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Stadtbus Zweibrücken reagiert auf Kritik von Atilla Eren

Viele Diskussion in Zweibrücken um Fall eines stehen gelassenen Neunjährigen : Not-Masken in Stadtbussen sind nur für Schüler

Zwar herrscht in Bussen Maskenpflicht. Doch Schülern darf der Transport laut Corona-Bekämpfungsverordnung nicht verweigert werden, wenn sie ihre Maske vergessen haben. Das gilt aber ausschließlich für den Schulweg – also nicht den bedauerlichen Fall des Neunjährigen neulich, erklärt die Stadtbus-GmbH. Generell bemühen sich die Fahrer sehr um Kinder, auch über Vorschriften hinaus.

Es ist das bislang auf Facebook wohl meistdiskutierte Thema dieses Jahres in Zweibrücken: Ein Stadtbus-Fahrer hatte einen neunjährigen Jungen an der Bushaltestelle stehen lassen, weil der Junge seine Coronaschutzmaske vergessen hatte – und im Bus keine mehr vorrätig war (wir berichteten). Der Vater, „Bürgernah“-Stadtrat und Ex-Oberbürgermeisterkandidat Atilla Eren, hatte den Fall auf Facebook öffentlich gemacht.

Die Stadtbus Zweibrücken GmbH hatte daraufhin zunächst im Merkur erklärt, für Notfälle ein paar Ersatz-Masken in den Bussen zu haben und sogar unentgeltlich auszugeben, wenn mal jemand eine vergessen hat (nur in diesem Fall sei leider keine mehr da gewesen). Doch angesichts des gewaltigen Echos auf Erens Facebook-Post und den Merkur-Bericht wächst jetzt die Sorge bei der Stadtbus-Gesellschaft, zu viele Leute könnten sich darauf verlassen, in Stadtbussen eine Maske zu bekommen.

Die stellvertretende Betriebsleiterin Anja Belli-Jag sagte am Freitag unserer Zeitung: „Unsere Fahrer haben zwar eine Notreserve von Masken dabei – aber die sind zweckgebunden für Schüler, wenn jemand ohne Maske kommt. seine eigene Maske vergessen oder verloren hat oder sie kaputtgegangen ist.“

Busfahrer dürfen Kinder auf dem Weg zur Schule nicht stehen lassen, wenn sie ihre Maske vergessen haben. Denn die aktuelle (15.) „Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz“ schreibt in Paragraph 9 (2) vor: „Die Beförderung von Schülerinnen und Schülern gemäß § 69 des Schulgesetzes (SchulG) oder § 33 des Privatschulgesetzes (PrivSchG) darf nicht mit der Begründung verweigert werden, dass diese keine Maske tragen.“

Das städtische Schulverwaltungsamt habe der Stadtbus-Gesellschaft deshalb Masken zur Verfügung gestellt, berichte Belli-Jag. „Die sind aber nicht für Erwachsene.“ Und die Stadtbus-Gesellschaft appelliere auch an Eltern, darauf zu achten, dass ihre Kinder immer genug Masken dabei haben. Denn das von der Stadt zur Verfügung gestellte Masken-Kontingent sei begrenzt und für die oben genannten Notfälle.

Dass der Neunjährige ohne Maske in der Canada-Siedlung nicht in dem Bus einsteigen durfte, sei auch „dem Fahrer sehr unangenehm“, betonte Belli-Jag. Es habe sich aber um einen beweglichen Ferientag gehandelt, an dem die in Beförderungspflicht für maskenlose Schüler nicht gelte. Trotzdem hätte der Busfahrer dem Jungen eine Maske ausgehändigt – wenn denn eine vorrätig gewesen wäre. Weil zuletzt an den Ferientagen und auch weil außer Notbetreuung in den Schulen zuletzt fast nur Homeschooling gemacht wurde, kaum mehr Schüler in den Bussen waren, wurden zuletzt nur noch drei Ersatz-Masken pro Bus bereitgehalten. Belli-Jag: „Die ganze Woche vorher hatte niemand eine Maske gebraucht – und an dem Morgen, wo der Neunjährige kam, waren es gleich vier.“ Weil (abgesehen vom Sonderfall Transport zur Schule) in allen Bussen Maskenpflicht herrscht, habe der Fahrer sich schweren Herzens entschieden, den Jungen nicht einsteigen zu lassen – auch mit Rücksicht auf ältere, durch das Coronavirus möglicherweise besonders verwundbare Passagiere. Hätte Eren sich bei der Stadtbus-GmbH gemeldet, hätte man ihm dies auch gerne erklärt.

Belli-Jag kündigte an, mit Beginn des Präsenzunterrichts lege man wieder mehr Masken in die Busse. Aber die stellvertretende Betriebsleiterin fasst noch einmal zusammen: „Die Masken sind zur Not – und nicht für jeden.“

Auf Facebook reichten die Reaktionen auf das Stehenlassen des Neunjährigen von heftiger Kritik an Eren – Eltern seien verantwortlich dafür, dass ihre Kinder immer Masken dabei haben – bis zu viel Verständnis für Eren, weil auch bei bester Erziehung nicht auszuschließen ist, dass ein Kind mal etwas vergisst oder verliert. Auch über die Entscheidung des Busfahrers wurde heiß diskutiert – vom großen Lob für die Sorge um den Infektionsschutz seiner Fahrgäste bis zur Kritik, er habe kaltherzig gehandelt.

Auch bei den Stadtbus-Fahrern sei der Vorfall natürlich Thema gewesen, berichtete die stellvertretende Betriebsleiterin Belli-Jag. Bei allem Verständnis für die Diskussion finde man es aber schade, dass nur über solche Fälle diskutiert werde – nicht aber, wie viel Mühe sich oft Fahrer mit Kindern mache. So seien schon Kinder, die im Bus eingeschlafen waren, danach vom Busfahrer an der Endhaltestelle aufgeweckt und noch nach Schichtende nach Hause gefahren worden, erzählte Belli-Jag. Erst Mitte Januar hatte der Merkur berichtet, dass Stadtbus-Personal einige Schüler mit eigenen Autos gefahren hatte, als wegen heftigen Schneefalls und schlecht geräumter Straßen der Busverkehr eingestellt werden musste.