1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

SVN-Titelgewinn könnte in „Katastrophe“ münden

SVN-Titelgewinn könnte in „Katastrophe“ münden

Noch hat die Kommunalaufsicht nicht einmal entschieden, ob die Stadt dem SVN Zweibrücken sein Trainingsgelände modernisieren darf. Doch um die Voraussetzungen für die Regionalliga zu erfüllen, bräuchte das Stadion auch Sitzplätze und ein Dach.



Zweibrücken.
Das fußballerische Aushängeschild Zweibrückens hatte sich 2009 extra umbenannt von SV Niederauerbach in SVN Zweibrücken, um den Namen der Stadt bekannter zu machen. Doch jetzt droht Zweibrücken, vom eigenen Erfolg überrollt zu werden: Sportlich hat sich der Oberligist zwar überraschend an der Tabellenspitze festgesetzt, mit klarem Vorsprung. Trotzdem ist die Aussicht düster, dass Zweibrücken statt in Roßbach oder Betzdorf künftig in Städten mit klangvollen Vereinsnamen wie Preußen Münster oder Rot-Weiß Essen in der Regionalliga West für Aufmerksamkeit sorgen wird. Denn ohne Ausnahmegenehmigung wird es wohl schwer, die Regularien des Deutschen Fußball-Bundes für die nach den drei Bundesligen höchste deutsche Spielklasse zu erfüllen. Morgen reicht der SVN seinen Wirtschaftsplan für die Regionalliga beim DFB ein, sagt Richard Denger auf Merkur -Anfrage. Der SVN-Vorsitzende räumt zwar ein: „Die Zahlen sehen nicht so gut aus, da fehlt noch einiges.“ Doch ein Aufstieg könne mehr Sponsorengelder bringen. Aber: Auch organisatorisch verlangt der DFB Regionalligisten einiges ab, was im Westpfalzstadion fehlt – vor allem Sitzplätze, davon mindestens 500 schon in der ersten Saison überdacht. Ausnahmen würden nicht gemacht, hat der DFB allen Aufstiegsaspiranten signalisiert (wir berichteten). Dennoch schätzt Denger die Chancen, als Meister auch aufsteigen zu dürfen, auf 50:50. Ist die Zeit nicht schon zu knapp, eine überdachte Tribüne zu bauen? Denger: „Das würd' man schon hinkriegen, wenn man das Geld hat.“ Gespräche mit der Stadt darüber gebe es noch nicht. Denger hofft auf Unterstützung, weiß aber um die Zweibrücker Finanznot – und dass die Kommunalaufsicht noch prüft (laut Stadt womöglich bis April/Mai), ob das SVN-Trainingsgelände für 1,5 Millionen Euro Flutlicht und Kunstrasen erhalten darf. „Vielleicht bleibt da noch was zum Abzwacken übrig“, hofft Richard Denger. Oberbürgermeister Helmut Reichling will „alles versuchen, um das Drama Nicht-Aufstieg trotz Meisterschaft verhindern zu helfen“ – macht dem SVN aber angesichts des Zweibrücker Schuldenbergs wenig Hoffnung. Für den Kunstrasen müsse die Stadt schon den Sparkassen-Gewinn verwenden: „Die Chancen sind realistisch betrachtet gering, da noch was drauflegen zu können.“

Verunsichert es die Spieler, dass der Aufstieg am grünen Tisch scheitern könnte? Trainer Peter Rubeck: „Die Mannschaft hat sich bis vor 14 Tagen überhaupt nicht mit dem Aufstieg beschäftigt. Seitdem sie es tut, spielen wir schlecht. Ich habe der Mannschaft deswegen verboten, darüber zu sprechen.“ Rubeck warnt: „Wenn wir Meister werden und an den Auflagen scheitern, wäre das eine mittlere Katastrophe: Dann muss man sich nächste Saison fragen, wofür man noch spielt.“
Sportlichen Erfolg nicht nehmen


Von Merkur-Redakteur Lutz Fröhlich

Gewiss: Regelkonform wäre es, sollte der DFB dem SVN den Aufstieg verweigern. Doch das wäre nicht nur sportlich unfair. Sondern auch, weil immer weniger Städte angesichts ihrer wachsenden Finanznöte Vereinen helfen können, Auflagen für Stadien zu erfüllen. Das gilt besonders für arme Gegenden wie die Westpfalz. Wenn diese aus den vier höchsten Ligen nicht ausgesperrt sein sollen, muss der DFB seine Regularien entschärfen. Und sollte jetzt schon mit Ausnahmegenehmigungen großzügiger sein – etwa den SVN große Heimspiele auch in Homburg oder Pirmasens (wo ja gerade erst ein neues Stadion gebaut wurde) austragen lassen.