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Stadtrat: Festlicht soll Pacht der Festhalle Zweibrücken von Zadra-Gruppe übernehmen

Zweibrücker Stadtrat hat über Zadra-Nachfolge abgestimmt : Neue Betreiberin will mehr Events in Festhalle

Die Zweibrücker Festhalle wird zum 1. Juli neu verpachtet. Als Nachfolgerin der Zadra-Gruppe übernimmt die auch vom Ernstweilerhof bekannte Eventtechnik-Agentur „Festlicht“ den Betrieb. Dem Merkur verrät Geschäftsführerin Sandra Matheis, was bleibt – und was sich künftig ändert.

Zwei Bewerberinnen für den künftigen Betrieb der Festhalle Zweibrücken haben sich am Mittwochabend nichtöffentlich im Stadtrat vorgestellt. Die Entscheidung für einen Vertragsabschluss mit einer der beiden Firmen fiel „mit deutlicher Mehrheit“, berichtete Stadtsprecher Jens John am Donnerstag auf Merkur-Anfrage.

Die beiden Firmen hätten sich und ihr Konzept jeweils etwa eine Viertelstunde vorgestellt, sagte John. Aus dem Stadtrat habe es danach nur relativ wenige Fragen gegeben. Da die Festhalle nicht der Stadt, sondern ihrem Tochterunternehmen Stadtwerke gehört, bedeute der Ratsbeschluss allerdings noch keinen Pachtvertrags-Abschluss – sondern nur den Auftrag an die Stadtwerke, mit der ausgewählten Bewerberin die konkreten Vertragsverhandlungen zu führen.

Den Namen der erfolgreichen Bewerberin nannte John wegen der Nichtöffentlichkeit der Sitzung zwar nicht. Aber auf Merkur-Anfrage bestätigten am Donnerstag zunächst die Pirmasenser „DaRa Event GmbH“, dass sie den Zuschlag nicht erhielt – und die Zweibrücker „Festlicht Sandra Matheis UG“, dass der Stadtrat ihr den Zuschlag gab. Festlicht betreibt seit September 2020 in Zweibrücken bereits die „Eventlocation Ernstweilerhof“.

Die 1952 nach der Kriegszerstörung wiederaufgebaute Zweibrücker Festhalle, im Volksmund auch liebevoll „Musentempel“ genannt, war 2007/08 für zwölf Millionen Euro saniert worden und wird seit der Wiedereröffnung 2008 von der Zadra-Gruppe betrieben, die in Zweibrücken mehrere Restaurants und Hotels führt, darunter die Fasanerie. Neben den Kultur- und Freizeit-Veranstaltungen wollte Roland Zadra die Festhalle zu einem florierenden Kongresszentrum machen und sogar Autoschauen anlocken, insgesamt hoffte er auf jährlich über 600 Veranstaltungen im 800 Sitzplätze großen Heinrich-Gauf-Saal, dem Wintergarten und mehreren kleineren Räumen. Doch Kongresse gab es angesichts viel Konkurrenz kaum, immer blieben die meisten Tage des Jahres sämtliche Veranstaltungsräume ungenutzt. 2018, im letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, gab es 101 Veranstaltungen, 2017 nur 88. Abgesehen davon war die Zufriedenheit mit Pächter Zadra aber überwiegend groß.

 Die Festhalle Zweibrücken, im Bild die Vorderseite an der  Saarlandstraße, bekommt eine neue Betreiberin.
Die Festhalle Zweibrücken, im Bild die Vorderseite an der  Saarlandstraße, bekommt eine neue Betreiberin. Foto: Lutz Fröhlich

Weil nach fast 14 Jahre die Zadra-Gruppe sich nun auf ihre Kernmarken konzentrieren möchte, hatten Stadt und Stadtwerke den Betrieb neu ausgeschrieben (wir berichteten). Die Ausschreibung machte mit ihrer Forderung nach Konzepten für „eigene kulturelle Veranstaltungen“ sowie eine „Marketing- und Vertriebskonzeption mit angestrebtem Veranstaltungsmix“ deutlich, dass die Stadt sich mehr Veranstaltungen als bisher erhofft.

Was plant diesbezüglich die wahrscheinliche neue Betreiberin Festlicht? Geschäftsführerin Sandra Matheis kündigt auf Merkur-Anfrage an: „Wir wollen den Betrieb der Festhalle auf drei Säulen stellen.“

Erste Säule: das städtische Kulturprogramm. „Da arbeitet das Kulturamt die ganze Zeit sehr, sehr gut, es gibt schon ein breites Veranstaltungs-Spektrum mit guter Qualität. Das geht ganz normal weiter.“

Zweite Säule: Veranstaltungen, die nicht die Stadt, sondern die Pächterin über Veranstaltungsagenturen organisiert. Hier seien einige Veränderungen zu erwarten, denn was bisher diesbezüglich organisiert worden sei, „reicht nicht aus“.

Dritte Säule: „Wir wollen eigene Veranstaltungen organisieren, die für Belebung der Festhalle in der Zeit sorgen, wo dort sonst nichts ist – das ist unsere Aufgabe.“ Hierzu „haben mein Mann und ich schon einige konkrete Ideen, die wir nach dem Zuschlag in den nächsten Wochen in konkrete Planung umsetzen“. Dirk Matheis ist Meister der Veranstaltungstechnik – und schon seit vergangenem Jahr als Bühnenmeister in der Festhalle tätig.

 Festlicht-Geschäftsführerin Sandra Matheis betreibt wohl in den nächsten fünf Jahren die Festhalle.
Festlicht-Geschäftsführerin Sandra Matheis betreibt wohl in den nächsten fünf Jahren die Festhalle. Foto: Festlicht

Die Veranstaltungen aus den Säulen zwei und drei sollen inhaltlich vor allem das abdecken, was die Kulturamt organisierten Veranstaltungen nicht bieten. Sandra Matheis verrät erste Ideen, was das sein könnte, etwa Oldie-Nights oder „hochwertige Ü 30-Partys“. Außerdem sei Festlicht „stark interessiert, auch für Kinder etwas zu tun, vielleicht auch eine Kinderdisco“.

Genutzt werden soll künftig auch „die wunderschöne Terrasse“ im Obergeschoss der Festhalle, von der man einen weiten Blick über die Rennwiese hat. „Die hat auch eine super Größe.“

Generell ist Festlicht wichtig, neue Events „nicht einmalig, sondern relativ regelmäßig dauerhaft zu machen“, um sie als Veranstaltungsreihen zu etablieren.

 Der Haupteingang des 2008 generalsanierten „Musentempels“.
Der Haupteingang des 2008 generalsanierten „Musentempels“. Foto: Lutz Fröhlich

Was wird sich noch nach außen sichtbar ändern, wenn die Festhalle eine neue Betreiberin hat? Matheis: „Die Internetseite der Festhalle muss auf jeden Fall aufgefrischt und aktueller werden. Dort müssen alle Veranstaltungen in der Festhalle zu finden sein, egal wer Veranstalter ist. Denn den Leuten ist ja wichtig, welche Veranstaltungen es gibt – und egal, wer Veranstalter ist.“

Überlegungen gebe es, die Küche hinter dem Foyer mehr zu nutzen und dort auch zu kochen: „Nicht bei jeder Veranstaltung, aber da wo es passt.“ Bislang wurden dort nur angelieferte Speisen portioniert.

In der Ausschreibung war ein „Catering-Konzept“ gefordert, also Anlieferung von Essen entweder durch die künftige Betreiberin selbst oder in Zusammenarbeit mit externen Catering-Partnern (während das Catering bislang exklusiv durch die Zadra-Gruppe erfolgte) Unabhängig von der Festhallen-Bewerbung erweitere Festlicht ihr eigenes Portfolio schon ab 1. Juni um Catering, „weil viele Kunden alles aus einer Hand und einen Ansprechpartner wollen, auch wenn das mit den Partnern super klappt“, sagt Matheis. Das eigene Catering wolle man natürlich „überwiegend“ nutzen, bei Bedarf und Kunden-Interesse aber auch wie bisher mit Partyservice-Firmen zusammenarbeiten.

Festlicht wurde 2016 gegründet. Seit der Übernahme des Ernstweilerhofs 2020 veranstaltet Festlicht dort die Konzertreihe „Ernstweiler Musiksommer“. Das sei aber nur ein kleiner Teil der Veranstaltungs-Erfahrung von Festlicht, betont  Matheis: „Wir sind ja eine Veranstaltungsfirma, der Ernstweilerhof kam nur dazu. Unser Hauptschwerpunkt ist Veranstaltungstechnik, auch für Kunden wie Bosch, Karlsberg und Hager.“

Festlicht sei am Donnerstagmorgen von den Stadtwerken über den Zuschlag durch den Stadtrat informiert worden, berichtet Matheis. Zwar habe man noch keinen Vertragsentwurf – hier seien aber sicher keine Hürden zu erwarten. Der Pachtvertrag sei für fünf Jahre geplant.

Eine Passage in der Ausschreibung schien auf Festlicht zugeschrieben: „Darüber hinaus bietet der Dienstleister Veranstaltungstechnik und -ausstattung (Deko etc.) für Mieter auf eigene Rechnung an.“ Beides wird auf der Festlicht-Homepage bei den Firmen-Schwerpunkten genannt, zudem ist Festlicht ja seit 2021 schon als Bühnenmeister für die Festhalle tätig.

Der unterlegene Bewerber, „DaRa-Event“-Geschäftsführer Raphael Wagenblatt, will allerdings nicht darüber spekulieren, ob es möglicherweise schon vor der Präsentation mi Stadtrat einen Favoriten gab. „Wir wünschen dem Mitbewerber ganz viel Erfolg. Ich will nicht auf schlechter Verlierer machen.“ Schade finde er allerdings, „dass wir nur 15 Minuten Gelegenheit zur Präsentation unserer Firma und unseres Konzepts für die Festhalle bekommen haben“ – das halte er bei einer so großen Aufgabe wie dem Festhallen-Betrieb für zu wenig, damit die Ratsmitglieder sich ein gutes Bild machen können. „Nichtsdestotrotz wurden wir aber von den Stadtwerken sehr freundlich und gut behandelt und beraten, ich denke also nicht, dass wir per se einen Wettbewerbsnachteil hatten“, sagt Wagenblatt.

Die DaRa-Gruppe betreibt bereits drei Event-Hallen: das Quasimodo Pirmasens, die Katakomben Kaiserslautern und seit März das Terminal Zweibrücken (frühere ACH-Eventhalle); außerdem das Restaurant „1875 Sportsbar“ im Pirmasenser Bahnhofsgebäude und geplant die „Almhütte Talblick“ zwischen Flugplatz Zweibrücken und Outlet-Center.

„Wir bedauern sehr, dass wir nicht den Zuschlag für die Festhalle bekommen“, sagt Wagenblatt, „das wäre ein wichtiger Standort in unsrem Firmenverbund gewesen. Das DaRa-Konzept habe vorgesehen, die Festhalle „mit einem Mix aus ganz verschiedenen Veranstaltungs-Bereichen zu beleben“. Als Beispiele nennt Wagenblatt „Krimi-Dinner“ und Events „mit Gala-Bestuhlung“. Außerdem habe DaRa einiges ins Marketing investieren wollen, um deutlich mehr externe Veranstalter in die Festhalle zu locken.