profil passende Bewerber von Tadano berücksichtigen.

Wer bei dem Kranbauer gehen muss (darunter auch Verwaltungsmitarbeiter), wurde gemeinsam mit dem Betriebsrat in einem Sozialplan geregelt.

Trotzdem gab es am Mittwoch Auseinandersetzungen zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern. „Betriebsrat hätte rund 100 Kündigungen verhindern können, sagt die Geschäftsleitung“, meldete der SR. Das erboste die Gewerkschaft IG Metall: „Mit dieser dreisten Darstellung wird versucht, von den eigenen Unternehmensentscheidungen abzulenken und die Verantwortung und die Schuld dafür anderen in die Schuhe zu schieben“, schrieb Ralf Reinstädtler, Chef der auch für Zweibrücken zuständigen IGM Homburg-Saarpfalz. Einen von den Arbeitnehmervertretern entwickelten Vorschlag, durch Kurzarbeit und tarifliche Arbeitszeitreduzierung die Zahl der Kündigungen deutlich zu reduzieren, habe das Unternehmen zurückgewiesen. „Stattdessen wurde von Firmenseite eine dauerhafte Reduzierung der Entgelte im Volumen von bis zu 40 Prozent gefordert. Trotz dieser Entgeltreduzierung wurde am Abbau von über 300 Arbeitsplätzen festgehalten. Eine Beschäftigungs- und Standortgarantie für die im Unternehmen verbleibenden Mitarbeiter wurde nicht angeboten.“

Tadano-Sprecherin Anne Steeb bestätigte auf Merkur-Nachfrage, dass die Geschäftsührung dem SR gesagt habe, der Betriebsrat hätte viele Kündigungen vermeiden können. Dies sei eine Reaktion auf frühere öffentlich Angriffe der IG Metall gewesen. Man wolle aber nach vorn blicken und sei an weiterer konstruktiver Zusammenarbeit mit Betriebsrat und IG Metall interessiert. Steeb sagte, in den Verhandlungen seien „ganz viele Szenarien diskutiert“ worden, auch strittig. Wichtig sei aber, dass am Ende mit dem Betriebsrat Einigkeit über den Sozialplan erzielt wurde – auch wenn ein großer Stellenabbau natürlich alle Seiten unbefriedigend sei.

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