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Stadtspitze flüchtet ins Krankenhaus

Stadtspitze flüchtet ins Krankenhaus

Seit Samstag haben die Narren wieder für ein paar Wochen ganz offiziell die Herrschaft über die Stadtverwaltung in der Hand. Die Stadtspitze wehrte sich traditionsbewusst mit Böllerschüssen und Feuerwerk.

Einen aufwändigen Abwehrwall hatte die Zweibrücker Stadtspitze am Samstag aufgeboten, um den Angriff der Karnevalisten auf das Rathaus zu verhindern. Mit Strohballen, Absperrband, einer Reihe Böllerschützen und Feuerwerkskörpern hatten sich die Stadtratsmitglieder gerüstet. Eine Abwehrreihe nach der anderen musste sich aber schließlich der kostümierten, "Alleh Hopp"-rufenden Hundertschaft geschlagen geben. Selbst eine geschlossene Stadtratsfraktion vor der Eingangstür konnte den Einmarsch der Vereinsabordnungen verhindern.

Nach der heroischen Schlacht mit lautem Geknalle, Gejubel und Konfetti-Regen ging es in den Sitzungssaal, wo der geschlagene Oberbürgermeister Kurt Pirmann in einer pointierten Abschiedsrede die Niederlage eingestand und die neue Ausrichtung der Verwaltung verkündete. Nach der Schließung des Evangelischen Krankenhauses habe sich die Stadtspitze darauf geeinigt, selbst in die Medizin einzusteigen. "Die Stadt übernimmt das Krankenhaus, denn wir kennen uns mit vielen Krankheiten aus", so der selbst ernannte Oberarzt Dr. Pirmann in seinem weißen Kittel.

Den Wechsel in der Machtzentrale übernahm Heike Förch vom Karnevalsverein Zweibrücken (KVZ). Sie nahm den goldenen Schlüssel des Rathauses entgegen. Mit Prinz Sascha I. und Ehrenlöwenträger Peter Schmidt (beide HFZ), Prinzessin Lisa-Marie I. vom Hasensteig und Präsident Klaus Ries (beide CGH), Präsident Steven Schneider (FZG Wolfsloch), sowie Tollität Sabrina I. und Präsident Andreas Bergmann (beide ZFF) belagerte die Rotjackenträgerin Heike Förch das Podium im Saal. Sie hoffe, sagte Förch, die Stadt habe mit dem Geknalle und Geballer noch nicht das ganze Pulver fürs Jahr verschossen, denn schließlich übernehme nun die närrische Herrschaft das Sagen in der Stadt und da sei noch so manches zu erledigen. Denn zu viel "Chaos uff de Gass", gebe es in der Rosenstadt. Dies war eine Anspielung auf die vielen noch nicht fertig gestellten Baustellen wie den Überflieger oder die veränderte Verkehrsstruktur, verbunden mit einem verwirrenden Schilderwald.

Peter Schmidt, Ehrenpräsident vom HFZ, forderte sogar als erste Amtshandlung der neuen Regentschaft die Umwandlung des Zweibrücker Wappens: "Tauscht den Löwen gegen einen Maulwurf."

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels schrieben wir, dass Klaus Ries von der CGH gefordert habe, den Löwen gegen einen Maulwurf im Wappen zu tauschen. Dies hat allerdings Peter Schmidt vom HFZ gesagt. Wir haben die entsprechende Stelle geändert und bitten um Entschuldigung.