1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Stadtrat vergibt Dachsanierung der Herzog-Wolfgang-Realschule plus

Mehr Solarstrom und Elektro-Autos : Zweibrücker Stromnetz muss für E-Zeitalter verstärkt werden

Anders als Dirk Schneider sehen die Stadtwerke den Ausbau von Elektro-Mobilität und Solarstrom-Anlagen in Zweibrücken aber nicht gefährdet.

Dirk Schneider wirkte geladen, als er in der jüngsten Stadtratssitzung das Wort ergriff. Denn der Bürgernah-Fraktionschef – seit vielen Jahren Kämpfer für umweltfreundlichen Solarstrom – sieht den weiteren Ausbau in Zweibrücken gefährdet. Und dies nicht nicht nur von Photovoltaik-Anlagen, sondern auch Elektroauto-Ladesäulen.

Das Thema kam bei einem Tagesordnungspunkt auf, der damit auf den ersten Blick nichts zu tun hatte: Die Turnhalle der Herzog-Wolfgang-Realschule plus am Standort Wackenstraße wird saniert; der Stadtrat vergab einstimmig den Auftrag für die Gerüstbau-, Abbruch-, Zimmer-, Dachdeckungs- und Klempnerarbeiten für knapp 305 000 Euro an den günstigsten von fünf Bietern, die Homburger Bedachungs GmbH.

Zuvor aber ergriff Thorsten Gries (SPD) das Wort – und fragte, Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD), den Schneider mal als „Sonnenstrom-OB“ gelobt habe, ob die Dachsanierung denn nicht auch genutzt werden könne, um eine Photovoltaik-Anlage zu installieren. Gries ergänzte, er sehe „die Stadt auch in einer Vorbild-Funktion“ für private Bauherren: „Wir sagen ja Bürgern immer wieder, dass sich das rechnet.“

Bauamtsleiter Christian Michels antwortete, man habe dies bereits geprüft. Weil wegen Nord-Ausrichtung des Daches nur etwa ein Viertel davon (100 Quadratmeter) für Solarstrom-Erzeugung geeignet sei, wolle man weitere Sanierungsarbeiten am Schulgebäude abwarten, um dann „en bloc“ 500 Quadratmeter Solarzellen zu installieren.

Das war das Stichwort für Dirk Schneider: „Her Michels, mir gefällt, was sie hier planen. Aber ich prophezeie: Sie werden an Grenzen stoßen! Denn den Stadtwerken fehlt es an Kapazität für die Einspeisung.“ Das Zweibrücker Stromnetz sei „zu schwach“. Die Stadt-Tochter UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken) habe deshalb sogar schon auf ein großes Photovoltaik-Projekt verzichten müssen. Schneider mahnte: „Wir müssen nochmal mit Brennemann (Stadtwerke-Chef) sprechen. Das Problem ist in vielen Straßen.“ Und gefährde auch den Trend zu Elektroautos, für die künftig noch viele mehr öffentliche und private Ladesäulen gebraucht würden: „Uns muss allen klar sein: Wenn wir wollen, dass die E-Mobilität kommt, müssen wir die Netze jetzt fit machen!“ Schneider stellte hierzu auch Anfragen an die Stadtverwaltung und fasste zusammen: „Ohne Netzverstärkung und mehr Trafostationen können wir Fortschritte bei Solarstrom und E-Mobilität vergessen.“

Oberbürgermeister Wosnitza kündigte wie üblich an, die Anfragen schriftlich zu beantworten. Weil eigentlich nicht die Stadtverwaltung betroffen bzw. zuständig ist, sondern UBZ und Stadtwerke dies sind, hat der Merkur direkt dort nachgefragt. Der UBZ bat um Verständnis, erst einmal die Antwort an die Ratsmitglieder abwarten zu wollen.

Stadtwerke-Geschäftsführer Werner Brennemann sagte, anders als Schneider sehe er beim UBZ „das Projekt nicht gescheitert“, insbesondere nicht wegen der Stadtwerke. Vielmehr sehe er hier eine Wirtschaftlichkeits-Entscheidung des Investors, wenn dieser auch eine Trafostation errichten müsse. Bei solchen Großprojekten kämen sowohl auf den Kunden als auch die Stadtwerke Kosten bezüglich des Stromnetzes hinzu.

Brennemann betonte, die Stadtwerke seien alles andere als untätig und investierten viel Geld: „Wir arbeiten seit Jahren kontinuierlich am Stromnetz-Ausbau und werden dies natürlich in den nächsten Jahren weiter tun, auch wegen der E-Mobilität.“ Diese werde in Zukunft wohl nicht nur in Zweibrücken ein stärkeres Stromnetz erfordern: „Wenn heute jeder ein Elektro-Auto hätte, bräche in jeder Stadt das Netz zusammen.“ Doch die Umstellung von Autos mit Verbrennungs- auf Elektro-Motoren erfolge ja schrittweise. Sodass Brennemann weder kurz- noch mittelfristig mit der jetzigen Netzkapazität in Zweibrücken irgendwelche Probleme sieht.

Bei der Stromnetz-Verstärkung schaue man auch individuell, in welchen Stadtgebieten etwas getan werden müsse, erläuterte der Stadtwerke-Chef. So sei selbstverständlich, dass in Neubaugebieten an den Häusern auch gleich gute Lademöglichkeiten für Elektroautos nutzbar sein müssen.