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Starker Anstieg der Corona-Fälle in Zweibrücken

Coronavirus-Pressekonferenz der Stadt Zweibrücken : Nardini-Klinikum räumt Intensivstation für Corona-Patienten, Zentrale Ambulanz für Corona-Behandlungen im Ex-EvK

Stadt, Ärzte, Klinik und Hilfsorganisationen bauen Behandlungsmöglichkeiten für Covid-19-Infizierte aus. – Vier neue Fälle in Zweibrücken an einem Tag.

Mit dem Untersuchungscontainer am Zweibrücker Nardini-Klinikum vor zwei Wochen oder dem zu Beginn der Woche angekündigten Not-Hospital im ehemaligen Evangelischen Krankenhaus (EvK) reagierten die Verantwortlichen in der Stadt bereits auf die Corona-Krise. In dieser Woche wurde das Abstrich-Zentrum ans ehemalige EvK (wir berichteten), um noch mehr Test durchführen zu können, wie der Vertreter der niedergelassenen Ärzte, Dr. Christoph Gensch, bei einem Pressegespräch am Freitag erklärte.

In dem Gespräch erwähnte Gensch zudem, dass im Ex-EvK am Himmelsberg eine zentrale Ambulanz für positiv getestete Personen eingerichtet werde. Dort können niedergelassene Ärzte Covid-19-Patienten behandeln. „In der Praxis können die Ärzte die anderen Patienten behandeln.“ So soll ein Kontakt mit infizierten Personen weiter reduziert werden. Die Kassenärztliche Vereinigung werde für die Ärzte die Schutzausrüstung besorgen. Die Reinigung und die Organisation übernehme die Stadt.

Wie Stadtfeuerwehrinspekteur, Frank Theisinger als Kopf der technischen Einsatzleitung sagte werden nach den Vorarbeiten des THW die Reinigungskräfte der Stadt die vorgesehenen Räume im zweiten und fünften Stock reinigen. „Ab Montag werden die ersten Betten in die Not-Klinik gebracht.“ Wie Hans Prager vom Roten Kreuz wiederholte Theisinger, dass weitere Helfer im medizinischen Bereich gesucht werden.

Auch das Nardini-Klinikum an der Kaiserstraße wird wegen der Corona-Pandemie weiter umorganisiert. „Die bestehende Intensivstation wird komplett für diese Patienten bereit gestellt“, erklärte Chefarzt Dr. Matthias Stopp. Für die übrigen Patienten würden neue Intensivkapazitäten mit Beatmungsplätzen geschaffen. Für die Covid-19-Patienten stehen neun Beatmungsplätze zur Verfügung. Inzwischen werde der erste Patient dort beatmet, informierte Stopp.

Auch sonst werde durch organisatorische Maßnahmen Sorge getragen, dass sich mit Corona infizierte Personen und sonstige Kranke in der Klinik nicht begegnen, betonte Chefarzt Dr. Horst Winter. „Das ist ein großer Kraftakt.“ Denn man müsse zwei Aufnahmestationen und zwei Intensivstationen einrichten. „Das ist personalintensiv.“ Doch auch ohne eine Urlaubssperre hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geplante Urlaube verschoben.

Prager wiederholte, dass die drei Altenpflegeeinrichtungen in Zweibrücken derzeit keine Besucher hereinlassen. Zudem sei dafür gesorgt, dass in den Häuser die Möglichkeit der Absonderung besteht. „Im stationären Bereich wollen die drei Organisationen ihre Versorgungsleistungen nicht einstellen.“ Prager bat die Betroffenen um Geduld, wenn es im Moment zu Verzögerungen kommt.

„Geduldig sein“ ist auch für Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) das Gebot der Stunde. „Die Lage ist sehr ernst. Ich sehe im Moment keine Möglichkeit die Beschränkungen aufzuheben.“ Die Stadt, die Ärzte, das Nardini-Klinikum und die Hilfsorganisationen wollen mit den Maßnahmen einer weiteren Verschärfung der Krise begegnen. In der Hoffnung, dass man das am Ende nicht in dem Maße braucht. „Aber das weiß niemand“, wollte Wosnitza nicht in die Glaskugel schauen. In dem Pressegespräch erwähnte der Oberbürgermeister, dass bis Freitagmittag bei insgesamt neun Personen in Zweibrücke das neuartige Coronavirus festgestellt worden sei. Das sind vier mehr als noch am Donnerstag.

Bürgermeister Christian Gauf (CDU) sagte, dass Kinder und Jugendliche, deren Eltern infiziert seien und sich nicht mehr um ihren Nachwuchs kümmern könnten, im gästehaus des Begegnungszentrums Maria Rosenberg (Waldfischbach-Burgalben) betreut werden könnten. Der Landkreis Südwestpfalz hat dort am Donnerstag eine Betreuungseinrichtung geschaffen, um die sich die Johanniter kümmern. Wobei Gauf nicht mit vielen Fällen rechnet: „Das wird die große Ausnahme sein.“ Laut Landrätin Susanne Ganster gibt es bislang zwar erst drei Kinder, die dort für eine Betreuung in Frage kämen. Platz habe man dort derzeit für 20 Kinder, ausbaubar auf 60. Räumlich möglich sei dort auch, gesunde Kinder und Corona-Verdachtsfälle zu trennen.

Um den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu begegnen, haben Bund und Land Hilfspakete geschnürt. Auch die Stadtverwaltung habe Möglichkeiten zur Hilfe geschaffen, erklärte der Zweibrücker Kämmereileiter Julian Dormann. So stehe die Zweibrücker Wirtschaftsförderung für Beratung bereit. Steuerpflichtige könnten Anträge zur Stundung bei der Stadt stellen. Zudem sollten die Steuerpflichtigen Anträge zur Änderung der Vorleistungen beim Finanzamt stellen. Bei der Vergnügungssteuer würden derzeit keine Anmeldungen entgegengenommen.

Zum Schluss betonte Wosnitza, dass sich die Zweibrücker bisher zum „sehr großen Teil“ an die Verordnungen und Einschränkungen hielten. Bisher seien acht Verstöße registriert und 17 Personen angezeigt worden.