Keine Fördergelder für Zweibrücken – aber wohl für Lauf Tadano verlagert Teil der Produktion nach Bayern

Exklusiv | Zweibrücken · Hinweise mehren sich, dass das Kranbau-Unternehmen auf Fördergelder für die Expansion in Lauf bei Nürnberg hofft.

Das jüngere der beiden Zweibrücker Tadano-Demag-Werke, auf dem Wallerscheid, steht vor der Schließung – während Tadano an seinem zweiten deutschen Standort Lauf (Nürnberger Land) sogar auf Expansionskurs geht.

Das jüngere der beiden Zweibrücker Tadano-Demag-Werke, auf dem Wallerscheid, steht vor der Schließung – während Tadano an seinem zweiten deutschen Standort Lauf (Nürnberger Land) sogar auf Expansionskurs geht.

Foto: Lutz Fröhlich

In den vergangenen Tagen haben sich Merkur-Informationen verdichtet, dass Tadano für die Expansion des Werk in Lauf bei der bayerischen Landesregierung einen Förderantrag stellt oder gestellt hat – während eines der beiden Zweibrücker Werke bekanntlich geschlossen wird. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte vor anderthalb Wochen auf Merkur-Anfrage zum überraschenden Ausbau des fränkischen Standorts geschrieben: „Unsere Ansiedelungsagentur Invest in Bavaria war hierzu im engen Austausch mit dem Unternehmen.“ Es gebe aber „keine Förderzusagen“, so seine Pressestelle damals auf Nachfrage (wir berichteten exklusiv).

„Erhebliche Anzahl neuer Arbeitsplätze“ in Lauf

Die für Zweibrücken und Lauf zuständige Tadano-Sprecherin Anne Steeb sagte am vergangenen Donnerstag auf Merkur-Nachfrage, ob es einen Förderantrag gebe für das Schaffen neuer Produktionslinien und einer „erheblichen Anzahl neuer Arbeitsplätze“ in Lauf (Zitat aus Schreiben an die Belegschaft): „Mir persönlich ist dazu nichts bekannt.“ Auf Merkur-Bitte werde sie aber unternehmensintern nachhören.

Klar sei aber, betonte Steeb: Die angekündigte Schließung des Werks Wallerscheid und der Abbau von über 400 der insgesamt 1280 Stellen in Zweibrücken geschehe „nicht wegen Hoffnung auf Landesförderung“. Auch der Abbau in Zweibrücken und die Expansion in Lauf seien „unabhängig voneinander getroffene Entscheidungen“.

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Foto: dpa/Jon Gambrell

So nimmt die IG Metall Homburg-Saarpfalz Stellung

Nach Informationen unserer Zeitung ist es beihilferechtlich für die öffentliche Hand unter bestimmten Voraussetzungen grundsätzlich möglich, neue Investitionen zu Standort-Erweiterungen finanziell zu fördern – dagegen sind Fördergelder zum bloßen Erhalt von Produktionslinien und Arbeitsplätzen so gut wie ausgeschlossen.

Die IG Metall Homburg-Saarpfalz hatte nach der Zweibrücker Kahlschlag-Ankündigung es als rätselhaft bezeichnet, dass Tadano keinerlei Bemühungen unternahm, durch Instrumente wie Kurzarbeit oder andere Vereinbarungen mit dem Betriebsrat das Wallerscheid-Aus zu verhindern (wir berichteten). Aussicht auf Fördergelder für eine Expansion in Lauf könnte dieses Rätsel womöglich lösen.

Welche Produktionslinien im fränkischen Lauf neu geschaffen werden sollen, hat Tadano noch nicht konkret verraten. Die japanische Muttergesellschaft „Tadano Ltd.“ allerdings hat bereits am 15. Februar in einer Pressemitteilung angekündigt, im Zuge der Wallerscheid-Werksschließung würden dortige Produktionen ins Zweibrücker Tadano-Demag-Werk Dinglerstraße, zu Tadano Faun nach Lauf und in ein japanisches Tadano-Werk verlagert – also zumindest auch nach Bayern. Steeb bestätigte am Donnerstag: „Das ist der aktuelle Stand. Allerdings ist noch nicht entschieden, was wohin kommt.“

Wurden Fördergelder in Aussicht gestellt?

In der Tadano-Limited-Pressemitteilung vom 15. Februar wurde zudem betont (Merkur-Übersetzung aus dem Englischen): „Das Management von Tadano Ltd. sieht das große Potenzial seiner deutschen Produktionsstätten. Sowohl TDG (Tadano Demag) als auch TFG (Tadano Faun) werden weiterhin eine Schlüsselrolle für den Erfolg des globalen Tadano Produktions-Netzwerks in der Zukunft spielen.“

Hat sich außer dem bayerischen Wirtschaftsministerium für den Tadano-Standort Lauf auch das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium für den Standort Zweibrücken eingesetzt? Wurden Gespräche geführt, wurden Fördergelder in Aussicht gestellt – oder wird dies noch getan, um die Wallerscheid-Werksschließung und den personellen Kahlschlag zu verhindern?

Die Pressestelle des Mainzer Ministeriums antwortete dazu nach Merkur-Anfrage am vergangenen Donnerstag: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zunächst Informationen beschaffen mussten, die über die Presseberichterstattung zu den Plänen der Tadano GmbH hinaus gehen. Grundsätzlich bitten wir aber zu respektieren, dass unser Haus unternehmerische Entscheidungen grundsätzlich nicht kommentiert. Wie allen Unternehmen im Land stehen der Tadano GmbH zahlreiche Förderprogramme zur Verfügung. Entsprechende Förderungen können von den Unternehmen beantragt werden. Unser Haus steht in dieser Hinsicht jederzeit für Gespräche zur Verfügung.“

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