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Stadtwerke Zweibrücken müssen Strompreis wegen Ukraine-Krieg erhöhen

Stadtwerke Zweibrücken : Warum die Strompreise nun doch steigen

Die Stadtwerke Zweibrücken müssen von ihrem Versprechen abrücken, wenigstens den Strompreis dieses Jahr stabil zu halten. Glück im Umglück für die Kunden: Trotz kräftiger Erhöhung wird ihre Stromrechnung für 2022 meist geringer ausfallen. Wer einen günstigen Gas-Sondertarif neu abschließen möchte, schaut allerdings noch auf unabsehbare Zeit weiter in die Röhre.

„Alles wird teuer!“ Dieses durch die Inflations-Daten bestätigte Gefühl macht seit der massiven Ausweitung des Kriegs Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar vielen Menschen im Geldbeutel zu schaffen. Deswegen war es für viele Zweibrücker wenigstens ein kleiner Trost, dass die Stadtwerke im Mai bei einer Pressekonferenz zwar einen 30-prozentigen Gaspreis-Anstieg verkünden mussten, aber versprachen, der Strom bleibe „bis Ende Dezember definitiv stabil, da die benötigten Mengen bereits eingekauft wurden“, wie der Merkur damals Stadtwerke-Geschäftsführer Werner Brennemann in indirekter Rede wiedergab.

Doch diese Woche nun flatterten den Stadtwerke-Kunden Briefe ins Haus, in denen der Arbeitspreis für den Strom um 3,57 Cent brutto pro Kilowattstunde erhöht wird, ein Anstieg um etwa 15 Prozent.

Dass die Preise ab 1. Oktober steigen, kam für Merkur-Leser nicht überraschend: Die Stadtwerke hatten dies bereits im Juli bei einer Pressekonferenz mitgeteilt. Wobei damals im Fokus stand, dass insgesamt betrachtet die Stromrechnung 2022 bei gleichem Verbrauch sogar sinken wird, weil durch die Abschaffung der EEG-Umlage (für den bundesweiten Ausbau Erneuerbarer Energien) die Stadtwerke-Stromkunden mehr sparen als der Strompreisanstieg selbst sie belastet. In dem Schreiben der Stadtwerke nun stand dagegen die Erhöhung im Mittelpunkt, an die EEG-Umlage-Abschaffung wurde nur am Rande ermittelt. Weshalb der Brief bei vielen Kunden für Aufregung sorgte (wie auch Facebook-Diskussionen zeigen).

Zwei besonders aufmerksame Bürger haben sich nach Erhalt des Briefes nun an das Versprechen vom Mai erinnert – und unsere Redaktion gebeten nachzuforschen, warum die Stadtwerke es gebrochen haben. Einer schrieb verwundert: „Ist es nicht so, dass man Strom, den man schon eingekauft hat, nicht noch einmal zu einem höheren Preis einkaufen und verkaufen kann?“ Wobei beide betonten, dass sie an sich sehr zufrieden mit den Zweibrücker Stadtwerken seien und diese auch immer noch vergleichsweise günstige Preise hätten.

Welche konkreten Entwicklungen haben also dazu geführt, dass die Preise zum 1.10. erhöht werden müssen, obwohl es im Mai hieß, die benötigten Mengen für 2022 seien bereits eingekauft, sodass es definitiv bis Jahresende keine Strompreiserhöhung geben werde?

Auf diese Merkur-Anfrage mailten die Stadtwerke am Freitag: „Grundsätzlich waren zu dem Zeitpunkt die Mengen in Tranchen für Privatkunden bereits eingedeckt. Allerdings entstehen zu den beschafften Tranchen noch Nebenkosten. Dazu zählen Spot- und Ausgleichsenergiekosten. In der Vergangenheit haben diese Kostenbestandteile nur minimal zu Kostenänderungen beigetragen. Da die Preise am Spotmarkt aber innerhalb dieses Jahres extrem angestiegen sind, mussten wir diesen Kostenbestandteil auch an unsere Kunden weitergeben.“ An den Spotmärkten kaufen Energieanbieter wie die Stadtwerke den Strom ein. Die Preise seien von rund 200 Euro pro Megawattstunde im Frühjahr bis auf über 560 Euro im August gestiegen.“

Brennemann und sein Vertriebsleiter Henning Braun erläuterten zudem telefonisch, dass unter „Nebenkosten“ auch ein Teil der Stromkosten selbst fällt, auch wenn die Jahres-Strommenge prinzipiell schon gesichert war und ist. Denn die Stadtwerke kauften immer die Jahres-Menge ein, die aufgrund der bisherigen Verbrauchserfahrungen zu erwarten sei. Daraus ergeben sich tägliche Durchschnittswerte. Wie viel Strom dann aber tatsächlich in Zweibrücken verbraucht wird, kann schwanken – was dann an den Spotmärkten ausgeglichen werden muss, zu den mittlerweile stark erhöhten Preisen.

Zwar hätten die Stadtwerke schon einen Anstieg einkalkuliert gehabt, berichtet Brennemann: „Aber dass nicht in dieser Größe, das war nicht zu erkennen. Ich hätte nie gedacht, dass sich der Markt so extrem entwickelt.“ Er bedauere deshalb im Nachhinein, im Mai falsche Hoffnungen geweckt zu haben. Der Anstieg an den Spotmärkten sei, wie auch beim Gaspreis, eine Folge des Ukraine-Kriegs. Brennemann bestätigt auf Nachfrage, dass aufgrund der für sei massiv gestiegenen Kosten die Stadtwerke keinen Cent an der Preiserhöhung verdienen.

Wie herausfordernd die Preisentwicklung nicht nur für die Kunden, sondern auch die Stadtwerke selbst ist, zeigt ein weiteres Beispiel: Die meisten Kunden habe sogenannte „Sondertarife“ abgeschlossen, die nicht so schnell kündbar sind wie die „Grundversorgung“-Tarife, aber deutlich günstiger sind. „Aktuell ist der Tarif mit den meisten Kunden der Privatplus Single/Family“, schreiben die Stadtwerke auf Merkur-Anfrage: „Dieser Tarif ist aber seit dem 01.03.2022 nicht mehr abschließbar. Neu sind unsere SWZ EXTRA Tarife, die alle 100 Prozent Erneuerbare Energien beinhalten. Zurzeit bieten wir aber nur den Abschluss der Grundversorgung an.“

Warum wurde diese auch für die Stadtwerke harte Entscheidung – auf das Werben um Kunden ausgerechnet in den beliebtesten Tarifen zu verzichten – getroffen? Antwort: „Wir nehmen aktuell keine Kunden in Sondertarifen auf, weil wir die Versorgung mit Neukunden in Normsondertarifen aktuell nicht kostendeckend darstellen können. Sobald dies wieder möglich ist, werden wir natürlich wieder Sonderverträge anbieten.“ Wann dies so weit ist, hänge von den weiteren Entwicklungen des Ukraine-Kriegs ab, will Brennemann lieber keine Prognosen mehr wagen: „Ich persönlich hätte ehrlicherweise nicht gedacht, dass der Krieg so lange dauert.“

Stichwort Ukraine-Krieg: Der macht sich noch schlimmer als beim Strom ja bei der Gasversorgung bemerkbar. Die letzte Preiserhöhung für Haushaltskunden hatten die Stadtwerke vergangenen Mai zum 1. Juli beschlossen. Wobei sie mit dem Anstieg um 30 Prozent verglichen mit vielen anderen Energieanbietern noch sehr maßvoll waren. Dennoch ist eine weitere Erhöhung „im Moment noch gar kein Thema“, sagt Brennemann. Wenn es Preisänderungen geben – was angesichts einer teils Verzehnfachung der Einkaufspreise nicht auszuschließen sei – werde wieder wie üblich die Presse informiert, zudem erhalten wie jetzt die Kunden natürlich Post. Auch auf der Stadtwerke-Homepage sind die alten und neuen Tarife zu finden.

Ab Oktober allerdings müssen bundesweit Kunden die staatliche Gasumlage zahlen. Wie der Merkur am Dienstag berichtete, wird diese 2,4 Cent pro Kilowattstunde betragen. Die Stadtwerke warten hierzu allerdings noch auf offizielle Informationen.

Der Merkur hatte aktuell auch nach den Gaspreisen gefragt, weil die Stadtwerke diese Woche in einer Bekanntmachung (Zeitungsanzeige) für Nicht-Haushaltskunden neue Preise ankündigten. Dies betreffe aber nur diese und auch nur die „Ersatzversorgung“, also wenn Zweibrücker Betriebe keinen Liefervertrag mehr mit ihrem alten Energielieferanten haben, erläutern die Stadtwerke. „Aktuell befindet sich in diesem Tarif kein Kunde!“