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Stiftung „Aimer la Vie“ Zweibrücken

Konzert für Togo-Hilfe : Spaß und hochkarätige Musik für Togo

Das gelungene Benefizkonzert „Auf den Flügeln des Genusses“ in der Zweibrücker Heilig-Kreuz-Kirche verknüpfte Oper und Schauspiel mit konzertanter Kammermusik. Vielfältig und abwechslungsreich, bereiteten die Künstler ihrem begeisterten Publikum einen heiteren Nachmittag auf vielen Ebenen.

Unterhaltsamer und niveauvoller lässt sich ein Benefizkonzert wohl kaum gestalten als das „sinnenfrohe Überraschungskonzert“ für Togo unter dem Titel „Auf den Flügeln des Genusses“, das am Sonntagnachmittag mehr als 130 Kulturliebhaber im Pfarrsaal Heilig Kreuz begeisterte. Mit einer höchst gelungenen Mischung aus Konzert, Theater und Kaffeekränzchen ließ sich eine breite Palette verschiedenartiger Freuden erleben.

Im Mittelpunkt des auf der Bühne errichteten „Cantaten Cafés“ stand die Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach, in einer Adaption für Sopran, Bass, Rezitator, Cello und Klavier. Der besorgte Vater (Dietmar Franke) ist wenig begeistert davon, wie sehr seine Tochter Liesgen (herrlich: Hildegard Baum in roter Lederjacke mit Baseball-Cap) der Kaffeedroge verfallen ist und sich mit Gleichgesinnten in Kaffeehäusern herumtreibt. In einem solchen wurde 1734 übrigens die Kaffeekantate in Leipzig uraufgeführt.

An der Kaffeetafel auf der Bühne nahmen die Künstler in ihren Auftrittspausen Platz, unterhielten sich, schlürften aus zierlichen Tässchen wunderhübschen Kaffeegeschirrs und zauberten damit die passende Atmosphäre in den voll besetzten Saal. Mit gekreuzten Fingern hinter ihrem Rücken einen Meineid schwörend, entsagt Liesgen scheinbar dem verderblichen Modegetränk, damit der Vater ihr schließlich doch einen Ehemann sucht. Wunderbar interpretierte und kommentierte Cellist Holger Vehling (Emanuel-Kant-Gymnasium Pirmasens) die Rezitative und mischte sich damit musikalisch in den Dialog von Sopran und Bass ein.

Bereits mit der heiteren Barock-Sonate für Flöte und Klavier in D-Dur von Leonardo Vinci (nicht zu verwechseln mit dem Künstler Leonardo da Vinci), brachten die Pirmasender Musikpädagogin Helma Terres und Konzertpianistin Marina Kavtaradze den ganzen Saal zum Klingen.

In der Pause wurden passend Kaffee und liebevoll handgebackene, kleine Gugelhüpfchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen kredenzt. Mit noch mehr Augenzwinkern stellten die Künstler im zweiten Teil musikalisch „blauen Dunst“ und andere Verlockungen in den Mittelpunkt. Wer kennt sich mit diesen wohl besser aus, als Wolfgang Amadeus Mozart? Eingeleitet von dem mitreißend interpretierten Andante für Flöte und Klavier in C-Dur, folgten dessen gesungene Erkenntnis „Männer suchen stets zu naschen“ und ein Duettino nach dem bekanntesten Schwerenöter der Opernwelt, Don Giovanni.

In dem Verwirrspiel „Liebe mich, doch nur zum Scherze“ (Telemann) und dem Mozartschen „Katzenduett“ mit Dietmar Franke lebte Hildegard Baum ihre neckische, witzige Ader sichtlich genussvoll aus.

Für viele überraschend, überzeugte Pfarrer Wolfgang Emanuel mit seiner klangvollen Singstimme in der „Beichte“ von Franz von Suppé im Duett mit der Zweibrücker Sopranistin und Stimmbildnerin, die mit ihrer höchst wandlungsfähigen Stimme und perlenden Coloraturen überzeugte. Sie und ihr Ehemann, Hans-Peter Baum, gehören als Impulsgeber und Choreografen zu den Stützen dieses bereits neunten Benefizkonzerts zu Gunsten der Stiftung „Aimer la Vie“. Bis zum Ende dieses Konzertabends kamen bislang 4653 Euro an Spendengeldern zur Unterstützung von einsamen und mittellosen Menschen in dem Westafrikanischen Land zusammen, die so ein Stück mehr Lebensqualität erhalten können.

„Es war wunderschön. Nicht nur musikalisch und auf Grund der beeindruckenden Inszenierung, sondern auch optisch“, schwärmte Gertrud Baumann ganz hingerissen.

In wenigen Wochen wird Pfarrer Wolfgang Emanuel mit einer kleinen Gruppe nach Togo fliegen, um die Spenden der von ihm mit begründeten Stiftung persönlich zu überbringen.

Wer die gemeinnützige Stiftung „Aimer la Vie“ noch unterstützen möchte, erhält Infos unter www.pfarrei-zweibruecken.de/hilfsprojekte/togo/ sowie bei Pfarrer Wolfgang Emanuel, Telefon (0 63 32) 92 78 12.