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Symphonische Orgelmusik aus fünf Nationen in Heilig-Kreuz-Kirche

Symphonische Orgelmusik aus fünf Nationen in Heilig-Kreuz-Kirche

Es sind gut 100 Gäste, die am Sonntag in der Heilig-Kreuz-Kirche das Musikprogramm mit Orgelmusik aus dem 19. und 20. Jahrhundert hören. Die 44 Register der Rieger-Orgel nutzt am frühen Abend der Wormser Domkantor Dan Zerfaß für einen Streifzug durch gut 70 Jahre Musikgeschichte der Neuzeit.

Die Musik des späten 19. Jahrhunderts bietet so manches, das nicht nur Kenner erfreut. Die Klänge von Alexandre Guilmants (1837-1911) Sonate Nr. 1 d-Moll op. 42 erklingen zuerst, Zerfaß setzt mit diesem französischen Komponisten recht mächtig an, um dann mit einem stillen, kleiner gehaltenen Ave Maria op. 104, 2 aus der Feder von Marco Enrico Bossi (1861-1925) zu glänzen. Ohne Pause setzt Zerfaß dann einen Akzent mit dem Komponisten Josef Rheinberger (1839-1901) und lenkt damit das Gehör in die deutsche Musiktradition. Aus der Sonate Nr 8 e-Moll erklingen die Introduction und eine Passacaglia op. 132. Bei letzterer entsteht über einer vier- oder achttaktigen festen Basslinie eine Folge von Variationen. Sie stammt aus dem Jahre 1882 und gehört zu Rheinbergers besten Werken, in dem sich sein Vollzug zur klassizistischen Strenge in Vollendung zeigt. Hieran an fügt sich ein Werk des Engländers Charles Villiers Stanford (1852-1953), nämlich ein lyrisch gehaltenes Präludium, dicht gefolgt von einer seiner Fugen. Zerfaß spielt an dieser Stelle mit dem Reiz eines eher fließend gehaltenen und feinen Stücks, dem ein Stück polyphoner Mehrstimmigkeit des gleichen Komponisten folgt.

Aufgefangen wird Rheinbergers Musik dann zum Ende des Abends durch drei Stücke des Belgiers Joseph Jongen (1873-1953). Jongen, der einiges von Debussy und Ravel für die Orgel vertont hat, kommt zu Gehör mit dem Chant du Mai op. 53,1, dem Menuet-Scherzo op. 53,2 und mit der Toccata op. 104, die Zerfaß symphonischen Rundgang durch Orgelmusik aus fünf europäischen Nationen gebührend beschließt.