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Stadtkapelle Zweibrücken und Band Purple Haze

Stadtkapelle Zweibrücken und Purple Haze : Vorfreude auf Konzert der Extraklasse

Endlich kann am Samstag das oft verschobene Konzert der Stadtkapelle mit der Rock-Band Purple Haze in der Zweibrücker Festhalle stattfinden. Welche Herausforderungen beide Formationen für dieses Gemeinschaftsprojekt meisterten, erzählten sie bei einer der letzten Proben.

„Oh je, ob das wohl klappt?“ Als vor drei Jahren der musikaffine Zweibrücker Fotograf Thomas Füssler auf die Idee kam, die Zweibrücker Stadtkapelle mit der saar-pfälzischen Rock-Band Purple Haze für ein gemeinsames Charity-Konzert-Projekt unter dem Motto „Rock meets Brass“ zusammenzubringen, war auf beiden Seiten die Skepsis groß. Und doch stellten sich die zusammen 60 Musiker dieser faszinierenden Herausforderung und ließen sich auf das Abenteuer ein. Ein Aufbruch in neue Welten, wie die erste gemeinsame Probe zeigte. Die Musiker tun das für den guten Zweck und den Verein „We Are One“. Gegründet haben ihn Foto- und Videografen aus der Saarpfalz, um Geld für die Kinderpalliativstation der Homburger Universitätskliniken zu sammeln.

„Wir sind als Orchester straff durchorganisiert und dirigiert, spielen alle nach Noten. Da kann nicht plötzlich mal jemandem etwas einfallen und er spielt einfach rein“, beschreibt Kapellmeister Björn Weinmann. Jedoch freut er sich über das Projekt sehr, hatte er selbst doch bereits „Cross-Over“-Ideen.

„Wir spielen völlig frei nach Gehör, ohne Vorlage und orientiert am Original, die meisten von uns können keine Noten lesen“, erklärt Dirk Reichel, Lead-Sänger der 1993 als Bandprojekt der Städtischen Musikschule Zweibrücken gegründeten Rockband.

Ruft der Dirigent in einer Probe einen bestimmten Takt für den Einstieg auf, erntet er von der Band fragende Blicke und singt schnell ein paar Takte vor. „Spielt einfach, wir kommen dann dazu!“ Und los geht‘s. Denn auch der Einstieg in ein Stück ist beim Orchester ganz anders, als bei der Band. Gibt beim Orchester der Dirigent mit dem Taktstab lautlos das Tempo mit in die Luft gezeichneten Metrumschlägen vor, schlägt bei der Band der Drummer lautstark seine „Sticks“ gegeneinander.

Der Weg zueinander war für beide Seiten daher keine kleine Herausforderung – und dennoch waren nach den ersten Gehversuchen alle gleichermaßen begeistert wie entschlossen. „Das wird der Höhepunkt meiner musikalischen Karriere“, strahlte Stadtkapellen-Urgestein Werner Klein. Selbst das anfängliche „viel zu laut“-Geschrei der Bläser, die neben dem Bandschlagzeug ihre Kollegen nicht mehr hörten, ließ sich in den Griff bekommen.

Das erste Stück, das beide Bands zusammen probierten, war das Queen-Medley der Stadtkapelle. „Das klingt richtig gut“, staunte damals nicht nur der Vereinsvorsitzende und Posaunist, Volker Lehner.

Während es Cross-Over-Projekte von klassischen Orchestern und Rockbands schon lange gibt, beschreiten die Stadtkapelle und Purple Haze mit ihrem Projekt tatsächlich Neuland. Björn Weinmann bestätigt: „So etwas gibt es noch nirgends.“

Entsprechend viel Arbeit hatte er damit, die durchaus vorhandene Big-Band-Notenliteratur etwa zu Deep-Purple Hits oder der „Neuen Deutschen Welle“ von „Ich seh‘ den Sternenhimmel“ bis „Skandal im Sperrbezirk“ oder „1000 Mal berührt“ so anzupassen, dass auch die Rock-Band zum Zuge kommt und eine grandiose Harmonie entsteht. Denn beide Partner sind bekannt für ihre hohe musikalische Qualität und stellen diesen Anspruch auch an das gemeinsame Projekt.

Mitten in die Vorfreude auf das Konzert „Rock-meets-Brass“ im Mai 2020 kam die Pandemie. Die Proben waren erschwert oder fielen komplett aus. Zeit, die sowohl die Stadtkapelle als auch Purple Haze nutzten, um neue Stücke einzustudieren und auch neue gemeinsame Stücke vorzubereiten. Rückblickend und ungeachtet der Enttäuschung, wenn das Konzert erneut verschoben werden musste, sind sich alle einig: „Die Probenzeit hat uns gut getan!“

Mit jedem Durchgang wurde das Klangergebnis besser. Und: Beide Seiten lernten erheblich voneinander. Dazu haben alle dasselbe Lieblingsstück, nämlich das Led-Zeppelin-Medley, das die Bläser ohne den Purple-Haze-Impuls niemals angepackt hätten. Die Stadtkapelle wurde lockerer, die Blasmusiker dürfen zwischendurch mitsingen und die Band erkannte den ein oder anderen Vorzug einer durchstrukturierten Vorgehensweise.

In ihrer Spielfreude rissen sie sich gegenseitig mit und potenzierten diese regelrecht. Auch die Spannung und Vorfreude des Publikums nahm mit jeder Terminabsage zu, sodass das Konzert am kommenden Samstag, 24. September, um 20 Uhr in der Zweibrücker Festhalle ausgebucht ist. „Das wäre 2020 anders gewesen“, freuen sich die Musiker über das gewachsene Interesse.

Die Zuhörer jedenfalls dürfen sich auf ein Konzert der Extraklasse freuen, das jeden Geschmack und jedes Alter bedient. Während der Balkon in der Festhalle bestuhlt bleibt, gibt es im Parterre reine Stehplätze, auf den richtig abgerockt und getanzt werden kann. Zunächst spielt die Stadtkapelle, gefolgt von Purple Haze, jeweils einige Titel in der gewohnten Formation solo, bis in der zweiten Halbzeit dann mit dem Projekt „Rock meets Brass“ gilt: „We are One“.

www.skzw.de

http://purplehaze-rock.de