Supermann mit Seniorenausweis

Wolfgang Ohler hat gestern Abend bei einer Lesung in Zweibrücken vor etwa 80 Zuhörern seinen neuen Kriminalroman „Blindschuss“ vorgestellt.

"Jetzt war nichts mehr zu retten!" Erst mit dem Schlusssatz seiner Lesung spielte Wolfgang Ohler gestern die Spannungs-Karte. Dabei handelt es sich mit "Blindschuss" um Ohlers vierten Kriminalroman rund um den pensionierten Richter Wolf, Ohlers Alter Ego. Im Epilog nimmt der ehemalige Strafrichter seinen Erstlings-Krimi "Das Auge der Amsel" auf, in dem er vor 25 Jahren eine Vorschau auf das Jahr 2015 hielt. Damit schließt sich die Klammer um das Wolf-Quartett. "Launig und unterhaltsam, typisch Ohler" (Zuhörer Horst Rapior), konzentrierte sich der Zweibrücker Autor auf witzige Art in seinen ausgewählten Passagen auf Lokalkolorit und lebende Personen seines Umfelds, verriet wenig über den eigentlichen Plot: "Damit Sie das Buch auch selbst lesen müssen!" Das hintergründige Thema "Ablösung der Todesstrafe durch die Zeitstrafe, der Freiheitsstrafe, bei der an Stelle des Henkers die Zeit den Gefangenen im Kerker umbringt", habe er bereits in den 70er Jahren in seiner Dissertation "Kriminalsoziologische Arbeit im Strafverfahren" behandelt. So viel sei verraten: Wolf, "Supermann mit Seniorenausweis", findet sich unversehens mitten in einem mysteriösen Fall. Dabei scheint alles ganz klar: Kaum im Ruhestand, wird Andreas Wehrfried, langjähriger Gefängnisleiter, im eigenen Haus Ziel eines Anschlags. In Notwehr erschießt er den Täter, einen früheren Häftling. Das Prekäre daran: Wehrfried ist blind. Ein Zufallstreffer, ein "Blindschuss"? Je mehr sich Wolf als Geheimagent und mit den sonderbaren Vorkommnissen befasst, desto mehr Ungereimtheiten fallen ihn an dem scheinbar so klaren Fall auf. Am Ende, beim großen Showdown im Himmelsbergstollen, ist alles völlig anders, als es scheint. Welche Rolle spielen der Blinde und seine Ehefrau wirklich? So ist trotz aller Spannung und der zahleichen Leichen - bis zum letzten Ende summieren sie sich auf elf Tote inklusive Hund und Schmeißfliege - der neue Ohler-Krimi auch ein philosophischer Roman. Gut oder böse? Recht oder Unrecht? Täter oder Opfer? Die fiktive Haupthandlung profitiert von Ohlers fast 30-jähriger Justizerfahrung inklusive der Erklärung juristischer Fachausdrücke im Anhang und ist eingebettet in zahlreiche reale Fälle. Ein Buch, das einen Leser in seiner Komplexität noch lange und in ganz unterschiedlichen Facetten beschäftigen kann.

Wolfgang Ohler: "Blindschuss", 384 Seiten, Gollenstein-Verlag, 14,90 Euro.